Gedichte, die gesellschaftliche oder politische Themen behandeln

Der Humanist

Beitragvon Wasch-Dein-Hirn » Do 03 Jul, 2014 12:18


Auch gebe ich gerne ein älteres Kurzgedicht zum Besten euch. Freue mich auf Kritik, Anregungen und jegliches Feedback!

Der Humanist

Der Humanist, enttäuscht vom Leben,
möcht‘ nicht so recht nach Höh'rem streben,
das Nied're ist's woran er glaubt,
hält and're Quellen für verstaubt,
er tut’s dem Märchenonkel gleich,
beruft sich auf das Wissensreich,
was uns mit Zahlen zeigen will,
den Anti-Schöpfer Meinungs-Drill.

Was beide ja so gern vergessen,
– sind doch auf Physik versessen –
die Wissenschaft auf weiter Flur,
bestätigt halt den Schöpfer nur,
und selbst im Grundsatz unerkannt,
was logisch durch Gesetzte prangt:
Der Schatten wird erzeugt vom Licht,
denn anders rum – das geht ja nicht!

So absolut dies Wahrheit ist,
so sind die beiden angedizzt,
denn statt sich selbst nen Ruck zu geben,
beschwert sie stets im Geiste Trotz,
sorgen, angsten sich im Leben,
am Herzen schmerzt der große Klotz,
die Lebensfragen ungeklärt,
wo Hass und Widerstand sich mehrt.

So gab‘s doch auch einmal die Mär,
Dass uns’re Erd‘ ne Scheibe wär,
der Kepler - oh - das sollt' man wissen,
der war sehr stark in Gott beflissen,
bewies Kopernikus' Gerede,
von der Planetenachsen Wege,
Die Bibel tut es jedem Kund:
die Erde war schon immer: RUND!

Auch das Atom in seiner Einheit,
ist von Gott geformte Reinheit,
denn heut‘ da wissen wir zuweilen,
dass schlimm’s passiert wenn wir es teilen,
hätt‘ man doch auf ihn vertraut,
wär nie ne Bombe daraus gebaut,
die Bibel sagt: was er gefügt,
niemand teilen soll – denn’s trübt!

Die Zelle dacht‘ sich wär’s nicht fein,
könnte sie doch vielfach sein,
so sollt‘ vor‘m Kambrium man seh‘n,
wie Tiere nach und nach entsteh’n,
doch gräbt man tiefer in die Erd‘,
entdeckt man Dinge die von wert,
nicht find‘ man ein komplexes Glied,
was man im Kambrium dann sieht.

In Schichten die die Erd‘ gemacht,
ein Fisch dem fleiss’gen Gräber lacht,
und wenn er in 4 Schichten liegt,
die Fäulnis niemals hat obsiegt,
obwohl wie hörten wir doch da,
pro Erdschicht sind’s paar tausend Jahr‘,
wie hat der Fisch sich dort verrammelt,
dass zigtausend‘ Jahr‘ er nicht vergammelt?

Nach dem Paradies die Leute,
wurden viel mehr alt als heute,
1000 Jahr‘ das ist kein Scherz,
doch ihr Tun erzeugte Schmerz,
bis Gott das Treiben wurd‘ zu bunt,
begrenzt auf 120 Jahre rund,
die Genphysik mit Laserlicht,
heut‘ ebenfalls dies Zahl ausspricht.

Die Kirche ist das böse Glied,
sie sang ja auch das Scheibenlied,
mit Gier nach Macht sie wuchs empor,
lässt Lügen an des Menschen Ohr,
benutzt die Schrift für ihre Zwecke,
die Wissenschaft die liefert Decke,
geschickt verdreht die Faktenlage,
wie diese Leute heutzutage! Amen
Ich habe solchen Hunger, dass ich vor lauter Durst gar nicht weiß, was ich rauchen soll, so müde bin ich!
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Re: Der Humanist

Beitragvon Perry » Do 03 Jul, 2014 14:23


Hallo Wasch-dein-Hirn,
wenn das ein Kurzgedicht ist, dann möchte ich mal deine längeren sehen. :)
Ob ich sie lese, ist allerdings zweifelhaft, weil ich für längere Texte selten die nötige Konzentration aufbringe
und Reimtexte nicht mein Genre sind.
In das "Kurz-Gedicht" schaue ich aber gerne mal rein.

Soweit ich weiß, ist ein Humanist ein Mensch, der kritisch die Umwelt betrachtet und sie verbessern will, insbesondere was die
Persönlichkeitsentwicklung anbelangt.

In der ersten Strophe wird er u.a. mit einem Märchenonkel verglichen,

"er tut’s dem Märchenonkel gleich,
beruft sich auf das Wissensreich,"


worin ich einen Widerspruch lese (gewollt?).

