Für alle Gedichte, die zwischenmenschliche Beziehungen behandeln - mit Ausnahme der Liebeslyrik

Was uns der Tod hinterlässt

Beitragvon rivus » So 26 Mai, 2019 10:37


Wenn das Nirgendwo zugreift und aussetzt,
überspringt dein tödlicher Abschied die schmerzhafte Grenze.
Sie erobert zugleich Hölle und Paradies,
schöpft Flaubert‘s Unglück und Glück:
Ein Lindenast für Klimmzüge.
Mitgelittene Marathons.
Schwüre in Königshain am Teufelsstein.
Zärtliches im Flüsterbogen eines Eingangsportals in Görlitz.
Die Güte und Tiefe unserer Liebe.
Dein Tod.
Dein Urnengrab.
Das Rosenbäumchenbeet deiner Tochter.
Seitdem Dauergespräche,
Wünsche für ewiges Zusammensein.
Unendliche zweisame Stunden,
lebend träumend, bleibend, mit dir
Einsames, Finsteres, Schreiendes verjagend.
Ich gehe mit dir durch die still-traurigen Räume des Hauses,
und nur wir gehen, Hand in Hand, furchtlos durch Park und Stadt,
durch Höhen und Tiefen oder in die Metempsychose.
Ich suche Novalis Innen, den geheimnisvollen Weg.
Wie kann ich unsre Ewigkeit finden,
wie zurechtkommen mit Hinterbliebenem,
mit Vergangenem und Künftigem?
Gibt es ein Ausgleich der Schicksalswaage?
Ich lege jeden Tag ein Gewicht mit Glück hinein,
aber dein Unglück ist bleischwer verankert,
kettet sich an meine Gehversuche,
implodiert Zeit und Außenwelt,
unsre Wege aber bleiben geschützt,
sind nur für mich und dich
Zuletzt geändert von rivus am So 26 Mai, 2019 13:51, insgesamt 9-mal geändert.
Benutzeravatar
rivus
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 2957
{ IMAGES }: 0
Registriert: Sa 27 Sep, 2008 09:19
Wohnort: Cottbus-Branitz
Eigene Werke
 

Zurück zu Zwischenmenschliches

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast