Alle Gedichte, die in keine andere Kategorie passen

flachfluss - flüssig & flächig - ich

Beitragvon cube » Mo 08 Jul, 2013 12:00


Aufstehen kraft- & balanceübungen
etwas ritalin oder pervid
rein funktional
hier ist bohéme freier raum
Anduschen Abwiegen BMI check Fettanteil check
Notiz : nächste Runde : Niedrigtempo
Anziehen welches shirt zu was für shorts welcher Aufdruck welchen eindruck
o fancy fuck finger o my o my
Aufstrich welcher belag
gibt wie viel energie
Aussuchen welche persönlichkeit
Überstreifen Anlegen
Aufschlag
Noch ein Blick durch die
eigenen Vier Wände & ein Anfassen
des entgrenzten Raums
Ambulanz Altona
Methadon-Ausgabe : Anstehen in Reihe zittriger Fahlgesichter / Denke an Geriatrie
"Nächster! / Name" "Dankeschön / Wiedersehn"
Weitergehen Weiterfahren
Antritt : Dienst leisten Luxusgüter verticken
"hochwertige Produkte, Handarbeit alles
Objekte an deren Qualität man glauben kann
mich identifizieren mit meiner Arbeit"
Abtritt : Zeiten notieren
Weiterrauschen / Umziehen / Persönlichkeitswechsel
sich selbst Geschichten erzählen
das Leben wie es sein sollte
bis man glaubt und weiß was zu sagen wäre würde jemand fragen was nie
nicht passiert im nächsten Schritt erinnern : das Leben wie
es ist im potentiell tödlichen
Fokus defragmentierter Realität
dezentralisierter
Virtualitäthybridisierter Virtuosität
[wann haben die begriffe ihren gegenstand verloren : vor oder nach der 'confusion' ] [oh mylisa / o my]
dezentralisierte Hybridisierung virtuoser Virtualität
die nichts will / kann als auf nichts verweisen
Ablauschen : Universität Ort des Übergangs
potentiell hochwertiges Humankapital : hier wird noch flächendeckend geglaubt
die große Erzählung der kleinen Vision
was so eine säkularisierte durchökonomisierte Gesellschaft eben an Glaubenssätzen noch hervor würgt, wie:
harte Arbeit wird belohnt mit [...]
Abtauchen : ins
interdisziplinäre Tauschen
Weiterrauschen / eine
rauchen
Zuhause : zwölf Stunden später Aufhängen : Identitäten Aufbügeln : Realitäten Ablegen : selbstoptimierten Körpergeist Absaugen : Geräusche Gerüche Geschrei von der straße wehen die Fetzen fremden Lebens durch das fremde Zimmer
den gemieteten Raum aus der abschaltenden
Denk- & Analysemaschine drängen die tiefen Routinen nach oben Ich (identity controlling human) atme ein paar Mal konzentriert und binär ein & aus bis ich mit mir selbst wieder kongruent bin
Zuletzt geändert von cube am Mo 08 Jul, 2013 12:01, insgesamt 1-mal geändert.

Für diesen Beitrag hat der Autor cube Empfehlungen bekommen
rivus (Di 09 Jul, 2013 21:55)
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Re: flachfluss - flüssig & flächig - ich

Beitragvon rivus » Di 09 Jul, 2013 22:08


hallo cube

ich lasse deinen text erstmal auf mich wirken, derweil ich ihn schon empfohlen habe, vielleicht auch, weil dein text so wunderbar, den terror vacui bekämpft, bei all dem self.management und vernetzten.



vlg

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Re: flachfluss - flüssig & flächig - ich

Beitragvon cube » Do 11 Jul, 2013 20:36


hey rivus,

dankeschön. das war mein erster versuch in meiner sprache seit ner weile, der sich halbwegs nach einem authentischen ausdruck anfühlt. ich wollte ein lebensgefühl ausdrücken, das gesellschaftliche & arbeitswirkliche entwicklungen spiegelt - bin eher unzufrieden mit dem abgebildeten inhalt und auch den flow wünschte ich flüssiger, aber das ist so mein stand gerade. es scheint alles so entgrenzt & unbestimmt-unsicher, ich suche gerade sehr nach haltepunkten in dieser welt.

