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 Morgenstund hat Mundgeruch
BeitragVerfasst: 27.07.2010 08:03 
Lispler
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Grauen.
Kapiert.

Zwei klumpige Bachstelzen
proben den Aufstand.

Verzwiebelte Ringe
vor Treibsandaugen
in Triefsteinhöhlen.
Brauen vergrault.
Schwülaufgeschwollene Grauhautwürste.
Oxidierter Silberblickfang.

Puls im Minus.

Harrend
dem perlenden Tau
der goldene Schlingen legt.


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 Re: Morgenstund hat Mundgeruch
BeitragVerfasst: 01.08.2010 23:12 
roimantiker
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hey tjasager.

ich vermute, ich solle mich hier in eine art morgenstimmung versetzt fühlen. fällt mir aber schwer weil die bilder zu stark divergieren, ich schweife sehr oft davon ab, einen morgen vor mir zu sehen. ich muss mich also anstrengen das, was ich als leitmotiv (im Titel) vermute, hier wieder-aufgegriffen zu finden.
das gefällt mir nicht. - was will ich genau sagen?

du benutzt so extrem viele (auch neue) komposita bzw. ungewöhnliche adjektiv-substantiv-kombis, dass es
a) irgendwann etwas langweilig wird - an wirkung verliert.
b) in diesem fall ein diffuses "gesamtbild" ergibt. sicher, man bemerkt die zusammenhäge, und auch welche assoziations felder jede dieser kombinationen eröffnen soll. allein - es fehlt am roten faden, ich fühle mich von dem text nicht durch einen nationalpark fantasiens (oder alices wunderland, oder einen manifesten lsd-trip) geführt, sondern habe das gefühl der text will mir den blick auf den zu beschreibenden sachverhalt durch ein assoziations labyrinth versperren. - und das, obwohl ich wie schon gesagt die bilder im einzelnen "verstehe", in einigen fällen auch gut finde.

mein tipp wäre:
a) lyrik kennt auch noch andere stilmittel als wörterschmieden und und adjektive und substantive zu koppeln. -mehr vielfalt!
b) gestalte die bilder doch lieber etwas schlüssiger. -vielleicht ein kleiner, dezenter roter nylonfaden (reissfest). und das muss sich nicht inhaltlich darstellen, mir reicht schon wenn bei mir eine stimmung ankommt - zum beispiel duch änderungen des "tones" (also wer was wie wo warum zu wem sagt) - nur ne idee.

ansonsten:
die zeilen 4 und 5 [edit:zeilen 3 und 4!] finde ich gelungen.
die verzwiebelten ringe dagegen sind abgründig. - und wenn das gewollt ist als bruch (erstmal: schöne idee) merkt man leider noch nicht zu sehr, dass das charakterisierend für eine neue situation/ eine andere sicht darauf sein soll.

amicalement
el frederico

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"mir ist klar, dass ich dich falsch verstanden haben MUSS, weil du mein persönlicher kling bist. danke für alles dreh und :)"


Zuletzt geändert von Le Freddy am 03.08.2010 18:17, insgesamt 1-mal geändert.

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 Re: Morgenstund hat Mundgeruch
BeitragVerfasst: 18.08.2010 09:34 
Lispler
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Neuling

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Hola, el Frederico

Vielen Dank für deinen Kommentar.

Zitat:
du benutzt so extrem viele (auch neue) komposita bzw. ungewöhnliche adjektiv-substantiv-kombis, dass es
a) irgendwann etwas langweilig wird - an wirkung verliert.


Kann ich gut nachvollziehen. Vielen Dank für den Hinweis. Trägheit zu vermitteln war jedoch meine Intention.

Zitat:
b) in diesem fall ein diffuses "gesamtbild" ergibt. sicher, man bemerkt die zusammenhäge, und auch welche assoziations felder jede dieser kombinationen eröffnen soll. allein - es fehlt am roten faden ...


Das verstehe ich nicht. Die Morgenstimmung, d.h. den Blick in den Spiegel am Morgen, ist meiner Meinung nach schon fast zu omnipräsent. Diese Fixierung betont den starren, ernüchternden morgentlichen Blick in die buchstäblich ungeschminkte Wahrheit.

Zitat:
die verzwiebelten ringe dagegen sind abgründig. - und wenn das gewollt ist als bruch (erstmal: schöne idee) merkt man leider noch nicht zu sehr, dass das charakterisierend für eine neue situation/ eine andere sicht darauf sein soll.


Die "verzwiebelten Ringe" sind vielleicht abgründig, ja, aber nicht als Bruch gedacht. Im Gegenteil.

Grüsschen
tjasager


Zuletzt geändert von tjasager am 18.08.2010 16:34, insgesamt 1-mal geändert.

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 Re: Morgenstund hat Mundgeruch
BeitragVerfasst: 19.08.2010 01:48 
roimantiker
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nabend
tja, sag er mal: "wie geht's?"

