nabend
tja, sag er mal: "wie geht's?"
Zitat:
Trägheit zu vermitteln war jedoch meine Intention.
dass sich inhalt in stimmung und formzb niederschlagen, ist prinzipiell nicht schlecht. ob es aber nicht problematisch wird, wenn es um trägheit/langeweile geht, die so dem leser erfahrbar gemacht werden soll? lyrik würde ich eben mal als unterhaltung einstufen, also sollte der leser doch motiviert werden weiter zu lesen. (?)
Zitat:
Das verstehe ich nicht. Die Morgenstimmung, d.h. den Blick in den Spiegel am Morgen, ist meiner Meinung nach schon fast zu omnipräsent.
hm. spiegel kam mir nicht in den sinn. aber ja, kann man sich reindenken.
was ich meine (und der spiegel ist da ein gutes, weil "live"-erlebtes beispiel) ist, dass die gewählten bilder durch interpretation (vorallem unter zuhilfe nahme des titels) auf "den morgen" bezogen werden können, (siehe: morgendlicher spiegelblick) sie ergeben zusammen aber keinen schlüssigen rahmen also keine einheitliche bildebene, was auch nicht zwingend der fall sein muss, hier aber hilfreich wäre, weil die bilder ja augenscheinlich dazu genutzt werden sollen den morgen zu beschreiben. allgemein werden bilder verwendet um zb bis dato verborgene parallelen zu anderen sachverhalten oder teilaspekten des behandelten themas als den beschriebenen aufzuzeigen. ein recht gängiges szenario für bildlichkeit: allegorie & allegorese; hier könnte in einem text zum beispiel eine geschichte erzählt werden (allegorie), aus der sich ein "übertragener sinn" herauslesen ließe. (die allegorese)* die allegorese ist im grunde das, was man im schulunterricht gewöhnlich in einem text sucht, wenn eine Interpretation angefertigt wird.
aber darum geht es mir hier gerade nicht.
stell dir vor:
ich baue fünf gegenstände in einer reihe auf, die eine gemeinsamkeit haben:
"ein Auto, ein Weißweinglas, eine Uhr, eine Schaufensterpuppe und Venedig"
das wirkt etwas durcheinander, ja? und doch, es gibt mindestens eine assoziation, die bei allen aufkommen kann. (früher oder auch später)
gäbe ich dieser reihe einen titel, der auf diese assoziation verweist, (was ich hier nicht tue

) wäre der fall "sonnenklar".
genauso geht dein text mit seinen bildern um, er verknüpft die (eigentlich kaum zusammenhängenden) bilder allein dadurch zu einem "morgengedicht", dass der titel eben dieses thema vorgibt. dadurch wird die assoziation bzw. die interpratationsrichtung des leseres gelenkt und er geht plötzlich davon aus, dass der text zusammenhängend ist.
(eigentlich ist das für sich schon ein ganz interessanter effekt. hier gerade auch weil es nicht so ganz offensichtlich geschieht.)
die alternative wäre hierzu:
a)gleich von vorn herein, also eher wortwörtlich einen morgen zu beschreiben und diese beschreibung an entscheidenden stellen so zu verzerren, dass der leser über die bloße beschreibung hinaus noch denkanregungen, einen lacher... (oder auch große, neue erkenntnisse) gewinnt.
mal als fünf gegenstände dargestellt:
"Currywurst, Apfelkuchen, Döner, Puddingschnecke, Rum-Steak"
b)auch weiterhin bilder zu verwenden, die assoziativ auseinandergehen, aber bitte mehr als nur eine gemeinsamke assoziation aufweisen. bei zwei konstruierten, gemeinsamen assoziationen zum beispiel, könnte das Thema: "Kloobesuch" sein. fünf gegenstände in reihe schaffe ich so nicht gut, daher mal anders:
reclams bewerbertoilette oder sonstwo
papiere meiner vorgänger
die wenigstens zum teil im rauschen
untergegangen scheinen / signaturen
und faule sprüche zieren noch
die engen wände wie die zigaretten
der 14 jährigen / stummel auf dem boden:
put that in your pipe and smoke it.wobei- ich merke gerade: hier sind die gewünschten stränge ähnlich präsent. (aber das geht ja schonmal in die richtung, in die ich für diese demonstration wollte - ich hoffe es nützt dir trotzdem.) [edit am nächsten tag: ich ziehe diesen absatz (blau) zurück und ersetze ihn durch nichtsweiter.]
hier kommt doch hoffentlich, wenn ich es auch nur mal eben grade nicht sehr durchdacht habe bei rum, dass es irgendwie um mehr als nur das scheißhaus geht. und das dadurch, das die klooszene konsequent gehalten wird, aber die wortwahl und -stellung noch an zumindest ein weiteres (versteckteres) thema erinnert. (jedenfalls soll. tuts denn, wies soll?)
Zitat:
Die "verzwiebelten Ringe" sind vielleicht abgründig, ja, aber nicht als Bruch gedacht. Im Gegenteil.
also auf der bildebene stellen sie den nunmal dar, von den aufständigen, den klumpigen bachstelzen, die die phantasie doch sehr beflügeln reißen die zwiebelringe den leser zurück ins banale und assoziativ enge, denn so viel kann ich mir unter zwiebelringen nicht vorstellen. ja wie gesagt, man kann dabei einen vorsichtigen bezug zu "morgen" und damit zum rest der bilder herstellen.
aber: insgesamt ist mir dein gedicht zu zentralistisch; (sozusagen) dazu konventioneller weise auf den titel konzentriert. nenene....
nichtsdestoweniger:
schlaft gut!
fred
*
[verkürz gesagt, ich hoffe trotzdem genau formuliert - falls nicht wird sich schon jemand finden, der einen beitrag mit: "freddy, du vollidiot: " einleitet, aber das am rande]