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[Epik] Leitfaden - Wiederholungen

Beitragvon Struppigel » So 14 Sep, 2008 12:48


[size=140:1lu7fqf0]Wiederholungen - Stilmittel oder sprachliche Katastrophe[/size]

Wiederholungen begegnen mir immer wieder. Wiederholungen begegnen mir immer wieder. Sie gehören zu den typischen Anfängerfehlern, bereiten aber auch eingefleischten Schreibern an manchen Stellen noch Probleme. Besonders prekär wird es dann, wenn man versucht, sie als Stilmittel einzusetzen. Nicht wenige Autoren mussten feststellen, dass ihr Stilmittel von den Lesern als Fehler gewertet wird.
Woran liegt das überhaupt und wie kann man Wiederholungen vermeiden bzw richtig einsetzen?


Gliederung:

1. Warum Wiederholungen vermeiden?

2. Mögliche Wiederholungen
  • Inhaltlich
  • Sprachlich

3. Wiederholungen vermeiden
  • Synonyme
  • Umschreibungen
  • Auslassungen
  • Wiederholung von Namen
  • Wiederholung von "war"
  • Wiederholungen aufgrund der Zeitform
  • Wiederholung aufgrund des Konjunktivs
4. Wiederholung als Stilmittel
  • Kinder- oder Dummensprache
  • Verstärkung des Ausdrucks
  • Monotonie hervorheben
  • Weitere Stilmittel

1. Warum Wiederholungen vermeiden?

Wiederholungen sind nicht nur sprachlich unfein, sie schaffen genau das, was ein Autor bei seinen Lesern nicht erreichen will – Langeweile.
Dies wird besonders dann gern übersehen, wenn man keine sprachlichen, aber inhaltlichen Wiederholungen schafft. Der Leser kommt sich dann schlimmstenfalls so vor, als hielte man ihn für gedächtnisschwach und müsste ihm alles in dreifacher Ausführungen sagen, bevor er es begreift. Das weckt böse Erinnerungen an die ewig gleichen Ermahnungen der Eltern.
Sprachliche Wiederholungen zeugen oft von einem geringen Aktiv-Wortschatz. Wer jedoch ein wenig Mühe investiert und beim Schreiben und Korrigieren darauf achtet, kann diese Probleme in den meisten Fällen recht einfach bewältigen.


2. Mögliche Wiederholungen

Inhaltlich

„Der dicke Peter passt nicht durch die Tür, weil er zu fett ist.“
Wozu erwähnen, dass er dick ist, wenn man es im gleichen Satz noch einmal anbringt? Der Leser ist nicht blöd – zumindest sollte man als Autor nicht davon ausgehen.

Der ungewollte Pleonasmus

Ein Pleonasmus ist eine „Häufung sinngleicher, der Wortart nach verschiedener Wörter, wobei beide Wörter schon die Bedeutung des Gesamtbegriffs beinhalten“ (Quelle Wikipedia)
Eigentlich als Stilmittel verwendet, taucht er aber häufig auch ungewollt auf. Die Wirkung ist meist unerwünschte Komik. Typische Beispiele wären „großer Riese“, „süßer Zucker“ oder „männlicher Rüde“.

„Der tote Fuchskadaver wurde weggeschmissen und blieb leblos liegen.“
Als Leser fragt man sich, ob der Autor hier am eigenen Verstand zweifelt. Jeder halbwegs normale Mensch geht davon aus, dass ein Kadaver tot ist und sich nicht nach dem Wegschmeißen erheben wird, um uns zu beißen.
Daraus lässt sich aber auch ableiten, dass Pleonasmen in humoristischen Geschichten durchaus passend sein können.

Sprachlich

Wiederholung einzelner Wörter der gleichen Wortfamilie

Besonders häufig kommt dies bei Verben vor, die die Fortbewegung, die visuelle Wahrnehmung oder die Kommunikation verdeutlichen sollen. Also "gehen", "sehen" und "sagen". Alle drei Wörter sind sehr universell, müssen aber immer wieder herhalten, obwohl es zahlreiche sinnverwandte Wörter gibt, die sogar mehr über die Art des Gehens, Sehens oder Sprechens aussagen.
Negativbeispiel: "Er blickte sie einen Augenblick an. Ihr Blick verriet ihm, dass sie traurig war. Als sie aufblickte, erblickte er eine Träne."

Wiederholung des Satzbaus

"Anna ging zur Schule.
Anna öffnete die Tür.
Anna betrat den Klassenraum."