Zitat:
Trägheit zu vermitteln war jedoch meine Intention.
dass sich inhalt in stimmung und formzb niederschlagen, ist prinzipiell nicht schlecht. ob es aber nicht problematisch wird, wenn es um trägheit/langeweile geht, die so dem leser erfahrbar gemacht werden soll? lyrik würde ich eben mal als unterhaltung einstufen, also sollte der leser doch motiviert werden weiter zu lesen. (?)

Zitat:
Das verstehe ich nicht. Die Morgenstimmung, d.h. den Blick in den Spiegel am Morgen, ist meiner Meinung nach schon fast zu omnipräsent.
hm. spiegel kam mir nicht in den sinn. aber ja, kann man sich reindenken.
was ich meine (und der spiegel ist da ein gutes, weil "live"-erlebtes beispiel) ist, dass die gewählten bilder durch interpretation (vorallem unter zuhilfe nahme des titels) auf "den morgen" bezogen werden können, (siehe: morgendlicher spiegelblick) sie ergeben zusammen aber keinen schlüssigen rahmen also keine einheitliche bildebene, was auch nicht zwingend der fall sein muss, hier aber hilfreich wäre, weil die bilder ja augenscheinlich dazu genutzt werden sollen den morgen zu beschreiben. allgemein werden bilder verwendet um zb bis dato verborgene parallelen zu anderen sachverhalten oder teilaspekten des behandelten themas als den beschriebenen aufzuzeigen. ein recht gängiges szenario für bildlichkeit: allegorie & allegorese; hier könnte in einem text zum beispiel eine geschichte erzählt werden (allegorie), aus der sich ein "übertragener sinn" herauslesen ließe. (die allegorese)* die allegorese ist im grunde das, was man im schulunterricht gewöhnlich in einem text sucht, wenn eine Interpretation angefertigt wird.
aber darum geht es mir hier gerade nicht.
stell dir vor:
ich baue fünf gegenstände in einer reihe auf, die eine gemeinsamkeit haben:
"ein Auto, ein Weißweinglas, eine Uhr, eine Schaufensterpuppe und Venedig"
das wirkt etwas durcheinander, ja? und doch, es gibt mindestens eine assoziation, die bei allen aufkommen kann. (früher oder auch später)
gäbe ich dieser reihe einen titel, der auf diese assoziation verweist, (was ich hier nicht tue :P) wäre der fall "sonnenklar".
genauso geht dein text mit seinen bildern um, er verknüpft die (eigentlich kaum zusammenhängenden) bilder allein dadurch zu einem "morgengedicht", dass der titel eben dieses thema vorgibt. dadurch wird die assoziation bzw. die interpratationsrichtung des leseres gelenkt und er geht plötzlich davon aus, dass der text zusammenhängend ist.
(eigentlich ist das für sich schon ein ganz interessanter effekt. hier gerade auch weil es nicht so ganz offensichtlich geschieht.)
die alternative wäre hierzu:

a)gleich von vorn herein, also eher wortwörtlich einen morgen zu beschreiben und diese beschreibung an entscheidenden stellen so zu verzerren, dass der leser über die bloße beschreibung hinaus noch denkanregungen, einen lacher... (oder auch große, neue erkenntnisse) gewinnt.
mal als fünf gegenstände dargestellt:
"Currywurst, Apfelkuchen, Döner, Puddingschnecke, Rum-Steak"

b)auch weiterhin bilder zu verwenden, die assoziativ auseinandergehen, aber bitte mehr als nur eine gemeinsamke assoziation aufweisen. bei zwei konstruierten, gemeinsamen assoziationen zum beispiel, könnte das Thema: "Kloobesuch" sein. fünf gegenstände in reihe schaffe ich so nicht gut, daher mal anders:

reclams bewerbertoilette oder sonstwo

papiere meiner vorgänger
die wenigstens zum teil im rauschen
untergegangen scheinen / signaturen
und faule sprüche zieren noch
die engen wände wie die zigaretten
der 14 jährigen / stummel auf dem boden:
put that in your pipe and smoke it.


wobei- ich merke gerade: hier sind die gewünschten stränge ähnlich präsent. (aber das geht ja schonmal in die richtung, in die ich für diese demonstration wollte - ich hoffe es nützt dir trotzdem.) [edit am nächsten tag: ich ziehe diesen absatz (blau) zurück und ersetze ihn durch nichtsweiter.]

hier kommt doch hoffentlich, wenn ich es auch nur mal eben grade nicht sehr durchdacht habe bei rum, dass es irgendwie um mehr als nur das scheißhaus geht. und das dadurch, das die klooszene konsequent gehalten wird, aber die wortwahl und -stellung noch an zumindest ein weiteres (versteckteres) thema erinnert. (jedenfalls soll. tuts denn, wies soll?)

