Für alle Gedichte, die zwischenmenschliche Beziehungen behandeln - mit Ausnahme der Liebeslyrik

Entfesselt

Beitragvon Nachfrager » Di 06 Okt, 2015 08:30


An Morgen wie diesen,
wenn erstes Licht hinter dem
Fenster steht, die nächtliche Trauer
zur Farce wird und die Umrisse der
Gegenstände ihre Schärfe wieder
offenbaren, wenn dein schwaches
Selbst erwacht, immer noch,
fragst du dich , obder Tag
dich will.

Kann sein, die Nachrichten
arten zu Kriegen aus, aus blutigem
Schnee treten Schatten, die nicht
mit sich handeln lassen, niemals,
aber die innere Melodie, die
deine Seele schönt, ersinnt
die neuen Noten der neuen Lieder,
und du trittst vor die Tür,
in den jungen Tag.
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Re: Entfesselt

Beitragvon struktur-los » Mi 07 Okt, 2015 08:23


Hallo Nachfrager,

ein Werk, das sowohl Schatten wie Licht offenbart.. ein Morgen wie dieser - hoffnungsvoll trotz der Trauer, die des Nachts Einkehr hielt/hält.

"Du fragst dich, ob der Tag dich will" ... "und du trittst vor die Tür, in den jungen Tag"

Deine Verse zu lesen, war und ist mir ein Vergnügen, insbesondere aufgrund der sanftmütigen Rebellion gegen die inneren und äußeren Kriege sowie des Mutes, dem eigenen Willen zu folgen, nach vorn zu schauen, (etwas) zu be-wirken.. auch wenn sich dein Werk m. E., trotz der Zeilenumbrüche, eher zur Prosa als zur reinen Lyrik gesellen mag –

- Einige Zeilenumbrüche sind, in meinen Augen, ungünstig gewählt, habe die Zeilen am Ende im Folgenden mal blau markiert.
Und auch die Zeile: "die neuen Noten der neuen Lieder“, mag aufgrund der Doppelung "neu" nicht recht klingen. Eventuell ließen sich die 'Noten' und 'Lieder' zusammenführen und die letzte Zeile ergänzen, um einen harmonischen Lesefluss zu erzeugen.


Nachfrager hat geschrieben:An Morgen wie diesen,
wenn erstes Licht hinter dem
Fenster steht, die nächtliche Trauer
zur Farce wird und die Umrisse der
Gegenstände ihre Schärfe wieder
offenbaren, wenn dein schwaches
Selbst erwacht, immer noch,
fragst du dich , obder Tag
dich will.

Kann sein, die Nachrichten
arten zu Kriegen aus, aus blutigem
Schnee treten Schatten, die nicht
mit sich handeln lassen, niemals,
aber die innere Melodie, die
deine Seele schönt, ersinnt
die neuen Noten der neuen Lieder,
und du trittst vor die Tür,
in den jungen Tag.


Ich hoffe, es ist dir recht, wenn ich dir - aufgrund meiner zuvor getätigten Aussage - eine Möglichkeit zur Gestaltung der zweiten Strophe unterbreite.?. - obwohl ich mir unsicher darüber bin, ob diese Version schon ausgereift ist- vll magst du ja selbst noch ein wenig experimentieren...

Kann sein, die Nachrichten arten aus
zu Kriegen aus blutigem Schnee
treten Schatten, die nicht mit sich handeln lassen
niemals die innere Melodie verblassen,
die - die deine Seele schönt,
nach Noten neuer Lieder frönt.
So trittst du vor die Tür
in den jung ersehnten Tag.

Mit besten Grüßen
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Re: Entfesselt

Beitragvon findefuchs » Mi 07 Okt, 2015 16:01


Hallo Nachfrager,

Gerne möchte ich Deinen Text in Bezug zum Titel setzen.

Du machst den Leser bekannt mit einem Menschen, der sich aus den Schatten-Fesseln der dunklen Seiten des Lebens-Alltags löst und fortan (de)-mu(ü)tig, frei und hoffnungsvoll, bereit ist für seine nächsten Schritte, in was auch immer ihn erwarten mag.


Gerne gelesen.


finde
Als ich des Suchens müde wurde, erlernte ich das Finden.
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Re: Entfesselt

Beitragvon rivus » Sa 10 Okt, 2015 21:31


hi nachfrager,
sich entfesseln aus all dem nächtlichen, uns mit trauer beschwerendem. diese sehnsucht hat sich eigentlich schon längst, mit dunklem und konturlosem verwachsen, installiert. sie lässt eigentlich kein geschehen mehr zu, das die (selbst-)illusionierung durchbricht. doch besondere morgen können das. wenn man mit ihnen zusammen erwacht, kann man die synthese von immobilität, trauer, beziehungslosigkeit und selbstverlust begreifen und wie in einer reise mit einer zeitlupe sogar konturen und strukturen wieder wahrnehmen, die einem ermöglichen könnten, sich mit dem morgen zusammen dem alltag ganz zu stellen. doch noch zaudert der so erwachte, traut er den jungfäulichen verführungskünsten des ersten lichtes nicht.

der vers 2 verdeutlicht die befürchtungen des lyrs und beschreibt die vorwegnahmen einer angst vor einem alltag, der auch nach solchen morgen wieder ein surreales nachrichtenkokon um ein selbst entstehen lässt, dass die traumatische erinnerung von blut und gewaltsamen ausartungen fortsetzt. selbst der schnee, eine unschuldsmetapher, tritt schatten und personifiziert somit das immer mögliche böse und tödliche. in solch einem antizipierten umfeld kann ein lyr eigentlich nur mit imaginationen überleben. es schöpft die kraft gleichsam aus den tiefen (s)einer mythischen und poetisierenden seele als auch aus dem hoffnungsvollen solcher morgen, die dem lyr ermöglichen, trotz aller realen sowie surrealen erfahrungen und gefahren, die unwägbarkeiten des neues tages anzunehmen.


gern gelesen
rivus
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