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Micky der Trickbetrüger

Beitragvon schreibs » Mi 22 Apr, 2020 02:14


Micky der Trickbetrüger hatte lange trainiert um einen Würfel so zu würfeln, dass er sich lediglich in eine einzige Richtung überschlug. Dabei blieben zwei Seiten unverändert. Die Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Zahl zu werfen, lässt sich somit von eins zu sechs auf eins zu vier erhöhen. Micky betrat eine Straße die mit einem Würfelstand ausgestattet war. Dort wurde ein Spiel angeboten, das nur eines einzigen Würfels bedurfte. Es war ein fröhliches Treiben, Kinder spielten mit ihren Kegeln, man genoß die Freiheit der Individualität im gegenseitigen Miteinander. Man registrierte die Schnittmengen, genoß aber die abgegrenzten, disjunkten Vereinigungen. Das sind solche, die letztlich der Einsamkeit nicht entgegenwirken, sondern aus der Distanz heraus definiert sind.
Die Herausforderung bestand nun für Micky darin, eine bestimmte Zahl nicht zu würfeln. Micky dachte kurz nach. Zu mehr war er auch nicht in der Lage. Vor seinem geistigen Auge erschienen die Symmetrieachsen eines Würfels. In gleißendem Licht wurde ihm gewahr, dass er sogar zwei Zahlen durch seine Würfeltechnik ausschließen könnte. "Es gibt zwei Invarianten" dachte Micky mit bebender Geistesstimme. Zitternd setzte er 100 Euro auf seine Fähigkeiten und verlor. Sofort wurde Micky klar, dass er Opfer eines gemeinen Trickbetrugs geworden war.
"So geht das nicht " erklärte Micky. Der Schießbudenbetreiber schhaute verärgert drein. Dann beugte sich der kräftige Lebemann nach vorne, Micky entgegen und riss seine Augen auf. Micky registrierte, dass die Schießbudenfigur ihn einschüchtern wollte. Aus Gründen der Vernunft entschied sich Micky dafür nachzugeben. Schließlich wollte er die eleganten Mechanismen des Trickbetrugs walten lassen und keine ungewürzte Gewalt fördern. Verächtlich schaute Micky dem Schießbudenbetreiber noch einmal entgegen. Und dabei meinte er eine Unebenheit, einen Mangel an Symmetrie in den Gesichtszügen des Würfelstandbetreibers identifiziert zu haben. Ein Gefühl der Gereimtheit stellte sich in der Geisteswelt Mickys ein. Sicher wäre der Würfelstandbetreuer rein kognitiv gar nicht in der Lage die Idee der Symmetrie nachzuvollziehen, dachte Micky bei sich. Und aus der Andacht heraus, schritt er sogleich zur Tat. Fleißigen Schrittes ging Micky nachhause und schaute in den Spiegel. Das tat er oft, doch dieses mal überkam ihn dabei das Bedürfnis Messungen vorzunehmen. Es reicht nicht Erkenntnisse nur in der Theorie zu vollziehen, dachte Micky bei sich. Dann legte er ein Lineal an und erschauderte erneut; dieses mal bei dem Gedanken, dass Länge und Breite seines Gesichts sich womöglich im goldenen Schnitt träfen. "Klammer auf Wurzel 5 plus 1 Klammer zu geteilt durch zwei" keuchte Micky versessen und zählte die Milimeter auf seinem Lineal.
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