Welcher Text zum Thema findet euer Gefallen?

Umfrage endete am Mi 21 Aug, 2013 00:41

1 ich wurde hier geboren
2
7%
2 Karussel
2
7%
3 Mein Kaffee
3
11%
4 ohne
1
4%
5 Smalltalk beim Sonntagbrunch
4
15%
6 aus der welt geschafft
2
7%
7 Sommertag
2
7%
8 HIER UND DORT
3
11%
9 ich wurde hier geboren ...
4
15%
10 ohne Titel
3
11%
11 ohne Titel
1
4%
 
Abstimmungen insgesamt : 27

Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Do 01 Aug, 2013 00:41


denkt dran jeder kann seine drei stimmen auf drei texte vergeben.




zu diesem thema sollte assoziiert werden:
ich wurde hier geboren gegen mein willen, und ich werde hier sterben gegen meinen willen!
("i was born here and i'll die here against my will" aus dem song not dark yet von bob dylan)


1 Beitrag von Knistern
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.
ich wurde hier geboren gegen mein willen, und ich werde hier sterben gegen meinen willen!



Das Erste ist nur Hypothese
Weil niemand sich erinnern kann
Wenn ich solche Behauptung lese
Dann fliegen mich schon Zweifel an
Wie seriös ist solch ein Satz
Der Unbeweisbares hier spricht
Oder liegt tiefer doch der Schatz
Vielleicht ist gar so dumm er nicht

Als Arbeitsthese hier zunächst
Nehmen wir die Behauptung hin
Und schauen was uns dann erwächst
Vom Ende her, hin zum Beginn.
Dieser Aspekt ist int´ressanter
Denn ich hört´ auch in nah und fern
Die Position, die ist bekannter
Kaum jemand stirbt ja wirklich gern
Schon Seneca sprach dass das Leben
Ihm scheint wie ein Theaterspiel
Zum Schluss kommt der Applaus da eben
Doch ist zu End´ dann auch das Spiel.
Denn ist der erste Satz denn wahr
Man käme ungern in die Welt
Dann wär das Leben wunderbar
Egal wie jemand eingestellt
Weil man so ungern es verließe
Muss es doch schön gewesen sein
Wenn unwillig man eben diese
Verlässt ins Nichtvorhandensein

So will, wer da ist, hier auch bleiben
Weil keiner weiß, was kommt danach?
Egal was sie auf Erden treiben
Was bleibt im Weltenalmanach?
Oder ist Sein ein Wert für sich?
Das dünkt mir wenig, sogar hohl
Ich finde das wär fürchterlich
das kanns nicht sein denk ich….obwohl…?

.
.

2 Beitrag von wilma
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Karussell

Wir beide kennen diese Oper nicht. Wir beobachten Gondeln auf sich kräuselnden Wellen
und hören zwar die Gesänge, verstehen jedoch den Text nicht. Das Orchester auf der Bühne neben uns lässt sich aus diesem Winkel nur schlecht fotografieren.

Mattes Licht quetscht sich durch Wolkenrisse. Wir stehen auf und folgen den
ausgetretenen Wegen. Ein weißer Pantomime maschiniert mit Seifenblasen, und still kommuniziere ich mit ihm, während du am realen Lebensstand den Rotwein bestellst.

Glaskörper wandern weiter, und es drängt mich in dieses Karussel dort vor uns. Ob ein
Zusteigen noch möglich ist, frage ich, ernte ein Nicken des Chauffeurs und setze mich an den Tisch zu der Toten. Du setzt dich neben mich, Glas an Glas sitzen wir, und das Personal reicht uns einen Becher mit Apfelessig, Ginever und fremden Kräutern gegen den Schwindel. "Weil die Fahrt links herum geht und es den Chakren wohl bekommt. Apfelessig ist auch linksdrehend", krächzt der Vogel.

