Für alle Gedichte, die zwischenmenschliche Beziehungen behandeln - mit Ausnahme der Liebeslyrik

Mal scharf betrachtet

Beitragvon Nachfrager » Sa 05 Apr, 2014 09:53


Der Mensch ist ohne Brille wie verloren,
denn seine Welt ist Watte bloß und Schaum.
Worauf es ankommt, das bemerkt er kaum,
verlässt sich deshalb häufig auf die Ohren.

Doch was er hört, ist kaum noch zu ertragen,
aus diesem Grunde hört er meistens weg.
Er schert sich nicht um andrer Leute Dreck,
er ist mit seinem eignen Dreck geschlagen.

Zum Kuckuck, seine Brille bleibt verschwunden!
Der Ärmste tastet blind sich durch die Welt.
Wer weiß, was er vielleicht noch angestellt,
hätt er sie nicht am Ende doch gefunden.

Jetzt ist er froh, jetzt kann er wieder kucken.
Und sieht, was er nicht wirklich sehen will.
Denn scharf betrachtet, denkt er für sich still,
hat diese Welt doch viel zu viele Mucken.
Zuletzt geändert von Nachfrager am Fr 24 Jul, 2015 16:24, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Mal scharf betrachtet

Beitragvon Gast » So 06 Apr, 2014 08:20


Eine literarische begabung lässt sich nicht abweisen, dennoch kann ich es mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, dass der text alles andere als scharfsinnig ist. Vielmehr scheint das LI seine eigene Wahrnehmung auf die gesellschaft zu projezieren. Kennst du den spruch " so wie man das Dasein sieht erfährt man es" ?
Die Sinneswahrnehmungen sind nicht alles du vergleichst augen mit ohren und lobst das auge, von dem angeblich niemand gebrauch macht. Auchw enn das auge bei dir sinnbildlich gemeint ist ist es doch etwas seltsam die ohren abzuwerten, denn dass was man hört kann ebenso aktiv gestaltet werden, es muss kein passiver konsumprozess sein. Und auch wenn man seine augen noch so sehr aufspannt, kann man täuschungen erliegen.
Binsenweisheiten dass die menschen den blick für andere menschen verlieren sind es meines erachtens nicht wert zwei verse zu füllen. Mich beeindruckt das sprachgefühl hinter den versen, deshalb stört es mich umsomehr, dass der text inhaltlich pseudophilosophisch und fast schon postpubertär rüberkommt. Irgendwie wie ein erstsemestrer der unnormal stolz auf seine erkenntnisse ist und den kritischen blick auf seine eigene ahnungslosigkeit außer acht lässt.

Ich finde der text ist echt wohlklingend, es macht mir spaß das zu lesen doch in stophe drei vers 3 brichst du auch den 5 hebigen jambus und hast 6 hebungen.
Zuletzt geändert von Gast am So 06 Apr, 2014 08:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mal scharf betrachtet

Beitragvon knistern » So 06 Apr, 2014 23:03


Lieber Nachfrager,
bei der Zeile 3 im Vers 3 hat der senator recht, aber ansonsten hab ich Deine Verse mit Vergnügen gelesen.
Auch Binsenweisheiten können Vergnügen bereiten, wenn sie vergnüglich präsentiert werden.
Danke
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Re: Mal scharf betrachtet

Beitragvon Nachfrager » Fr 24 Jul, 2015 16:30


Hey Gast,

man muss nicht immer das große Thema nehmen, das kleine tut es mitunter auch.
Das Gedichtchen nimmt auf menschliche Schwächen Bezug, mehr ist es ja nicht, ein kleiner Alltagsvorfall, und wenn du selbst erst mal zum Brillenträger aufsteigst, dann wirst du das Gedichtchen erst so richtig genießen können. Nichts da mit großer Philosophie, die du herauslesen willst, nur eine kleine Alltäglichkeit, mit der sich Mensch mit/ohne Brille herumschlagen muss. Danke für den Hinweis S3V3, schon geändert.

Hey Knistern,

ein Spaß, mehr ist es ja nicht. Und wenn du das mit Vergnügen gelesen hast, dann habe ich das Textchen nicht umsonst geschrieben.

Danke fürs Reinsehen.

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