liebe grüße, qb
Zuletzt geändert von cube am Do 11 Jul, 2013 20:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: flachfluss - flüssig & flächig - ich

Beitragvon rivus » Do 11 Jul, 2013 23:48


hey cube,
vielen dank für deine ehrlichen worte zu deinem hier- & dort-in-der-welt-sein, für deine selbstkritische texteigenbewertung. dein text drückt, meiner meinung nach, gerade sprachlich, genau das entgrenzte, unbestimmt unsichere und unstete aus und führt zum bild des sogenannten drifters (nach dem soziologen hartmut rosa), der zwar rasend schnell sich an änderungen, wie von welle zu welle springend, anpasst und doch in einem sogenannten rasenden zustand verharrt und sein ich aus einer immer verwirrenderen collage zusammensuchen muss. das wird umso schwieriger, je mehr flachfluss, flüssig&flach, sich nur mit den oberflächen auseinandersetzt und keine verwurzelnde verortung zulässt. der tagesanbruch beginnt zeremonisch-rituell, um das tagesgeschäft zu überstehen. minutiöser beginn. scheinbar vertrautes prozedere. vertrautes vorfassadieren in einem raum, der zwar attitüdenfrei, kein wirkliches zuhause ist. verlassen der vierwände, die ein durchblicken und ein anfassen des entgrenzten, vermutlich nur mit hilfe der gewohnten requisiten des überlebens, ermöglicht und das aufsuchen eines vertrauten ortes, der das ego instand, in Form bringt, um orts-, aufgaben- und persönlichkeitswechsel als rollenspiel, mit möglichst glaubhaften identifizierungen, zu überstehen. danach selbstinstruktionen, bis es keine mehr sind, sondern nur stabilisierende destruktoren, die immerhin das vorspiel vollenden und zum universitären zwischenspiel führen, zur zwischenwelt akademischer glaubenssätze, die sich, ganz im stile der hochtrabenden zeit, interdisziplinieren, aber das fluide ego überrauschen, überfordern, dass es keinen halt des eigenen standorts mehr verspürt. .... / ja, nur das rauchen vermag ein zuhause zu konzentrieren und zu konstruieren. ja, das warm-up ist vorbei, nun vollzieht das self-management das szenario retour. das längst konzeptualisierte spult wie in einem programmablaufplan alle logischen und emotionalen zustände des ego durch, um am ende eine kongruenz mit dem selbst herzustellen, das eher einem flachfluss gleicht, einer gesichtslosen collage des eigenen ichs. es scheint weder erschöpft, noch übersättigt, auch den nächsten tag, mit denselben alltagroutinen, aushalten zu können ....

skizziert

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Re: flachfluss - flüssig & flächig - ich

Beitragvon cube » So 14 Jul, 2013 23:52


rivus, haste dir den neuen text von dem hartmut rose gleich geholt, was? wie heißt der gleich? Beschleunigung und Entfremdung, okay, habe gerade nachgesehen, erinnert mich thematisch sehr an den essay rasender stillstand von paul virilio, französischer soziologe, glaube ich. das ist halt schon ein dickes thema, das auf sehr vielen ebenen veränderungen vom einzelnen, wie fortwährende flexibilität und dem akzeptieren umfassender unsicherheit, abfordert. will jetzt gar nicht so viel zu deinen reflektionen sagen, war schon faszinierend zu lesen; und ich bin sogar ein wenig erfreut, dass da was rüberkommt, dass es derart vom leser gedanklich vollendet werden kann. ich trage dieses bild der wechselnden persönlichkeiten, so einer beständig sich im fluss befindlichen chamäleonität, so als ideengefühl für ein kurzzeiliges stück schon länger mit mir rum und skizziere auch immer mal wieder was, aber das hat sich jetzt mal wieder halbwegs stimmig angefühlt, ja, wie bereits geschrieben. danke, ne.

grüßli,
cube
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