Pessimistische Lyrik

Wegschreitung

Beitragvon vorspieler » Mi 26 Sep, 2012 00:34


wenn du sie stellst, wirst du daran scheitern
definiere was sich in und hinter allem versteckt
antworten veranlassen mich zur fragestellung
Wo ist es, wo ist hinter meiner ecke.
in dielen, in der schatten seine angst verliert

In sonnigen gassen, wo schwarze gläser mensch abweisen
dort wo tische besetzt vom Glück der anderen sind

nachsinnend bin ich von seitenstraßen betreten
begehe wände hinter deren fenster masken huschend, starren
das leben eines anderen, der das des anderen betrachtet


blicke in echtes grün, mit freien wassern, schwebend wirre stimmen
rufende namen, zu blickenden gesichtern und münder die sich fanden

wandernde metallzäune mit geschlossenen toren
andere geschichten, anderes lachen, anderes sein
die gesichter tragen spiegel, menschen führen falsche namen

richtige briefe versanden an falschen adressen


nur ich
ich bin einfach da
bleibe selbst anders
allein
Zuletzt geändert von vorspieler am Mi 26 Sep, 2012 00:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wegschreitung

Beitragvon rivus » Do 27 Sep, 2012 20:41


hallo vorspieler,

was ist eine wegschreitung? ein weg in selbstschreitung? warum? durch wem?

ist es ein nach- oder vorschreiten begangener wege? hier scheint jemand sich seinen wegen stellen zu wollen, aber von einem anderen lyr (innere stimme, alter ego) mit bedenken des wahrscheinlichen scheiterns abgehalten zu werden. erst solle ein aufarbeitung passieren und benannt werden, die
jedoch zu weiteren fragen veranlassen, um den quell für diese wegschreitung zu finden, denn hier scheint jemand nicht mehr selbstbestimmt schreiten zu können. ist der weg selbst der einzige akteur (einer zurückgezogenen bühne)? kann eine außersichreflexion die bestandsaufnahme ermöglichen und den status quo der aktuellen wegschreitung wirklichkeitsnah erfassen?


das nähere umfeld birgt erste zeichen, wo das wo verortet sein könnte. es scheint ganz gut im schatten aufgehoben, wo das selbst des suchenden im schatten sich als schattenselbst erlebt und nur dort, sozusagen im symbiotischen kokon des schattens, sein selbst ohne angst vor beschädigung wirklich leben kann. ist es dieser schatten, dieser stete begleiter, dieser kainsmantel, der schwarze gläser mensch gleichermaßen in sonnigen gassen keine chance gibt und wie einen leprakranken vom glück der andren scheidet? gab es zuvor eine solche stigmatisierung, die es dem suchenden unmöglich macht sich je wieder an einen tisch zu setzen, nicht mal in einer objektivierenden metamorphose? (ich meine die schwarze-gläser-mensch-trias.) gab es daher eine "wegschreitung" im innern des ichs, die es nicht nur über die verwegung von seitenstraßen befähigen am leben eines andren teilhaben zu können, sondern auch als andersselbst wiederum ein andres leben zu betrachten, um einer vereinsamung zuvorzukommen oder aus ihr wenigstens für die augenblicke der kontemplation entrinnen zu können?

dennoch scheint auch bei den anderen die wegschreitung verortet zu sein, denn die blicke schreiten aus ungebundenem in lebendige szenarien, die jedoch schon wieder der vergangenheit zugehörig sind. die wege schreiten nun, ohne zugänglich zu sein, ja sie entfernen sich sogar. "wandernde metallzäune mit geschlossenen toren" suggestieren auch kälte und ausgeschlossensein, die am ende dem suchenden und empathischen lyr das wo der andern als gaukelspiel enttarnen und das ich zur selbstreflexion befähigen, welches das eigene anderssein bestätigt und das alleinsein auch sich selbst zuordnen kann.


das skizziert

lg rivus
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