Für alle Gedichte, die zwischenmenschliche Beziehungen behandeln - mit Ausnahme der Liebeslyrik

Was mein Herz beschwert

Beitragvon rivus » Mi 05 Jun, 2019 19:24


Ich will den Unglückstag tilgen.
Ich will dich lieben.
Aber er schlug dich waidwund,
tötete dich tagelang weiter,
peitschte die geschockten Seelen deiner Liebsten,
die bis zum Sterbetag nicht von deiner Seite wichen.
Du bist tot.
Ich will es nicht wahrhaben.
In mir wütet und brodelt das Warum!
Jedes Gehen allein ist wie ein Stück Weitersterben,
auch der tägliche Gang entlang an Rotdornbäumen,
am einstigen Kindergarten unserer Kinder vorbei,
begleitet vom traurigen Klimpern der Silberpappeln
zu einem unvorstellbaren Ort,
unweit vom Eisvogel und der dritten Pyramide.
Dort liegst du in einem besonnten Grab,
auf dem Friedhof, den wir immer links liegen ließen,
ohne einen Gedanken an ihn zu verschwenden,
wenn wir Branitz und Park erkundeten.
Seitdem du dort begraben bist,
kann ich nicht daran vorbeifahren,
halte an und begreife, was ich verlor,
das innige Beieinander,
deinen Händedruck vor Brenzligem,
leise, besinnliche, besinnende Töne,
unsere gewachsene Sprache,
zwischen lange verbundenen Gefährten
eine immer größere Liebe.
Warum können wir uns nicht mit all dem
über Schicksal und Zeit erheben?
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