Für alle Gedichte, die zwischenmenschliche Beziehungen behandeln - mit Ausnahme der Liebeslyrik

Beweise

Beitragvon rivus » Mo 17 Jun, 2019 07:57


Du bleibst
eine Nacht, eine Wolke, mein Schatz,
meine zweite Haut, meine Herzensschöne,
meine bessere Hälfte, mein Kapitän, unser Steuermann.
Du schenkst Liebe und ergreifst meine Hände.
Du bist die unvorstellbare Wahrheit,
die unglaubliche Abwesenheit,
ein furchtbarer Cut, abgeschnitten.
Ich bin verwandelt,
die zugeschnürte Kehle,
das mit Schürhaken drangsalierte Herz,
der Verstand außer Rand und Band.
Unsre Wege werden flüchtig, bröseln,
hören auf zu tanzen.
Du empfängst mich nicht mehr.
Ich versinke in Abgründe.
Unsre Lieblingsorte werden karg, brüchig,
Meine Blicke kahl, abgeholzt, stürzen ein,
sehen dich nicht mehr,
ein unheimliches Haus, ohne Lachen.
Der Türrahmen verwaist,
du lehnst dich nicht daran,
begrüßt mich nicht mit Kuss und Lächeln.
Ich bin allein bei deiner Mutter,
mit aufgestellten Bildern von dir,
mit weit geöffneten Tränenschleusen.
Zum Abschied winke nur ich,
halte am Friedhof an,
sehe dich und mich,
unter einer Grabplatte,
über einer Grabplatte,
zweigeteilte Himmel,
Zauberglöckchen,
Wunden.
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