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Bis neulich

BeitragVerfasst: Mo 06 Mär, 2017 14:51
von rivus
überall Wald, sonst schmal, das Haus, blau
unterm Schimmern des Krokus
dünnhäutig, lippensynchron, festlich
zwischen Lampe und Spielschirm
die Farbkelle deines Schattens
wie ein Zeitfenster
in weißen Schnee gekleidet
sich verabschiedet

Re: Bis neulich

BeitragVerfasst: Mi 05 Apr, 2017 21:56
von Perry
Hallo rivius,
ja "bis neulich" wars noch Winter jetzt blühen die Krokuse bereits.
Stilistisch ist mir der beinahe Pleonasmus vom "blau des Krokus" dem "weißen schnee" bis zur
"Farbkelle deines Schattens" aufgefallen.
Inhaltlich stellt sich mir die Frage wer dünnhäutig, lippensynchron und festlich (gekleidet) die Farbkelle
zwischen Lampe und Spiel (Bild?)schirm (schwingt)?
Dem Thema geschuldet würde ich auf den Lenz tippen, aber das ist mir fast zu naheliegend.
LG
Perry

Re: Bis neulich

BeitragVerfasst: Mi 05 Apr, 2017 22:09
von findefuchs
Hallo rivus, Dein Text wirkt auf mich wie Ferne und Nähe zugleich. Ein ferner Erzähler, der wie Regisseur wirkt, beschäftigt mit der Gestaltung eines Bühnenbildes, schildert - fast forensisch trocken - ein Gedankenbild, das in der Ferne beginnt und dann bildlich näher kommt, während sich innerlich seine Nähe dazu in Ferne verwandelt und schließlich im Abschied kulmuliert und zusammenfällt. finde

Re: Bis neulich

BeitragVerfasst: So 09 Apr, 2017 12:47
von rivus
Hallo Ihr beiden Urgesteine,
in mir schreibt sich der Text immer fort. Bis neulich ist fast schon wieder nicht mehr wahr. Zeitchen hat einen anderen Verlauf genommen als erwartet.


@Perry, es ist der Abschied und das Wiedersehen in einem anderen Werden. Die Farbkelle ist die eines Schaffners. Der Schatten bedient sich der Natur, die sich mit alten Farben verabschiedet, aber mit neuen Mut wieder auftauchen könnte, wenn man daran glaubt. Es ist die Unschuld, die ein Haus einzog und wieder auszog, um etwas wie Hoffnung und Zwiegespräch zurückzulassen. So gesehen wird das Werden und Vergehen wie zwischen Spielschirm und Lampe eines Schattentheaters nochmal in Szene gesetzt. Das Leben dazwischen wird nicht mehr so sein, wie es einmal war, aber auch nicht wie es sich vertraut und unschuldig verabschiedet.

@findefuchs
du hast die in diesem Text versteckte Botschaft auch für mich entschlüsselt. Es ist der Regisseur des Lebens,der all das nochmal vorüberziehen lässt. was ein zweisames Leben ausgemacht hat. Uno sono gestattete etwas, was sich im Krokus nochmal entfaltet. Es ist wie ein Gruß aus der Ferne, einen Seelenband in Gestalt einer Blume, einer Liebelingsblume, die etwas vor langer Zeit zusammenführte und nun in diesem Text entlässt. Es war Liebe und eben mehr ...


liebe Grüße
rivus