An der Decke hängen noch anderen Leichen, ihre Nervenkostüme baumeln uns entgegen, dazwischen sehe ich einige nackte Putten im Flug. "Die Fahrt dauert sechs Monde", erklärt
uns der Rabe, und bläht sein purpurnes Samtkleid kurz auf. Er lacht dich geräuschvoll und mit verzerrtem Gesicht an oder aus, das kann ich nicht sehen. Ich lege derweil meine Hand in die offene, versteifte Hand der Frau bei mir, streichle ihr langes, strohiges, graublondes Haar, richte es und drappiere es über ihre Schulter. Schön ist sie, schön.

Der Rabe bringt das Karussel in Schwung und grinst verschmitzt. Auch Kinder sitzen hier,
sie entlächeln etwas tröstlich Frisches, und ich nehme ihre Frische auf wie dieses linksdrehende geheimnisvolle Elexir.

In voller Fahrt, die Fahrt in den Tod währt unser Leben lang, gerate ich in Kontakt mit
dem Widersinnlichen. Für eineinhalb Stunden verfliegen wir; in Erwartung auf den Empfang. Ein Mann spielt das Banjo, dazu singt eine Frau das Lied ewiger Liebe. Einige der Rondellgäste klatschen, konsumieren amüsiert.

Als wir aussteigen, sehe ich gerade noch deine hellen Beine, dein dunkles Hemd ist von der
Nacht verschluckt. Bald hat die Dunkelheit dich aufgesogen.

Du bist der Grashüpfer und ich der Nachtfalter.

Ich laufe allein durchs stille Schwarz und fühle mich geborgen. Du wähntest dich in meiner Begleitung, zusammen waren wir nicht.

.
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3 Beitrag von lavite-machine
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Mein Kaffee


Die Filtertüte

Erde. Was war das noch gleich?
Ja,genau,ein Platz für Menschen! Naja,
vielleicht eher eine Bombe im Stand-by-Moduus. Oder ein Vakuum mit
vorgetäuschtem Aufenthalt? Nein, ich weiß, man hat es mir ja erklärt. Damals.
Und im Bilderbuch sind doch Buchstaben!Hätten Hase und Igel doch nur nie
miteinander gesprochen. Phantasia steht in jedem Bücherschrank. Das Problem an
der Wurzel packen: Die Verfasser sind Schuld. Der mit der reinen Weste werfe
bitte den ersten Stein. Aber schön der Reihe nach - damit ich die Lüge ganz
genau auseinander nehmen kann. Oder ist der Hase nur gehoppelt? Und hat sich
der Igel dann zusammengerollt? Ursache und Wirkung: Verfehlt.
Der Löffel Kaffeepulver

Menschen? Ja, es soll sie geben. Überall.
Laufen in der Regel aneinander
vorbei. Beim Reden gleichermaßen. Sind zwei gut gelaunt, kann es sogar ein
guter Tag werden. Der nächste steht in den Sternen. Dort hat er es gut.
Vielleicht trifft er ja Pluto. Dann war der Tag morgen schon irgendwo, wo ich
noch nicht war. Ist zumindest ein Grund, sich auf morgen zu freuen.
Konsequentes Aufrechterhalten der Lebensfreude. Macht sich in der Regel gut, um
nicht durchzudrehen. Mensch und Sein: Verfehlt.
Milch

Zeitlupe oder Zeitloch?
Ansichtssache.
Zucker
Z wie Zeit.Anhaltspunkt.
Umrühren
Bin ich nun
die Rote Karte bei erhobener Hand? Oder das As im Ärmel? Und wer
hat mich Schach matt gesetzt? Oder habe ich gegen mich gespielt? Und wenn ja,
warum haben die Figuren so falsche Sprünge gemacht? Oder war ich es selber?
Selbstzweifel blockieren den Freigeist. Oder fördern sie ihn? Immer diese
Irreführungen. Schuld und Unschuld. Und überhaupt, da fällt mir ein: Schach ist
doch kein Kartenspiel! Konzentration. Kunst. Respekt vor dem gekonnten Zug.
Fair Play. Und die Welt ist grausam. Wie dem auch sei: Auch hier gibt es ein
erhofftes Ende. Das Spiel geht weiter. Egal wie - Das Leben ist eben kein Brett
mit Feldern. Die Karten werden immer neu gemischt - oder: Rien ne va plus. Die
Kugel bleibt eben irgendwann stehen. Und kommt mit neuem Schwung zurück.
Kaffeesatz

Es lebe die Wahrheit
- im Herzen -
Beim Spülen
Mehr gibt es eben doch nicht.
Hinter meiner verstörten Wahrnehmung.
Aber im doch ist halt was.

