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Das Testament

Beitragvon Mando » So 27 Dez, 2009 01:32


Das Testament

Durch einen gläsernen Tunnel, der uns durch ein Aquarium voller verdorrter Zierpflanzen und regloser, halb zerfledderter, aber noch immer schillernder Kampffischkörper führte, betraten wir seine Gemächer, in die er sich nun schon seit einigen Jahren zurückgezogen hat, kaum noch herausgekommen war und nur noch selten Besucher empfangen hatte. Wie im Foyer und in den Gängen, waren auch in seinem Wohnbereich sämtliche Glühbirnen aus den Fassungen gedreht worden und da auch alle Fenster verhangen waren, drang nur durch eine Luke unter dem Dach etwas Licht hinein. Das hatte er wohl so veranlasst oder es sogar selbst getan, die Birnen ausgeschraubt und teure Tücher und Teppiche vor den Fenstern angebracht, vielleicht um seine Augen vor dem verwilderten Garten zu schützen, in den er einst sein halbes Vermögen gesteckt hatte, den er durch Wasserfälle und eine Voliere in der die farbenprächtigsten Papageien gehalten worden waren, in ein tropisches Paradies verwandelt hatte, und das in der niedersächsischen Provinz wohl einzigartig gewesen war. Wir hatten lange keinen Zutritt mehr gehabt und umso schockierter waren wir, die einstige Pracht völlig verwahrlost und heruntergekommen vorzufinden, hatten zwar mit einigem gerechnet, aber diesen Zusammenbruch eines Lebenswerkes doch niemals in einer derart verheerenden Form erwartet.
Sämtliche Kontaktversuche unsererseits waren von ihm bis zum gestrigen Tage ignoriert worden, all unsere Bemühungen erneut eine Kommunikationsgrundlage, ein persönliches Verhältnis aufzubauen waren samt und sonders bis eben gestern unkommentiert gelassen worden, bis ich in der Post dann plötzlich ein Brief von ihm fand, in dem er uns auf seinen Landsitz einlud und uns sogar nachdrücklich bat, doch bitte dringend, sogar auf dem schnellsten Wege bei ihm zu erscheinen. Ich für meinen Teil hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass ich diese Räumlichkeiten überhaupt noch einmal betreten würde und mich hatte gleich so ein merkwürdiges, beklemmendes Gefühl befallen, als ich seine noch undeutlichere Handschrift zu entziffern versucht hatte. Jetzt, wo ich dieses Haus wieder betreten hatte, in dem ich aufgewachsen war und beinahe umgekommen wäre und das ich nun in einem derart erbärmlichen Zustand vorfand, war dieses Gefühl noch um einiges stärker geworden.
Und auch den Hausherren, meinen Vater, fand ich in einer Verfassung vor, der dem Zustand seiner Villa in nichts nachstand. Alles war in erbärmlichem Zustand und das war umso verwunderlicher, wenn man meinen Vater früher gekannt hat, diesen Menschen, der auf sein Äußeres immer den höchsten Wert gelegt hatte und einen ganzen Hofstaat von Gärtnern und Hausangestellten mit der Aufrechterhaltung seines Anwesens beschäftigt hatte, mit den exotischen Pflanzen, den empfindsamen und seltenen Sittichen und Aras, den Sammlungen, denen er einst ganze Flügel seiner Villa widmete und in die er größere Mengen seines Vermögens investierte. Zwar hatte er nie den Eindruck erweckt, sich für seine Kunstschätze oder die Rekonstruktion seines biblischen Garten Edens besonders zu begeistern oder ein tatsächliches Interesse an den Gebärden und Klängen der Vögel zu haben, aber er hatte nichtsdestotrotz immer den größten Wert darauf gelegt, alles in bester Ordnung und tadellosem Zustand halten zu lassen. Wenn er auf seinen Kontrollgängen den Garten abschritt, achtete er immer nur auf die Unsauberkeiten, ein welkes Blatt, dass die Gärtner nicht abgezupft hatten oder eine Skulptur, die vom Hauspersonal beim Putzen verrückt worden war. Für die Schönheit hatte er sich im Grunde nie begeistert, vielleicht war sie ihm nie aufgefallen, auch wenn er seine Gäste immer mit den ausschweifendtsen Geschichten über seine Anschaffungen zu unterhalten wusste, wenn er sie herumführte und über Stunden beschäftigen konnte. Dennoch hatte er für die Pracht nie etwas übrig gehabt und inzwischen gab es diese Pracht ja auch gar nicht mehr. Von dieser Pracht war nichts mehr übrig geblieben und auch von der einst stolzen Gestalt meines Vaters war nichts mehr übrig. Er war in der Verwerfung seines Lebenswerkes ebenso konsequent gewesen, wie er beim Aufbau dieses Lebenswerkes gewesen war und ich war mir, als ich in dieser jämmerlichen Verfassung sah, ganz sicher, dass nicht nur von seinem Lebenswerk, sondern auch von seinem Leben selbst, bald nichts mehr übrig sein würde und ihm angesichts der Krankheit, von der er so gezeichnet war, oder besser übermalt war, nicht nur die eigene Sterblichkeit, sondern auch die Vergänglichkeit seines Lebenswerkes bewusst geworden war. In dem Moment, in dem er einsehen musste, dass seine Lebenszeit in absehbarer Zeit ausgeschöpft sein würde, machte es für ihn auch keinen Sinn mehr an der materiellen Befestigung und Untermauerung seines Lebensanspruches festzuhalten und ließ also alle seine Ansprüche fallen. Nur so war es auch zu erklären, dass er uns jetzt zu sich ließ und auch den Anspruch auf seinen Stolz, seine Überlegenheit und sein Recht uns gegenüber aufgegeben hatte, gab also all das auf, was er unter den größten Entbehrungen für uns und vielleicht auch für ihn stets aufrecht erhalten hatte.