Konstruktiv bin ich über Folgendes gestolpert:

"angsten sich im Leben,"
"wie hat der Fisch sich dort verrammelt,"

Im Grunde bin ich für Wortneuschöpfungen und originelle Wortverwendungen,
wenn sie aber vorrangig der Form dienen, wirken sie auf mich zu gewollt.

Insgesamt, bin ich wohl inhaltlich, wie auch stilistisch nicht der richtige Kritiker,
aber ich habe trotzdem einiges im Text gelesen, dem ich zustimmen kann. ;)

Ich hoffe, es finden sich noch andere, die eine Meinung abgeben.

LG
Perry

PS: "... Dinge die von Wert,
Zuletzt geändert von Perry am Do 03 Jul, 2014 14:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Humanist

Beitragvon Wasch-Dein-Hirn » Do 03 Jul, 2014 22:46


Hallöle Perry,

ich dank dir für deine aufgebrachte Mühe für die Meinungskundgabe.

Na wenn du dieses Gedicht schon lang findest ;-) dann musst du ja zutiefst erschauern vor meinem geplanten Erstlingswerk - welches ich in diesem Jahr veröffentlichen möchte. Denn das komplette Buch ist von vorne bis hinten ausschließlich in reimform geschrieben...

Dass Reimtexte nicht deine Gangart sind - das habe ich schon ersehen, in einigen Threads von dir. Hab auch mal deine Webseite besucht: warst ja wirklich fleißig in der Vergangenheit :-) Daher danke ich dir abermals, dass du trotzdem etwas dazu geschrieben hast.

Zu deinen Anmerkungen

Perry hat geschrieben:Soweit ich weiß, ist ein Humanist ein Mensch, der kritisch die Umwelt betrachtet und sie verbessern will, insbesondere was die
Persönlichkeitsentwicklung anbelangt.


Hinsichtlich der Grundaussage hast du vollkommen Recht. Die einstige Idee des Humanismus zielte auf Perfektionierung von Lebens- und Persönlichkeitsumständen ab. Die Idealisierung des Menschen mit seinen Ressourcen stand immer im Vordergrund der Konzepte. Der klassische Humanismus orientiert sich an griechischen Sichtweisen. Er proklamiert, dass der Mensch alleine alle Geschicke in der Hand haben kann/muss, da er über die entsprechenden Ressourcen des Geistes bzw. der Organisation verfügt.

Dass dies aber faktisch falsch ist, liegt auf der Hand - in zweierlei Hinsicht:

1. Der Mensch kann nicht alle seine Geschicke selbst steuern und zu einem Zeitpunkt vereinen, um dann eine optimierte Abfolge von sicheren Ergebnissen zu erhalten. Seine unzulängliche Erkenntnis der kleinsten Zusammenhänge unserer Welt und anderer Wechselwirkungen, erlaubt ihm dieses erst gar nicht. Auch wenn er fähig ist geschlossene Systeme zu kreieren, die nach seinen Regeln laufen – für eine gewisse Zeit. Zudem hat uns die Gehirnforschung der letzten 20 Jahre schon zigmal bewiesen, dass der Mensch ja noch nicht einmal selbst denken kann…

2. Aus meiner subjektiven, christlichen Sicht, (mit der ich vielleicht [aufgrund der Veränderungen des Humanismus zur Neuzeit hin] einer Minderheit angehöre] ist es ohnehin nicht vereinbar mit dem Wort Gottes. Der Mensch kann und darf sich nicht derart erheben, als sei er oder Overlord. Na wird denn da das Werk wohl mit seinem Schöpfer rechten wollen? Die Welt wird durch den Humanismus zur einzig wahren und geliebten Instanz gekürt – dabei soll dem Christen die Welt fern sein, da das Böse sich dort immer weiter verbreitet. Wie schon eben erwähnt: Selbst denken kann er ja nicht mal…der Mensch 

Obgleich sich auch dieser "frühe" Humanismus bereits durch Polemik, Ausgrenzung und Hochprofilierung von Menschen auszeichnete, ist er dennoch "erträglicher", als die weiteren Entwicklungen dieser Strömung, hin bis in die Neuzeit. Das Ziel war immerzu: Kritik und tiefgreifende Veränderungen an bestehenden Verhältnissen zu üben, die dem Ziel also entgegenstehen, eine idealisierte Verfahrensweise zur optimalen Persönlichkeitsentwicklung zu etablieren.

Nach der dritten Wandlung des Humanismus um 1930 und weiteren Entwicklungen bis in die Moderne – haben sich empfindliche, neue Feindbilder des entarteten Humanismus (eher Humanitarismus) entwickelt. Zum einen ist dort die Glaubensferne zu benennen, sowie auch die zunehmende glaubensfeindliche Einstellung der Vertreter dieser Riege. Andererseits beginnt die Strömung schon länger damit, eine ethische Alleinherrschaft zu installieren.

Und damit ein System einzuläuten bzw. zu erschaffen, was man dann zum Zeitpunkt X mit Systemen, wie im Buch „Brave new World“ oder dem Film „Eqilibrium“, vergleichen kann. Und das wäre aller Freiheit, Freude und echter Liebe Ende!