.
.
4 Beitrag von Kokoschanell
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ohne



Ohne es zu wollen

bin in ich geboren,

sagte er

hier in dieses leben

gestellt

an diesen platz

verantwortungsbedrängt

für mich, für dieses leben, für diesen platz

zu viel

ist ihm zu wenig

ohne es zu wollen

vielleicht,

vor allem aber ohne es zu wissen

ist er geboren

behauptet er

behauptet sich

ohne wissen doch kein leben und kein platz,

kein sinn auf dieser welt so

bleibt nur klagen dem

der sich nicht sucht

findet nicht

.
.
5 Beitrag von findefuchs
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Smalltalk beim Sonntagsbrunch


.
A Anfang und Enden liegt in Gottes Händen.
.
B Bist du bei klarem Verstand?
.
A Ich bin.
.
B Du bist?
.
A Ich bin, weil er ist.
.
B Und wenn er nicht ist?
.
A So bin ich doch, oder wir sind nicht.
.
B Willst Du sein?
.
A Ich muss sein.
.
B Begreifst Du das?
.
A Ich muss es begreifen lernen.
.
B Dass du sein musst, oder nicht sein kannst.
Dass allein nur dies der vorgegebene Rahmen ist.
.
A Dass das alles ist. Nichts weiter.
.
B Willst du noch einen Kaffee?
.
A Sei nur zynisch!
.
B Der freie Wille ist ein guter Akrobat.
.
A Ein Gaukler?

B Er schaukelt zwischen den Polen.
.
A Eine Illusion.
.
B Eine Illusion, inmitten unzähliger, planvoller Neuronen-Ströme,
voll millionenfacher Möglichkeiten, mit vermeintlich freier Auswahl.
.
A Die Illusion der Wahl?
.
B Die innersystemische Wahl.
.
A. Ohne externen Zugriff.
.
B Um Gottes Willen...!
.
A Das hast du gesagt!
.
.
6 Beitrag von atti
.
.
aus der Welt geschafft

stets wärmer wird die Erde,
habe ich gehört,
jedoch wird mir der Sommer
kürzer jedes Jahr.

einst schloss mir diese Wunde,
dass mit jedem Ding
ich ewig sei im Bunde,
wohin ich auch ging.

Heut lach ich bei Novalis’
Traum vom Zauberwort,
dem Wahn der Harmonie, dem
mancher weiter folgt.

seit diese ganzen Kopfge-
burten mich nicht mehr
bestimmen, in mir nur ein
andres Lied erklingt,

seit diesem Punkte bin ich –
was bin ich eigentlich?
ich weiß nicht, will nicht wissen,
kann es schlicht auch nicht.

das Nicht bestimmt, mag jetzt man
sagen über mich.
dass nichts bestimmt, mag ich dann
sagen über mich.

dass alles mir als Spiel ge-
blieben ist, könnt ich
dazu ergänzen: dass man
fügsam sich ergibt.

was hat denn irgendetwas
hier und jetzt mit mir
zu tun? was hat denn irgend-
jemand je dabei

zu tun? man weiß es nie, kann
nur behaupten und
mir fehlt für solches Handeln
ehrlich schlicht die Kraft.

bin aus der Welt: so möcht ichs
halten. aus der Welt
möcht ich mich halten, weil michs
in ihr nicht mehr hält.
.
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7 Beitrag von maxk
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Sommertag

Der erste Stundenschlag des Tages könnte getrost auch sein letzter sein. Mein
geschmackvoll ausgewählter Lieblingssong der Woche erinnert mich schmerzlich daran, dass dies nicht passieren wird. Bei ihm kann ich mir sicher sein, alle 10 Minuten dringt er wieder in mein Leben, seine Fröhlichkeit sitzt klatschend auf meinem verfallenden Hirn und feuert mich an mich meinem Schicksal zu ergeben. Aus purem Trotz halte ich die Folter weitere 30 Minuten aus, bilde mir ein ich sei müde und fähig mich meinen Träumen hinzugeben.

