Beschreibung von Natur und Umwelt

Der große Klimaschwindel

Beitragvon Ruelfig » Do 10 Dez, 2009 23:01


Alarm! Es ist wieder mal Weltuntergang,
lasst sehen: Ach ja, das Klima ist dran.
Es stirbt der Eisbär auf schmelzender Klippe,
es schmilzt dem Klimapropheten die Lippe
und Mutter Natur setzt uns zurück auf Anfang.

Alarm! Wir müssen bald alle ersaufen,
die Reichen sollen schon Alkohol kaufen,
Einbäume, Archen und schwimmende Dinge.
Wenn doch der Mensch nur endlich anfinge,
ohne die lenkenden Fäden von oben zu laufen.
Endlich Nichtdichter
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Re: Der große Klimaschwindel

Beitragvon Anna Lyse » Sa 12 Dez, 2009 15:09


Hi Ruelfig,

als ich den Titel gelesen habe dachte ich mir am Anfang -oh nein nicht wieder so allerweltstext.
Doch ich wurde überrascht. Die erste Strophe beschreibt ziemlich treffend unsere Angst ohne viel geschnörksel. Die zweite Strophe liest sich wie eine Persiflage unserer Angst. Und die letzten zwei Zeilen der Strophe finde ich einfach nur gut. Ziemlich unscheinbar ist das geschriebene vorher wenn man sich dann die Aussage von:

"Wenn doch der Mensch nur endlich anfinge,
ohne die lenkenden Fäden von oben zu laufen."

So ist es eben, der Mensch macht von sich aus wenig, erst wenn ihm jemand die Anweisung zu etwas gibt und es alle anderen auch tun dann läuft er mit.

Gruß,
Isabel
.
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Re: Der große Klimaschwindel

Beitragvon cube » Sa 12 Dez, 2009 15:15


he Ruelfig, deine prosa ist voll würziger kürze, auch die ruelfig'sche lyrik macht meist spaß, manchmal bleibt sogar was haften. na ja, wenn mir dein sonstiges zeug nicht gefiele, würd ich gar nichts schreiben.
dieses werk versuchte ich wirklich als parodie zu lesen, aber ich glaub, das funktioniert nicht - hier klingt an, dass der klimawandel unrealistisch ist wie der wöchentliche weltuntergang durch meteoriteneinschlag/ schweinegrippe/ massenimpotenz, den die ZEITUNG propagiert. (geht ja eh nie die welt unter, sondern eher die menschheit, auch die nicht mal so eben, sondern - wenn überhaupt - in der form, die wir als zivilisiert bezeichnen). natürlich sind die gaiaquälenden bewohner zum großen teil unterwegs wie schafe oder lemminge, das ist ja schon länger so. auf das wollige weideglück der menge/ die bisweilen blinde hysterie zu deuten, darf, muss auch sein, aber doch nicht mit einem aufhänger wie diesem.
grüße
cube

ps: ups, isa war schneller.
So ist es eben, der Mensch macht von sich aus wenig, erst wenn ihm jemand die Anweisung zu etwas gibt und es alle anderen auch tun dann läuft er mit.


im gedicht darfs als übertreibung, als stilmittel stehen. tatsächlich gibt es in jeder sekunde für jeden die möglichkeit, sich anders zu entscheiden.
cube
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Re: Der große Klimaschwindel

Beitragvon Perry » Sa 12 Dez, 2009 17:23


Ruelfig,
ja 2012 soll es ja wieder eimal soweit sein, dass die Erde untergeht. Nun Land unter kanns schon geben, wenn das Poleis (nicht die Klippe oder Lippe ;) ) abschmilzt. Ich lese es als Satire auch wenn im Schlusssatz natürlich ein frommer, wenn auch wohl unerreichbarer Wunsch steckt.
LG
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Re: Der große Klimaschwindel

Beitragvon Sagahock » So 13 Dez, 2009 10:12


Natürlich könnte man jetzt philosophisch werden und behaupten:
"Der Mensch ist ein nach Herrschen und beherrscht werden strebendes Geschöpf", aber wozu wäre eine solche Anstrengung denn schon gut, wenn das obige Gedicht die gleiche Aussage progagiert? - Man muss sich fragen: Wenn sich mit jeder Katastrophe Geld machen lässt, ist es dann nicht nur natürlich, wenn die Katastrophen zunehmen und nicht die Geldgier der Fädenzieher;
Der beste Witz dieses Jahres war dann wohl die Schweinegrippe - eine zurückgehende Zahl an Grippetoten, und wer die Schweinegrippe hatte und überlebt hat, konnte dummerweise bestätigen, dass sie tatsächlich weit weniger schlimm war, als allgemein behauptet wurde.
Mit Weltuntergangs-, Weltverschwörungstheorien werden wir uns wohl immer herumschlagen müssen, und dein Text fängt genau diesen Mechanismus ein, auch wenn ich ihn mit einem Schmunzeln im Gesicht lese.
Rein formal gesehen ist das Gedicht keineswegs perfekt, es scheint allerdings an dieser Stelle auch gewollt zu sein, und da ich noch neu im LiFo bin, kann ich nicht sagen, ob dies auch dein üblicher Stil ist, denn ansonsten wäre formal zu bemängeln (auch wenn's nicht unbedingt stört, sondern den Inhalt des Gedichtes sogar noch unterstreichen kann), dass an den wenigsten Stellen die Intonation stimmt, eigentlich muss man brutal drüberlesen, und entweder das Versmaß des Gedichtes ignorieren oder aber die worteigene Betonung; abgesehen davon halte ich das Reimen von "dran" auf "-gang" für sehr gewagt.
Nichtsdestotrotz macht der Text eine enorm gute Laune, und zaubert einem ein Grinsen aufs Gesicht - und möglicherweise gerade weil das Gedicht formal nicht perfekt ist, da man als "böser" Geist hier durchaus von einem Zusammenhang zwischen Unperfektheit im Gedicht und der Unperfektheit unserer Gesellschaft und der seltsamerweise unmittelbar darauf entstehenden Panik sehen kann.

Saga
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Re: Der große Klimaschwindel

Beitragvon Ruelfig » Mo 14 Dez, 2009 18:37


Holla, so viele Antworten.
Hallo Isabel,
vor dreißig Jahren hieß es: es kommt eine neue Eiszeit, bestimmt. Da waren sich alle Experten aber so was von einig und alle haben daran geglaubt und Kohle gebunkert. Freut mich, dass dir der Schluß nicht zu moralisierend vorkommt.
Hallo cube,
das hier sollte schon eine Parodie darstellen. Wenn ich erwachsene Leute sehe, die "Hopp, hopp, hopp - Klimawandel Stopp" skandierend durch die Innenstädte galoppieren sehe, dann wird mir so eigenartig und dann schreibe ich sowas. Freut mich, dass dir vom Rest meines Schaffens wenigstens etwas gefällt. :)
Hallo Sagahock,
die Form ist so fehlerhaft wie die Wettervorhersagen und die Welt ging immer schon unter, aber jetzt noch unterer. Freut mich sehr, dass es dich amüsiert hat, dazu war es da.
Liebe Grüße,
R
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