Pessimistische Lyrik

Surreales Gift

Beitragvon JaySilvan » Mo 13 Mai, 2013 20:26


Surreales Gift

Ich bin vergiftet.
Ich bin überzeugt davon.
Es gibt ein Gegenmittel, doch es ist unerreichbar für mich.

Schon morgens treten Symptome auf. Ich habe Gedanken.
Grotesk, skurril, wirr.
Beim aufwachen betrete ich einen weiteren Traum. Eine Ebene die ich nicht beeinflussen kann.
Jeder neue Tag gibt mir Anlass zum schlafen.
Fremde Menschen unter meinen besten Freunden, in meiner Familie.
Sie sind überall, doch finden kann ich sie nicht. Haben sie den Weg zu mir gefunden?
Doch wie, wenn ich mich doch in einem Labyrinth befinde.
Irrwege. Müde Wege, die es jedem der mich erreichen will unmöglich machen.
Das Gift breitet sich aus. In meinem Körper, in meinem Geist.
Kahle, graue Wände die sich erbauen. Um mich herum und in mir.
Die Farbe mit der ich sie gestalten könnte ist versiegt.
Mein Blick ist vergittert.
Es blitzen Umstände und Erkenntnisse, unzählbare Fragen, doch zählbare Antworten durch die Gitterstäbe und ich ersticke. Langsam.
Mit einem Bewusstsein das mir Angst macht.
Ich wünsche mich in meine Träume.
Ich lasse mich fallen. Ich lehne mich an.
Ich lehne mich an die kahlen, grauen Wände und lasse mich fallen.

Ich bin vergiftet.
Ich bin überzeugt davon.
Es gibt ein Gegenmittel, doch es ist unerreichbar für mich.
Noch.
JaySilvan
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Re: Surreales Gift

Beitragvon wilma » Di 14 Mai, 2013 12:40


Hey Jay :)
Ich mag diesen kurzen Abriss, weil es sich hier um keinen 'glatten Text' handelt - und das Leben nicht glatt verläuft. Und nicht alles logisch ist, berechenbar schon gar nicht. Der Text spiegelt eine innere Not wider, eine Orientierungslosigkeit und Entfremdung, Entfremdung vielleicht sogar am ehesten von der eigenen Person (auch wenn hier auf die anderen Menschen, Familie Co.) scheinbar projiziert wird.
(Mir fällt gerade die 'Verwandlung' von Kafka ein.)
Es ist ein naher Text, ein stiller, und das gefällt mir. Ich denke, er würde lebendiger, eindrucksvoller, wenn Einzelheiten der 'fremden' Wahrnehmung (Dialoge (?), Begebenheiten (?), Beobachtungen (?) ) - ganz subjektiv und schräg, angesprochen würden. Ich glaub, der Text gewönne dadurch was hinzu.
Keine Ahnung, ob Du das probieren willst ...

Viele Grüße
W.
Nichts ist weniger ergründbar als die Komplexität und der Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen - und seien es Liebesbeziehungen
wilma
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Re: Surreales Gift

Beitragvon JaySilvan » Di 14 Mai, 2013 14:05


Hallo Wilma,

vielen Dank für dein Kommentar! Ja, mein Text thematisiert die Entfremdung von der eigenen Person/Persönlichkeit, die eben dann wiederum zur Entfremdung vom Umfeld führen kann.
Es freut mich, dass das bei dir ankam bzw. von dir erkannt werden konnte.
Ich mache mir mal Gedanken über deinen Tipp, der wirklich gut ist. Danke dafür.

Liebe Grüße :)
JaySilvan
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Re: Surreales Gift

Beitragvon einePaulquappe » Sa 18 Mai, 2013 19:44


hallo,

auf die thematik ist ja wilma schon eingegangen.. ich finde sehr gelungen die zeile "mein blick ist vergittert" . danke dafür xD -vgp
http://paulquappeskontemplationen.blogger.de/
einePaulquappe
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