Oft werde ich mit einem Schläfer verwechselt, einer Person die gerne Zeit verschlingt, mit
träumen verbringt, ein in sich Ruhender der seine Antworten in sich selbst findet. Ich schlafe, ja, aber träumen tue ich nicht. Manch einer verliert sich in fremden Welten und schwärmt nachher davon, nie wieder aufwachen zu wollen. Nicht, dass ich nicht fliehen wollte, aber für mich gibt es keine zweiter Welt. Für mich gibt es im Schlaf gar keine Welt, ich tauche ab ins Nichts. Vielleicht ist es angenehm in diesem Nichts, ich weiß es nicht. Jedes Mal wenn ich aus dem Nichts auftauche ist es jedenfalls sehr unangenehm, ich kann mir nicht vorstellen, dass dies irgendwo anders schlimmer sein kann. Nein, wenn ich schlafe gehört mein Körper ganz der Matratze und der Geist verkriecht sich auch irgendwo unter dem dreckigen Bettlaken – für Träume ist da kein Platz.

Ich stehe auf, stehe mich kratzend vor dem Spiegel. Gehe zur Spüle, mache mir Kaffee,
hole mir ein Toast [ kein Bock zu essen, kommt ja doch nur Scheiße raus], stehe vor dem Spiegel. Langsam springen wieder die Funken in meinem Hirnbrei. Umziehen, ja umziehen wäre wichtig. Duschen optional. Rauchen. Duschen und rauchen? Nein erst rauchen. Ich setze mich aufs Klo, fummel mir einen Tabakzylinder aus der Hemdtasche. Erst der Teergeschmack auf meiner Zunge sagt mir, dass ich wirklich wach bin, dass nach Tag 8030 nun Tag 8031 folgt. Gedanklich mache in einen Strich auf meiner übergroßen Kreidetafel. Beim Duschen überlege ich mir, dass mir noch ungefähr 24000 Striche auf meiner Tafel fehlen, ‘ne ganze Menge Zeit.

Angezogen, geduscht, Kaffeegeschmack vermischt mit Teer im Mund – ich gehe meine
tägliche Checkliste durch. Ja, scheint alles da zu sein, raus aus der Bude, rein ins Getümmel. Gegenüber von der Haustür grinst mich eine Frau an. Sie sitzt, nein hockt in einer großen Vase gefüllt mit überdimensionierten Erdbeeren, ihre blanken Busen schauen ober aus der Masse heraus. In ihrem Mund funkeln ein paar Zähne, ihre Augen starren leer. Sie grinst mich an, als wüsste sie, dass ihre Art nicht von Dauer ist, was war wird morgen wieder übertüncht sein.

Raus aus der Tür, das Getümmel um mich herum nimmt zu. Gespannt schaue ich auf das
bunte Treiben um mich herum. Die Zahl der Feen, Kobolde, Drachen, Dämonen oder Delfine nimmt jeden Tag zu, immer ausgefallener muss es sein. Bald wird es mehr Farbe auf der Haut geben als Zauber in den Gesichtern.

Ein Lächeln wird mir doch entgegen gebracht. Sofort fällt es ins Auge, strahlt durch das
Grau der Gesichter. Ich nehme es auf, genieße es, spiele damit, rätsle über die Bedeutung. Ich freue mich, ein netter Tag – ob ich ihn wohl wiedersehen werde?