Oder:

"Der Baum, der keine Blätter hatte, stand an der Straße.
Der Wagen, der auf der Straße fuhr, knallte gegen den Baum.
Die Fahrerin, die vorher noch gut ausgesehen hatte, war nun nicht mehr so hübsch.
Die Frisur, die sie erst seit gestern hatte, stand nun nicht mehr so toll."


Da klingt doch folgende Version schon besser:

"An einer Straße stand ein kahler Baum. Plötzlich knallte ein Wagen dagegen. Die einst gut aussehende Fahrerin war nun nicht mehr so hübsch, denn ihre Frisur, die sie erst seit gestern hatte, stand nun nicht mehr so toll."

Hier ist nicht nur die Satzstruktur, sondern auch die Satzlänge variiert worden.
Natürlich kann man dieses Textbeispiel sprachlich noch wesentlich aufwerten, aber dazu mehr in einem anderen Leitfaden.


3. Wiederholungen vermeiden

Synonyme

Synonyme sind sinnverwandte Wörter und darum eine wundervolle Möglichkeit, sprachlichen Wiederholungen den Kampf anzusagen.
Gut geeignet für die Suche sind neben dem eigenen Verstand Synonymwörterbücher oder Webseiten, die diesen Service kostenlos bieten. Um einige zu nennen:
[url:1lu7fqf0]http://www.wie-sagt-man-noch.de/[/url]
[url:1lu7fqf0]http://synonyme.woxikon.de/[/url]

Um das am oben genannten Beispiel zu demonstrieren:
"Er blickte sie einen Augenblick an. Ihr Blick verriet ihm, dass sie traurig war. Als sie aufblickte, erblickte er eine Träne."

Daraus könnte man Folgendes machen:
"Er betrachtete sie einen Moment. Ihr Blick verriet ihm, dass sie traurig war. Als sie aufsah, entdeckte er eine Träne."

Umschreibungen

Umschreibungen machen die meiste Arbeit, sind aber manchmal unumgänglich, wenn beispielsweise nicht genug Synonyme für ein wiederholtes Wort zur Verfügung stehen.

Beispiel:
„Anna ging zur Tür, zog ihren Türschlüssel unter dem Abtreter hervor und schloss die Tür auf. Dann ging sie durch die Tür.“

Daraus wird:
„Anna ging zur Front des Hauses und zog unter dem Abtreter den Türschlüssel hervor, mit dem sie sich Zugang zu ihrer Wohnung verschaffte.“

Auslassungen

Wenn es möglich ist, lass das Doppelte einfach weg.

Also anstelle von:
„Ich kaufte einen grünen Apfel, einen roten Apfel und einen faulen Apfel.“
„Mein Haus ist fensterlos und türlos.“


Schreibe besser:
„Ich kaufte einen grünen, einen roten und einen faulen Apfel.“
„Mein Haus ist fenster- und türlos.“


Wiederholung von Namen

Um wiederholte Namen zu vermeiden, kannst du Personalpronomen einsetzen, aber auch Umschreibungen nutzen.
Anstelle „Anna“ könntest du also „sie“, „die Blumenverkäuferin“, „die Berlinerin“, „die Schreckhafte“ oder auch „die Frau“ einsetzen. Jedoch besteht unter Umständen die Gefahr der Verwechslung, wenn zum Beispiel zwei Frauen auftauchen, wie in folgendem Satz:
„Anna klopfte an und Judith öffnete ihr. Die Frau sagte zu ihr...“
Außerdem können umschreibende Einsetzungen schnell ungelenk wirken, vor allem wenn sie stark die Distanz verändern. So kennt zum Beispiel der Leser Anna beim Vornamen – hier wäre es unpassend, sie plötzlich durch „Mensch“ zu ersetzen. Je allgemeiner der Begriff, desto mehr Distanz schafft er.

Mögliche Umschreibungen:
- Allgemeines die Gestalt
- Alter das Kind, der Greis
- äußere Merkmale der Narbige, der Hühne
- Berufsbezeichnungen der Taxifahrer
- Beziehung die Enkelin, der Vater, das Gegenüber
- Charaktereigenschaften die Schreckhafte
- Geschlecht die Frau, der Mann
- Herkunft der Sachse, der Franzose
- Rasse oder Art der Ork, die Dogge, der Chinese
- Tätigkeit der an der Tür Rüttelnde

Wiederholung von "war"

Dies kommt sehr oft vor und ist manchmal nur schwer zu beseitigen. Vorallem, wenn es sich um Beschreibungen handelt.

