Pessimistische Lyrik

Re: An Janus

Beitragvon Perry » Di 27 Dez, 2011 17:35


Hallop Rivus,
ziemlich kryptisch dein Text. Wenn mit Janus der Doppelgesichtige gemeint sein sollte, dann kann ich auf den ersten Blick dazu keine Zusammenhänge erkennen.
Ansonsten gefallen mir die lautlichen Annäherungen wie
"Bautzen ... Blaukerben" oder

"flößende Huren
Souffleusen."

Weniger halte ich von sich wiederholenden Wendungen wie

"mir aufgedrückt / dir aufgedrückt" oder

"das Mutterlose der Vaterlosen",

auch wenn darin eventuell leichte Janusvergleiche drin stecken könnten. ;)

Konstruktiv würde ich den Übergang von

"Ich weiß von Dir
dir aufgedrückt"

etwas "flüssiger" gestalten, da er dem sonst durchaus vorhandenen Lesefluss entgegensteht. Es sei denn, du hast die "Stromschnelle" absichtlich eingebaut.

LG
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Re: An Janus

Beitragvon rivus » Mi 28 Dez, 2011 03:11


hallo perry,
danke für dein beschäftigen mit diesem text, der die fährte hannas im unrechtssystem ddr aufgenommen hat.

deine hinweise beschäftigen mich nun. es sind sicherlich keine schönen textstellen, die deinem leseempfinden schmerzen bereiten.


die wiederholungen "mir aufgedrückt / dir aufgedrückt" sollen aber auch das einfache, reduzierte menschenbild widerspiegeln, mit dem das system gearbeitet hat und es menschen aufdrückte, so wie es der sed-obrigkeit passte. nur verkomplizierten sich dadurch lebenswege. es entstanden jedoch, vom regime ungewollt, auch interessante autobiographische psychogramme, die jungen suchenden menschen, die ein brüchiges mutterland, vaterland hatten, etwas aufdrückten, wie das mutterlose vaterlose, ein besonders janusköpfiges schwergewicht, welches in politishcen gefängnissen, in heimen für schwer erziehbare, getrennt von biologischen vätern und müttern, getrennt auch von der ersten liebe, sich in die seelen einfräste.

im text erste strophe ist das schicksal hannas einem lyrich aufgedrückt worden, das diesen verlust, aber auch die verletzungen am lyrdu, auch später, in der begegnung, nochmal erfahren, mitfühlen muss ... und in der zweiten strophe, mit den verarbeitungsversuchen des lyrdu konfrontiert, im empathischen feedback, wird es nochmal, doppelt schwer, sozusagen janusschwer, lyrichlyrduretraumatisierend, hanna aufgedrückt.

die dritte strophe synthetisiert das mutterlose der vaterlosen der alten und neuen beziehung, des alten & neuen lyrich- & lyrduselbst, die ungestillten, vulneralisierten, ja stimatisierten sehnsüchte, indes die gewendete gesellschaft, dies alles so, nicht mehr wahrhaben will.


das mutterlose der vaterlosen macht den januskopf, der sich sowohl im begegnen von lyrich-lyrdu auch aktuell noch aufbaut, als auch im begegnen mit den schatten der andren, je nach begebenheit, ab- oder zuwendet, verspricht (ein andres sein) oder sich verspricht, indem es sich im rollenspiel offenbart ...


ich weiß von Dir/dir aufgedrückt ... in meiner assoziationsweise soll die dopplung dir/dir die besondere doppellast des lyrdu ausdrücken, das nun auch mit den eindrücken und dem wissen von seelischen lyrdu-interna des lyrich klar kommen muss ....


so erst mal.

lg
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Re: An Janus

Beitragvon Perry » Mi 28 Dez, 2011 12:44


Hallo rivus,
mir sagte das Schicksals "Hannas" nichts, weshalb es mir nicht möglich war den Text dem DDR-Regime zuzuordnen. Mit deiner Erläuterung wird vieles nachvollziehbarer. Wenn du den Text mehr aus seiner hermetischen Bildsprache holen möchtest, solltest du vielleicht noch den ein oder anderen Hinweis einflechten.
LG
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