Als ich das Lächeln erwidern möchte ist die Person bereits längst wieder verschwunden,
von Überraschung keine Spur. Ich setze meinen Weg fort, bin an sein Ziel, schaue mich dann um, gehe weiter, weiter, bis mich wieder etwas fesselt und mich zwingt stehen zu bleiben.
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8 Beitrag von sandkorn
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HIER UND DORT
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Meine Wurzeln,
dort,
auch hier,
und jetzt,
inmitten von hier und dort,
setze ich mein Leben fort,
muss nichts aufgeben,
um ganz hier zu sein,
keinen Spagat wagen,
habe längst die Brücke geschlagen,
die mich lässt wandeln,
zwischen hier und dort.

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9 Beitrag von cube
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ich wurde hier geboren gegen mein willen, und ich werde hier sterben gegen meinen willen!
("i was born here and i'll die here against my will" aus dem song not dark yet von bob dylan)


Renata ist wieder da. Sah sie sitzen, mit drei anderen Mädchenfrauen, eine schrecklicher als die andere, seelenverkrüppelten Seelenverkäuferinnen, deren Preise sinken; durch die brüchig gewordene Außenhaut dringt ungefiltertes Leben. Täglich muss mehr gepumpt werden, um die vor ihrer Zeit Gealterten auf den Oberflächen zu halten, das Wasser steht bereits bis zum Hals, oder Oberkante Unterlippe, wie mein Alter zu sagen pflegt. Er ist ein Sammler, auf steter Suche nach Umrissen der Menschen, wie er sie sieht, und Worten dafür, als wären sie Insekten, die mit ein paar wohlgezielten Worten auf weiße Unterlage gepinnt gehören. Als wären die Artgenossen nur interessant, wenn sie offensichtlich ausreichende Fehlbildung aufweisen, um hinreichend normale Gestalten unserer Art sanft-erschreckt Staunen zu lassen. Wenn sie bei Alkoholika und Häppchen, in Gesellschaft vorgeblich Gleichgesinnter, seinen Konzerten lauschen; wo der Sammler herzeigt, was sich anfand, zum Anschaun präpariert, in Kuriositätenkabinetten ausgestellt, seinen Alben und Textsammlungen, live & direkt, laut und bunt in Szene gesetzt von den Klangfarben seines fassförmigen Körpers. Diese Geschichte hat er nicht, er fand sie nicht, sie fand mich, oder ich erfand sie. Von Renata. Nur um sie soll es gehen. Renata erstach ihren Pusher. So oder ähnlich titelte das hiesige Aufhetzungsorgan, und zeigte auf Seite eins, wie eine junge Blondine in mainstreamchic, von zwei Artgenossen am Arm gehalten, offensichtlich abgeführt wurde; das Gesicht verdeckt mit der linken Hand, die voller Blut war, die Bildauflösung ist nicht so schlecht, es ist zu erkennen, wie fein die rot lackierten Fingernägel zugefeilt sind, ihr Mund : ausdruckslos oder entspannt. Es ist ein ahnsehnlicher Mund, es könnte Spaß machen, sie zu küssen, wenn man nicht weiß, wer sie ist, was sie tut oder getan hat, seien es jetzt statistische Ausreißer wie die Tötung ihres Pushers, was vom Gericht wohl als Notwehr ausgelegt wurde, sonst wäre sie nicht schon wieder frei und könnte ihre Gefährtinnen frei halten; oder ihr Tagesgeschäft. Sagen wir mal Körperverleih, Diebstahl, Drogenhandel. Obwohl man sie auch küssen können wollte, wenn man von dieser Lebensführung, jenen Vorkommnissen hörte; oder gerade