Zitat:
Die "verzwiebelten Ringe" sind vielleicht abgründig, ja, aber nicht als Bruch gedacht. Im Gegenteil.
also auf der bildebene stellen sie den nunmal dar, von den aufständigen, den klumpigen bachstelzen, die die phantasie doch sehr beflügeln reißen die zwiebelringe den leser zurück ins banale und assoziativ enge, denn so viel kann ich mir unter zwiebelringen nicht vorstellen. ja wie gesagt, man kann dabei einen vorsichtigen bezug zu "morgen" und damit zum rest der bilder herstellen.

aber: insgesamt ist mir dein gedicht zu zentralistisch; (sozusagen) dazu konventioneller weise auf den titel konzentriert. nenene....

nichtsdestoweniger:
schlaft gut!
fred

*[verkürz gesagt, ich hoffe trotzdem genau formuliert - falls nicht wird sich schon jemand finden, der einen beitrag mit: "freddy, du vollidiot: " einleitet, aber das am rande]

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Zuletzt geändert von Le Freddy am 19.08.2010 17:51, insgesamt 2-mal geändert.

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 Re: Morgenstund hat Mundgeruch
BeitragVerfasst: 25.08.2010 11:15 
Lispler
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Neuling

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Hallo Fred

Ich schätze deine Kritik sehr. Vielen Dank. Kannst du mir noch ein paar Dinge dazu erklären?

Zitat:
dass sich inhalt in stimmung und formzb niederschlagen, ist prinzipiell nicht schlecht. ob es aber nicht problematisch wird, wenn es um trägheit/langeweile geht, die so dem leser erfahrbar gemacht werden soll? lyrik würde ich eben mal als unterhaltung einstufen, also sollte der leser doch motiviert werden weiter zu lesen. (?)

... ich verstehe was du meinst ... ist wahr.
Zitat:
genauso geht dein text mit seinen bildern um, er verknüpft die (eigentlich kaum zusammenhängenden) bilder allein dadurch zu einem "morgengedicht", dass der titel eben dieses thema vorgibt. dadurch wird die assoziation bzw. die interpratationsrichtung des leseres gelenkt und er geht plötzlich davon aus, dass der text zusammenhängend ist.
(eigentlich ist das für sich schon ein ganz interessanter effekt. hier gerade auch weil es nicht so ganz offensichtlich geschieht.)
die alternative wäre hierzu:

a)gleich von vorn herein, also eher wortwörtlich einen morgen zu beschreiben und diese beschreibung an entscheidenden stellen so zu verzerren, dass der leser über die bloße beschreibung hinaus noch denkanregungen, einen lacher... (oder auch große, neue erkenntnisse) gewinnt.
mal als fünf gegenstände dargestellt:
"Currywurst, Apfelkuchen, Döner, Puddingschnecke, Rum-Steak"

was ist der vorteil dieser alternative a) gegenüber meiner version?
Den Zusammenhang mit den 5 Gegenständen verstehe ich hier nicht. Kannst du mir das erläutern?
Zitat:
reclams bewerbertoilette oder sonstwo

papiere meiner vorgänger
die wenigstens zum teil im rauschen
untergegangen scheinen / signaturen
und faule sprüche zieren noch
die engen wände wie die zigaretten
der 14 jährigen / stummel auf dem boden:
put that in your pipe and smoke it.


hier kommt doch hoffentlich, wenn ich es auch nur mal eben grade nicht sehr durchdacht habe bei rum, dass es irgendwie um mehr als nur das scheißhaus geht. und das dadurch, das die klooszene konsequent gehalten wird, aber die wortwahl und -stellung noch an zumindest ein weiteres (versteckteres) thema erinnert. (jedenfalls soll. tuts denn, wies soll?)

es tut. ich werde bei diesen zeilen an das gefühl erinnert, wenn ein werk, das einem viel bedeutet, verschmäht oder verhöhnt wird. schön assoziiert mit dem klobesuch.
Zitat:
aber: insgesamt ist mir dein gedicht zu zentralistisch; (sozusagen) dazu konventioneller weise auf den titel konzentriert. nenene....

hm. ich glaube ich weiss, was du meinst. danke für den hinweis.

tjasager

ps: ich will dich nicht langweilen, ... aber wenn du nochmals kurz auf meine fragen eingehen würdest, wär das nett. wenn du keine lust hast: "put that in your pipe and smoke it" =)


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 Re: Morgenstund hat Mundgeruch
BeitragVerfasst: 27.08.2010 18:26 
roimantiker
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ich meine das so.

bachstelzen, zwiebelringe, treibsandaugen, grauhautwürste, silberblickfang (jetz mal etwas zerstückelt) das sind mal die imo (hier zufällig! fünf) dominantesten bilder/mataphern/wasauchimmer.
die genannten, haben aber kaum zusammenhang, die reihe ist logisch kaum nachvollziehbar. (du kennst diese iq-test-aufgaben?) mitt dem leitmotiv morgen, passt das aber schon eher zusammen und selbst dann noch nicht ganz. ich finde die architektur, so wie sie ist, nicht prinzipiell schlecht, allerdings scheint mir das hier nicht zu funktionieren. ich habe von dieser dieffusen collage keinen mehrwert., daher sind die genannten alternativen nicht besser/schlechter. nur eben anders und (hierfür) bedenkenswert. es geht mir um sensibilisierung für das thema / oder wie mir mal jemand sagte (drehassel): "noch mehr skrupel zeigen bei der wahl der motive und metaphern"

hm. in diesem sinne

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 Re: Morgenstund hat Mundgeruch
BeitragVerfasst: 30.08.2010 08:29 
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danke :)


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