Beschreibung von Natur und Umwelt

Kirr

Beitragvon Alcedo » Di 03 Jan, 2017 20:48


Kirr

Zuerst die Rufe,
sich nähernde Rufe,
schnell lauter werdende Rufe,
dann da! der erste Keil
von hinter den Weiden:
ihr Kraniche! Kraniche!
über mir, Kraniche,
fliegende Kraniche!
Landende Kraniche,
tausende Kraniche,
rufende Kraniche!
Gruh! Gruh! Kraniche,
Kraniche, Kraniche!
Kran, Kran, Kraniche,
Kran iche
Kran ich &
K

Zuletzt geändert von Alcedo am Di 03 Jan, 2017 20:50, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Kirr

Beitragvon Artbeck Feierabend » Mi 04 Jan, 2017 23:01


Alcedo hat geschrieben:
Kirr

Zuerst die Rufe,
sich nähernde Rufe,
schnell lauter werdende Rufe,
dann da! der erste Keil
von hinter den Weiden:
ihr Kraniche! Kraniche!
über mir, Kraniche,
fliegende Kraniche!
Landende Kraniche,
tausende Kraniche,
rufende Kraniche!
Gruh! Gruh! Kraniche,
Kraniche, Kraniche!
Kran, Kran, Kraniche,
Kran iche
Kran ich &u
K



Hallo Alcedo!

Faszinierend, diese Kranichschwärme!
Über Osnabrück sind auch alljährlich Tausende zu beobachten und zu hören, wenn sie in in der Region zwischen Dümmer und Steinhuder Meer in V-Formation über die Dächer ziehen. Gerne würde man sie dann oben begleiten.

Interessant und rätselhaft der Titel "Kirr". Ist das auch lautmalerisch gemeint, so wie das "Gruh"? - Oder spiegelt es den Gemütszustand des lyrischen Ichs wider, das vor lauter Freude und Aufregung über das Naturschauspiel ganz "irre", sozusagen "kirre" wird (mitreißend und treffend betont auch durch die emphatischen Wiederholungen)?

Dazu würde auch die vom Betrachter offensichtlich als schön oder sehr aufregend empfundene Wiederkehr dieser Vogelschwärme passen. Das lyrische Ich identifiziert sich so sehr mit ihnen, möchte Teil von ihnen sein, dass es sich zumindest in diesem Augenblick nicht mehr als Individuum fühlt, sondern sein Bewusstsein sich aufspaltet und dann mit dem Naturspektakel verschmilzt (versinnbildlicht durch das Wortspiel "Kran ich").

Sehr spannend und geheimnisvoll zu lesen.

Lediglich das "&u/k" in den letzten beiden Versen erschließt sich mir nicht ganz. Vielleicht stehe ich da auf der Leitung. Soll es die fortschreitende Auflösung des Bewusstseins widerspiegeln?

Grüße aus der nordwestdeutschen Tiefebene,
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Re: Kirr

Beitragvon Alcedo » Do 05 Jan, 2017 12:36


Vielen Dank für dein Feedback, Art.

freut mich sehr, dass das mit dem Kirr so verstanden wurde. es ist alles so intendiert wie du es schreibst. zusätzlich dazu gibt es die Kirr wirklich. es ist eine Insel am Darßer Bodden, die so heißt. da durfte ich damals den Einflug der Kraniche zu ihren Schlafplätzen zum ersten Mal miterleben. daraufhin entstand dieser Text.

zu allem weiteren hast du gleich eine PN.

Gruß
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Re: Kirr

Beitragvon rivus » Mi 29 Mär, 2017 11:26


hi alcedo,
der stolze kranich ist voller mythik. ein mythischer schwarm verrückt dem solchermaßen umschwärmten fast ins gegenteil der symbolhaften deutungshoheit von wachsamkeit, klugheit, weisheit. da wird einem schon kirre und das limbische system dankt mit unglaublicher glückseligkeit und erhebt den anspruch, den verstand endlich ausschalten zu können ...um vielleicht sogar im kranich-ich das selbst zu finden, was sich im antinomischen kampf zwischen selbstwerdung und selbstaufgabe aufgerieben hat ... der kranich-schrei gruh=gruu vermittelt vielleicht auch das fehlende "interesse" etymologischen ringens um die herkunft der ehrfurcht vor so einem stolzen fast kassandrischen rufer ...

gruß
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Re: Kirr

Beitragvon Alcedo » Di 11 Apr, 2017 04:58


hallo Rivus

Vielen Dank für die Schilderung deines Leseerlebnisses. vor allem das Ringen des „limbischen Systems“ mit der Etymologie des Wortes Kranich (Ursprung jedes Kranes auf jeder Baustelle) goutierte ich mit Befriedigung.

Gruß
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