dann. Sie ist ja auch hübsch, wie gesagt. Nicht wie die andere da. Von außen besehen wirken diese Lebensläufe wie von der Stange, Tarantinos Filmpersonal, und man könnte sich fragen, wer hier wen erfand, wessen abgeschmackter Lebenslauf von der Stange dort eigentlich nachgeäfft wird. Diese lebensgestaltenden Aktivitäten jedenfalls, was sie, laut dieses Artikels und der Erzählungen eines Bekannten, der mit ihr zusammen das Gymnasium in Kiel besuchte, und der ihr nebenbei bescheinigte, ein verwöhntes Reichengör zu sein, das ihre kleine persönliche Revolte zu weit führte, jetzt verirrt in ihrem Leben sei; oder vielleicht ist das auch Veranlagung, sagt wer. Was sie jedenfalls ständig tat, was bei Charakteren ihres Schlags keine Überraschung ist, weil die eben stets mit den gleichen unfruchtbaren Ideen das Feld ihres Lebens davon abzuhalten versuchen, etwas auszublühen. Weil sie es nicht vermochten, festen Grund zu finden, oder sich den schwankenden Gang der Seefrau anzueignen, deren Gleichgewichtsorgan automatisch die Unwägbarkeiten und Angriffe des Meers der Möglichkeiten ausgleicht, ohne Gedanken daran zu verlieren, ohne Energien zu verschwenden mit der Suche nach festem Grund, wo keiner ist; und sei es nur für sie und ihresgleichen, oder Suchen am falschen Ort, ein bisschen spät, etwas zu langsam. So was. Das Leben kann angesichts dieser schicksalhaften Gesamtlebenszusammenhänge seltsam willkürlich, streng und sogar grausam wirken, es ist auch nicht unbedingt fair. Zu viert saßen sie an dem Tisch. Renata mit dem Rücken zur Wand, hübsch wirkte sie und aufgeregt, sie erzählte etwas ihren Tischgenossinnen, die ihr anscheinend aufmerksam zuhörten. Die eine beugte sich sogar vor, als ob sie besser verstehen wollte, als ob ihr kein Wort entgehen solle. Dass ist die vorhin Erwähnte, die gemeinte, die ungemeine Mädchenfrau. Sie ist die Ärgste. Es steht ganz arg um sie. Man kann sich fragen, wie es dazu kam, dass ein Mensch, der noch nicht älter als 30 ist, derart zugerichtet ist, mit so einem. Gesicht, gezeichnet von gezielter Selbstzerstörung durch Selbstvergiftung, vom täglichen Sichzurichten. Mitanzusehen, wie man sich zerstört, sein Leben unlebenswert machen, oder machen zu lassen, ohne dem Einhalt zu gebieten, oder giebeten zu können. Man kann sich da wundern. Es lässt sich vermuten, dass zwischen den zerstörten Zügen ihres Gesichts und dem exzessiven Konsum von Freebase erstursächlicher Zusammenhang besteht. Man könnte fürderhin vermuten, dass die tägliche Praxis des Körperverleihs gegen Geld mitsamt Begleiterscheinungen wie öffentliches Ausstellen dessen, was von ihr übrig ist; verächtlichen und sogar angeekelten Blicken derer, denen sie ihren zugerichteten Fleischsack, der vor allem zwei Löcher trägt : das eine soll penetriert werden gegen Geld, das sie eintauscht gegen gelbliche Klümpchen des Steins, den sie in der Pfeife raucht, damit der hochtoxische Rauch Lunge & Hirn penetrieren kann. Auf dass nichts ausblühe auf dem Feld ihres Lebens, auf dass nicht gesehen werden muss, welche Gewächse auf diesem Grund gedeihen. Ich sehe sie manchmal, auf dem Weg zur Universität oder zur Arbeit, zu Penny oder zum Gemüsetürken, zur Bibliothek oder zum. Das sind so Wege, die führen über den Steindamm, eine Straße, die mit ihren