Daher finde ich den Begriff „Humanist“ hier im Gedicht als sehr passend und wichtig. Da er genau die Ziele dieser Bewegung im Text verkörpert, sowie auch deren stetigen Versuche, die alten Ethnien zu beseitigen oder zu beschämen, um sie dann später zu beseitigen.

Mal Hand auf‘s Herz:

Seit den Zeiten der „Aufklärung & Industrialisierung“, in denen die heutige Essenz des neuen Humanismus zur Reife gebracht wurde, sind wir nicht wirklich an den Rand eines, von Menschen gemachten Paradieses gekommen! Die Probleme der Menschen im alltäglichen Leben haben sich vervielfacht und verschärft in Härte, Intention und Fatalismus, im Hinblick auf die Auswirkungen auf den Einzelnen – wie auch auf Menschengruppen. Und jedes Jahr verschärfen diese sich noch weiter.

Der Humanismus (der Echte - sowieso schon vor 300 Jahren aufgehört hat) hat nicht nur versagt, nein, er ist sogar zu einem diabolischen Werkzeug umfunktioniert worden, um die Macht- und Allmachtspositionen einer kleinen Elite zu festigen und auszubauen. Alles unter dem Deckmantel von propagierten Notwendigkeiten, um z.B. einen Weltfrieden, eine Welteinheit zu erreichen. Das Konstrukt ist schon so komplex geworden zu durchschauen – ähnlich wie das Geldsystem ;-) So das die eigentlich wirksamen Mechanismen, die da walten und die dem Wunsch der Menschheit, nach Harmonie, Frieden und Liebe diametral, dämonisch entgegenstehen, gar nicht mehr erkennbar sind.

Ähnlich hat es vor allem die katholische Kirche (nach der Urkirche) ja auch getan: Sie benutzte die Bibel zum Zwecke der Macht- und Einflussgewinnung – genau für das Gegenteil von dem, was uns Menschen weiter bringt. Das hatte sie auch lange Zeit geschickt getarnt und Nachforscher mit Drohungen vom Fegefeuer, Folter oder andrem abgehalten. Sie hat gar viel, viel unzählige Menschen getötet --- sie hat aufs Gröbste gegen Gott gehandelt.

Zumindest kann man daher dem Humanismus doch wenigstens eines verdanken: Dass dies im Zuge der zunehmend, religionsfeindlichen Färbung der Bewegung, nach und nach aufgedeckt wurde.

Ich denke, an diesem Punkt gehe ich mal zu deinen nächsten Anmerkungen über – ich denke ich habe des Standpunkt in kurzen Zügen präzise genug dargelegt, um auf die Verwendung des Begriffs „Humanist“ beharren zu dürfen :-D Sowie auch den Einsatz des rechten Begriffs „Märchenonkel“ verteidigt zu haben.

(Am Rande: Ich führe das gleiche Gedicht auch mit dem Wort „Satanist“)

Bezüglich der von dir angesprochenen Wortneuschöpfungen „angsten/verrammelt“ - sicherlich ist das eine Geschmacksfrage. Aber dennoch gebe ich dir recht hier: ich werde mal bei Gelegenheit schauen, ob mir da nicht ein „runderer“ Reim zu eigen werden kann :-D

Ich freue ich darüber, dass du denn Teilen inhaltlich zustimmen magst.

Auch ich hoffe, dass sich vielleicht noch der ein oder andere zur Meinungsabgabe finden wird. Würde mich freuen.

Greetz

Olli

„Wert“ angepasst. Danke ;-)
Zuletzt geändert von Wasch-Dein-Hirn am Do 03 Jul, 2014 22:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Humanist

Beitragvon Wasch-Dein-Hirn » Do 03 Jul, 2014 22:58


--- Ich habe nur was am Artikel geändert, da hat das System einfach neue Posts anfgefügt ---
Zuletzt geändert von Wasch-Dein-Hirn am Do 03 Jul, 2014 23:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Humanist

Beitragvon rivus » Fr 18 Jul, 2014 19:37


hi wasch.dein-hirn, du musst genau trennen, sobald etwas beim einfügen oder ändern mitgenommen oder nicht richtig getrennt wurde, klebt alles heftig zusammen. sorry, das liegt am schreibprogramm. leider haben wir keinen aktiven techniker, der das system verbessern könnte. ... am besten immer vor dem einstellen deines textes die funktionstaste nach dem minus betätigen (umschalten BBcode/HTML-Ansicht. dann klappt es eigentlich. das prinzip ist aber, dass du genau trennen, kopieren musst, also es darf keine leerstelle vor dem ersten oder nach dem letzten buchstaben sein, sonst klebt in diesem modus nach dem übertragen auch alles zusammen.


fg rivus
Zuletzt geändert von rivus am Fr 18 Jul, 2014 19:38, insgesamt 1-mal geändert.
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