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Der schönste erste Satz

Beitragvon Alcedo » Sa 06 Mär, 2010 14:27


welcher erste Satz in welchem Buch hat euch am meisten beeindruckt, bezaubert und nachdrücklich eingenommen?

lasst lesen!

bringt bitte höchstens einen Satz pro Monat und spammt bitte nicht dazwischen, dann kommt eine schöne, übersichtliche Sammlung zusammen.

Grüße
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon Alcedo » Sa 06 Mär, 2010 14:28


Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendía sich vor dem Erschiessungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennenzulernen.

aus "Hundert Jahre Einsamkeit" von Gabriel García Márquez


zur Vollständigkeit, der Originaltext in kolumbianischem Spanisch:

Muchos años después, frente al pelotón de fusilamiento, el coronel Aureliano Buendía había de recordar aquella tarde remota en que su padre lo llevó a conocer el hielo.

- Cien años de soledad -
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon Neruda » So 07 Mär, 2010 14:53


"Der Tag war vergangen, wie eben Tage so vergehen; ich hatte ihn herumgebracht, hatte ihn sanft umgebracht, mit meiner primitiven und schüchternen Art von Lebenskunst; ich hatte einige Stunden gearbeitet, alte Bücher gewälzt, ich hatte zwei Stunden lang Schmerzen gehabt, wie ältere Leute sie eben haben, hatte ein Pulver genommen und mich gefreut, dass die Schmerzen sich überlisten ließen, hatte in einem heißen Bad gelegen und die liebe Wärme eingesogen, hatte dreimal die Post empfangen und all die entbehrlichen Briefe und Drucksachen durchgesehen, hatte meine Atemübungen gemacht, die Gedankenübungen aber heut aus Bequemlichkeit weggelassen, war eine Stunde spazieren gewesen und hatte schöne, zarte, kostbare Federwölkchenmuster in den Himmel gezeichnet gefunden."

aus "Der Steppenwolf" von Hermann Hesse
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon anikaya » So 07 Mär, 2010 15:04


Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.

Aus: Franz Kafka, Die Verwandlung

So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich dächte eher, es stürbe sich hier.

Aus: Rainer Maria Rilke, Malte Laurids Brigge


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"Sprechen wir es aber aufrichtig aus: ein eigentlicher Lebemann, der frei und praktisch athmet, hat kein ästhetisches Gefühl und keinen Geschmack, ihm genügt Realität im Handeln, Genießen und Betrachten ebenso wie im Dichten..." Johann Wolfgang von Goethe[/size]
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon Freitag » Mo 22 Mär, 2010 15:49


Heute ist Mama gestorben.

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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon rivus » Mo 22 Mär, 2010 17:13


Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen.

Aus: Christa Wolf, KINDHEITSMUSTER
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon turmfalke » Mi 24 Mär, 2010 11:20


"Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen."

aus: Cornelia Funke - Tintenherz
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon Alcedo » Do 15 Apr, 2010 09:33


Der Anfang ist nach diesem Satz vorbei.

aus "La estación violenta" von Octavio Paz
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon hginsomnia » Fr 16 Apr, 2010 23:40


Nach dem Selbstmord unserer Eltern waren wir zweieinhalb Monate in dem Turm eingesperrt, in dem Wahrzeichen unseres Vorortes Amras, das nur durch den großen, in südlicher Richtung hinauf an das Urgestein führenden Apfelgarten, vor Jahren noch ein Besitztum unseres Vaters, zugänglich ist.

aus 'Amras' von Thomas Bernhard
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon anikaya » Mo 19 Apr, 2010 21:14


Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Russland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen.[size=85:7wt31g0y] [Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur periodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnrings und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.][/size]

Aus: Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften

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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon rivus » Mo 19 Apr, 2010 22:35


Ein Hahn kräht, während der Vorhang aufgeht, so laut und selbstbewusst, als bilde er
sich ein - wahrhaft ein männliches Tier -, auch die Eier gelegt zu haben.

aus: Rolf Hochhuth "Unbefleckte Empfängnis"


Eigentlich war es eine Anmaßung von ihm, mit einem Holzbein herumzulaufen, da er doch niemals im Krieg gewesen war.
aus: Martin Andersen Nexö "Bigum Holzbein"

"Es gibt im Leben eine Zeit, wo es sich auffallend verlangsamt, als zögerte es weiterzugehn oder wollte seine Richtung ändern."
aus: Robert Musil "Grigia"
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon Alcedo » Fr 06 Aug, 2010 18:33


Wenn ihr das wirklich hören wollt, dann wollt ihr wahrscheinlich als Erstes wissen, wo ich geboren bin und wie meine miese Kindheit war und was meine Eltern getan haben und so, bevor sie mich kriegten, und den ganzen David-Copperfield-Mist, aber eigentlich ist mir gar nicht danach, wenn ihr's genau wissen wollt.

aus "Der Fänger im Roggen" von Jerome David Salinger

amerikanischer Originaltext:
If you really want to hear about it, the first thing you'll probably want to know is where I was born, and what my lousy childhood was like, and how my parents were occupied and all before they had me, and all that David Copperfield kind of crap, but I don't feel like going into it, if you want to know the truth.

- The Catcher in the Rye -
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon turmfalke » Sa 07 Aug, 2010 12:17


Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt - meins nicht.

aus: Walter Moers - Die 13 [size=85:13crmm79]1/2[/size] Leben des Käpt'n Blaubär
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Re: Der schünste erste Satz

Beitragvon Drehrassel » Sa 07 Aug, 2010 12:44


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Re: Der schönste erste Satz

Beitragvon rivus » Mo 04 Apr, 2011 06:59


"Wie wäre es mit einem Teekessel? (!Wie wäre es, wenn die Tülle beim Austreten des Wasserdampfs wie ein Mund auf- und zuklappte und hübsche Melodien pfiffe, Shakespeare aufsagte oder einfach mit mir ablachte? "

aus EXTREM LAUT UND UNGLAUBLICH NAH von JONATHAN SAFRAN FOER
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