Kreaturen und Institutionen als widerständiger Rest des einstigen Molochs zu gelten hat, dessen vormaliges Gedeihen die vordergründig liberalen, eigentlich jedoch gleichgültigen Gesetze einer reichen Stadt zu verantworten haben, deren Geschicke seit jeher von Kaufleuten gelenkt wurden. Pfeffersäcke, höchstens distinguierte Opportunisten. Sie jedenfalls. In einem der wenigen Aufgänge, die nicht wie meiner von Stahlgittern versperrt sind, steht sie manchmal. Allein oder mit ein, zwei Anderen. Sind sie zu mehreren, weiß man gleich, was Sache ist. Da ist dann irgendwo ein Löffel, notdürftig vor Passanten-Blicken verborgen; verborgen vor Passanten, die zumeist nichts weniger wollen, als hinsehen; wohingegen die kleine Gruppe Verfemter auf diesen Löffel und die Zubereitung von Freebase aus Pulverkokain und niedrigprozentigem Ammoniak voll fokussiert ist. Oder es wird gerade geraucht. Dann verliert sich der Rauschende völlig in der Tätigkeit des Anzündens und Inhalierens und bleibt auch nach dem Ausatmen für eine Weile verschwunden. Das ist ganz offensichtlich und für jedermann sichtbar. Es sieht nur niemand. Es ist auch nicht leicht zu erkennen, und schön anzusehen ist es ebenfalls nicht. Ist diese Mädchenfrau allein, erwartet sie entweder einen Kunden, der sie aus rätselhaften Gründen gegen Geld zu penetrieren bereit wäre, oder sie erwartet einen Pusher, der ihr herbeipenetriertes Geld gegen Gemisch tauscht, oder – sie kämmt sich das Haar. Rötlich-blondes Haar, seidig glänzend, immer gepflegt, schulterlang. Aufsehenerregendes Haar. Von seltener Farbe und Struktur, es ist schönes Haar, das mglw nach Sonne riecht, die über einer endlosen Küstenlinie scheint, wo einem die Geliebte sagt, sie will immer mit dir zusammensein. Es kann sein, dass sie sich selbst vergisst, dass sie da steht, gegen ein Auto gelehnt, oder auf einem der stählernen Gebilde sitzt, falls keine Fahrräder angeschlossen sind; es kann sein, dass sie sich vergisst und einfach nur da ist, ganz ruhig, und wenn man zum Beispiel vom Busbahnhof kommt, sich ihr also von hinten nähert, und dieses Haar sieht, also. Ich war davon einmal ganz hingerissen, verzaubert, in einem Moment der Betrachtung gefangen, aus dem heraus ich nicht zu entkommen wünschte. Normalerweise aber ist sie nicht so. Es kann sein, dass ich sie noch nie so erlebt habe. Möglicherweise ist das eben beschriebene Bild nur eine Vorstellung. Was ich weiß, ist, dass sie, wenn sie nicht gerade Kreaturen zu überreden versucht, sie gegen Geld zu penetrieren, oder auf einen Löffel fixiert ist, oder im Rauch verschwindet, dass ihre dritte Beschäftigung ist, sich das Haar zu kämmen. Immer und immer wieder durchfährt sie mit einer Bürste ihr seidiges Haar, betrachtet sich in den Spiegeln der Fensterscheiben, bewegt ihren Kopf ruckartig, ihre Bewegungen sind seltsam ungeschmeidig, unfließend, eine Roboterin, die sich per ständiger Fehlzündung fortbewegt, ruckartig also wirft sie ihr Haar um ihr Haupt, manchmal hält sie ihren Kopf danach in einer schiefen Pose, dass ihr Haar ihr Gesicht verbirgt; und in dieser Haltung verharrt sie. Und kämmt ihr schönes Haar.
.
.
10 Beitrag von struktur-los
.
.
Wie die Welt so auftauchte
aus einem warmen Schoß
sich hinein begab
wo alles schon da war
und nichts blieb stehn