Negativ-Beispiel: Der Weg war lang, die Häuser daneben waren kaputt. Er war mit dem Fahrrad unterwegs. Es war dunkel.

Bei Aufzählungen lässt sich das war auf ein einziges dezimieren, also:
Der Weg war lang, die Häuser daneben kaputt.

Meistens benötigt man aber beschreibende Verben, die das Adjektiv überflüssig machen. Anstelle von "Der Weg war lang" könnte man also dem Weg eine Tätigkeit geben, die ebenfalls die Länge ausdrückt. Man kann auch mit Hilfe von Verben der Sinneswahrnehmung arbeiten, indem man beschreibt, wie etwas aussieht, riecht oder wirkt.
Der Weg zog sich über zwei Meilen.
Der Weg schien kein Ende zu haben.
Die Häuser sahen kaputt aus.
Die Häuser ähnelten Ruinen.
Er fuhr mit dem Fahrrad.
Die Dunkelheit hüllte alles ein.


Wiederholungen aufgrund der Zeitform

Perfekt, Plusquamperfekt und Futur sind schwierig zu handhaben, wenn man sie für große Abschnitte nutzen will, ohne die benötigten Hilfsverben zu oft zu wiederholen.
Beim Perfekt und Plusquamperfekt hat man immerhin die Möglichkeit zwischen „ist“/„war“ und „hat“/„hatte“ zu variieren. Trotzdem sollte man allzu große Abschnitte mit diesen Zeitformen vermeiden.
Zu diesem Thema gibt es einen Leitfaden: (E) Leitfaden - Zeitformen

Wiederholung aufgrund des Konjunktivs

Das Problem entsteht meistens nur, wenn man den Konjunktiv mit „würde“ bildet.

Beispiel:
„Ich würde ja das Auto in die Luft sprengen, wenn es nicht so regnen würde. Dann würde der Besitzer ohne Fahrzeug auskommen müssen und ich würde ihn so auslachen.“

Daraus wird:
„Ich sprengte ja das Auto in die Luft, wenn es nicht so regnete. Dann müsste der Besitzer ohne Fahrzeug auskommen und ich lachte ihn aus.“

Du wirst feststellen, dass die zweite Version sehr viel gestochener klingt. Kaum jemand spricht so, weshalb die zweite Variante nur bedingt für einen Ich-Erzähler wie diesen geeignet ist. In den meisten Fällen ist eine Mischung der ersten und zweiten Variante die beste. Auch die Verwendung anderer Hilfsverben kann da abhelfen, z.B. „müsste“, „dürfte“ oder „könnte“.

Also:
„Ich würde ja das Auto in die Luft sprengen, wenn es nicht so regnete. Dann müsste der Besitzer ohne Fahrzeug auskommen und ich könnte ihn auslachen.“


4. Wiederholungen als Stilmittel

Kinder- oder Dummensprache
Will man absichtlich den Eindruck eines Menschen erwecken, der die Sprache nicht richtig beherrscht, so kann man neben einem einfachen Satzbau und einfachen Begriffen Wiederholungen gebrauchen.

Verstärkung des Ausdrucks
Die meisten, die ihre Wiederholungen ungelenk einsetzen, sagen, sie wollten den Ausdruck verstärken. Ich möchte jedem blutigen Anfänger ans Herz legen, mit solchen Stilmitteln erst zu hantieren, wenn er die Vermeidung von Wiederholungen beherrscht. Also erst das Feuer beherrschen, dann Fackeln bauen.
Ansonsten ist es wie beim Salzen einer Suppe: Weniger ist manchmal mehr.

Monotonie hervorheben
Auch hier an das Salz in der Suppe denken. Der Eindruck von Monotonie darf nicht zu Langeweile beim Leser führen. Es sollte also ein Gegengewicht geben, das die Spannung erhöht.
Auf die Frage, wie man Spannung erzeugt, wird es irgendwann noch einen Leitfaden geben.

Weitere Stilmittel
Für diejenigen, die sich über weitere Stilmittel im Zusammenhang mit Wiederholungen informieren möchten, ist hier eine kleine Liste.
Definitionen und Beispiele kannst du bei Wikipedia oder in anderen Lexika nachlesen.

Anadiplose
Anapher
Conversio
Emphase
Epipher
Epanalepse
Geminatio
Hendiadyoin
Kyklos
Lithismus
Pleonasmus
Polyptoton
Polysyndeton
Redundanz
Repetitio
Symploke
Synonymie
Tautologie
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