Dort brach eine Hand
ins Zimmer und hauchte
den Stunden einen Kuss
auf die Sekunden -
da wurde es Zeit


Sie staunte und rannte
fühlte Klänge und brannte
sich ein in die Körper und Geister
so weit - bis sie flogen
über Dächer ins Blau


Nur das Schwarz war gelogen
So vergab sich das Wissen das
Schaffen und Leiden
Alles ist da – Nichts
will bleiben


Doch Augenblicklich - wo
eine Wolke sich formt zum Sein
ist Alles Nichts & das Ende ist keins
Wenn ich will ist es da –
dort will ich Sein


(ein herzender Morgen – ein Flügelschlag weit)


Hin über Brücken und weiter
die Felder entlang über Meere
hin zum Licht
welches - wenn es nicht wäre
nicht schon die Flüsse durchflossen hätte

unverblümt blumig die Luft erfüllt
& dich Unberührt
eingeatmet
schmeckt alles nach


Sommer

.
.
11 Beitrag von vorspieler
.
.
sieh nach innen gewandt
es ist Glück in dir verzerrt
ihres wirst du nicht finden
weil du es bist
lass dich gut innen

wende dich ab
zerstöre dich von außen
immer wird es sein

du kommst zurecht
gut bist du drinnen
spüre
und du kannst ziehen
Zuletzt geändert von rivus am Mi 21 Aug, 2013 09:18, insgesamt 9-mal geändert.
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Di 06 Aug, 2013 08:29


liebe lifoianer, urgesteine und grünschnäbel, zollt den hier eingestellten texten eure aufmerksamkeit und stimmt ab!
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon cube » Di 06 Aug, 2013 09:29


wählt meinen text!
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon maxk » Di 06 Aug, 2013 21:59


Ich glaube ich bin der einzige der nicht für sichgestimmt hat :lach:
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Mi 07 Aug, 2013 06:28


keine sorge maxk, der altruismus, wenn es ihn denn wahrhaft gibt, ist dennoch auf den vormarsch...

aber liebe lifoianer, auch, wenn die qual der wahl besteht und die ablaufzeit noch in weiter ferne scheint, stimmt bitte ab!
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Mi 07 Aug, 2013 23:34


hey hey stimmt ab, macht bitte hinne ...
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Sa 10 Aug, 2013 00:29


lifoianer, denkt bitte dran und stimmt ab. der august wandert schneller als eine jahreszeit und der herbst lauert schon irgendwie.
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Mi 14 Aug, 2013 06:46


also stimmt ab und wer es noch nicht weiß, auch die teilnehmer selbst können ihre drei stimmen abgeben, aber bitte fairerweise sollten die drei stimmen auf andre teilnehmerbeiträge verteilt werden, schließlich gibt es den lifoianischen ehrenkodex ...
Zuletzt geändert von rivus am Mi 14 Aug, 2013 06:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Sa 17 Aug, 2013 22:21


hallo liebe lifoianische mitstreiter! ihr urgesteine ururgesteine auf-/ab-/aus-/eingestiegene wählt und stimmt ab! der countdown der tage und nächte, man will es kaum glauben, läuft bald ab!
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Di 20 Aug, 2013 10:17


hi lifoianer! ran an die stimmenabgabe! der countdown läuft!
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Di 20 Aug, 2013 17:37


hey leute! nochmal reinlesen und auswählen und abstimmen! es lohnt sich! der countdown läuft schon auf hochtouren!
Zuletzt geändert von rivus am Di 20 Aug, 2013 17:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Di 20 Aug, 2013 21:17


Hey lifoianische UserInnen! Eure letzten Abstimmchancen! Eure Abstimmung ist nur noch bis 1:00 möglich!
Zuletzt geändert von rivus am Di 20 Aug, 2013 21:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Di 20 Aug, 2013 23:40


leute! denkt an den countdown
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Mi 21 Aug, 2013 08:00


hallo liebe lifoianer & wettbewerbsteilnehmerinnen. ich benötige noch zeit für die auflösung! also geduldet euch bitte noch ein wenig ...
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Re: Wettbewerbstexte zur Juliliforunde 2013

Beitragvon rivus » Mi 21 Aug, 2013 08:05


aber soviel kann ich euch schon verraten. cube und findefuchs teilen sich den ersten platz! herzlichen glückwunsch!
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