In der derzeitigen Verfassung hatte er in seinen strikten und erbarmungslosen Denkmustern aber nun jede Berechtigung für diese Gefühle des Stolzes verloren, aus deren Überanspruch all die anderen Ausprägungen seines luxuriösen Statushaushaltes, wie die Papageien und die inzwischen abgehängten Portaits, die ihn im edelsten Zwirn und maßgeschneiderter Jägermontur zeigten, hervorgegangen waren. Und genau diese Gefühle waren eben auch dafür verantwortlich, dass er uns nie verzeihen konnte, dass wir nicht in seine Fußstapfen treten konnten, obwohl wir ja die beste Bildung genossen hatten und schon früh in den väterlichen Betrieben die kostbarsten Erfahrungen machen durften. Das Zerwürfnis und der endgültige Abbruch jedes Kontakts waren für ihn folgerichtig und konsequent gewesen so lange er sich noch etwas auf sich selbst einbilden konnte. Als er krank wurde und in den Vorruhestand gehen musste und das nicht mehr konnte, weil der Tod, der große Gleichmacher, zu dem er wie auch zu uns nie den Kontakt gesucht hatte, sich seinerseits an meinen Vater angenähert hatte, hatte eben dieser Vater also auch wieder zu uns, also zu seinen beiden Söhnen den Kontakt herstellen können und nun standen wir ihm also gegenüber, hatten ihn beinahe zwanzig Jahre nicht gesehen und standen nun dieser kranken, zerfressenen Gestalt gegenüber, die trotz ihrer nahezu allgegenwärtigen Abwesenheit einen derart verheerenden Einfluss auf unser Leben genommen hatte. Es dauert eine Weile, bis er das Wort ergriff und offenbar kostete es ihn die größte Anstrengung und als er dann auch noch sagte, dass er sich wünschte, dass er mehr Zeit gehabt hätte, da wurde ich wirklich wütend. Er hätte alles sagen können und ich hätte ihm vergeben und ihm angesichts seiner ernsten Lage vielleicht alles verziehen, ihm die Verpfuschung und Verstümmelung meines Lebens verziehen, aber als er allen ernstes den Wunsch nach mehr Zeit äußerte, verlor ich jeden Anstand und ich warf ihm vor, dass er die viele Zeit, die ihm zugestanden hatte und die er sich aufgrund seines vielen Geldes ja jederzeit hätte nehmen können, ja niemals effektiv und sinnvoll genutzt hatte, sich immer nur um die Betriebe gekümmert hatte, die Gewinnmaximierung, den Absatzmarkt und die Börsennotierung, aber nicht um uns oder unsere Mutter und nicht mal um die Sittiche. Ich sagte ihm außerdem, das er mit der Zeit, die ihm gegeben war, nichts anzufangen gewusst hatte und dass es damit wohl ziemlich vermessen wäre, zu glauben, dass er mit der Zeit, die ihm nicht gegeben worden war, anders gewesen wäre. Ich warf ihm vor, erst viel zu spät die Bedeutung der Zeit erkannt zu haben, erst als die Zeit sich entschlossen hatte ihn wegzuwerfen, seinerseits aufgehört hatte, die Zeit täglich aufs Neue wegzuwerfen und zu vergeuden. So lange er die Gelegenheit gehabt hatte, hatte er die Zeit jeden Tag aufs Neue ohne die geringste Reue vergeudet und auch verspottet. Er hatte die Zeit immer und immer wieder verspottet und als sie nun einmal ihn verspottete und ihm die Erkenntnis ihrer Kostbarkeit derart spät vermittelte, da regte er sich auf und fühlte sich ungerecht behandelt. Ich brüllte ihn an und teilte ihm mit, dass er es genau deshalb ja im Grunde gar nicht besser verdienen würde und dass er sich eigentlich noch bei der Zeit bedanken sollte, weil sie ihn ja nicht ohne Vorwarnung aus dem Leben gerissen hatte, sondern ihm zum Beispiel noch einige sehr bewusste Augenblicke wie diesen geschenkt hatte, die er aber auch auf die traurigste Art und Weise vergeudete, indem er diesen Moment nicht etwa genoss, sondern nur der verlorenen Zeit, mit der er nie etwas anzufangen gewusst hatte, nachtrauerte und diese Zeit auch nicht mit den Menschen, die ihm immer am nächsten gestanden hatte, verbrachte, sondern mit uns, die ihm von allen Menschen immer am fernsten gewesen waren. Dabei war das eine große Gnade, die ihm die Zeit da gewährte, die er aber erneut nicht zu nutzen verstand und damit statt der von ihm gewünschten Verlängerung seines Lebens, eher noch eine Verkürzung rechtfertigen würde. Ich war jetzt wirklich in Rage und ich schimpfe auf all die Leute, die in ihrer widerwärtigen Gier immer mehr und mehr wollen, obwohl sie es gar nicht brauchen und das mein Vater ja wohl das beste Beispiel für diesen Wesenszug sei. Ich sagte ihm, dass er einfach nie zum Ende kommen konnte, wie damals in den Betrieben, und das es damit nur logisch wäre, dass das Ende irgendwann also zu ihm kommen würde und nun schon fast da sein würde. Als ich ihm das gesagt hatte, ging ich, ging durch den Tunnel. Über mir schimmerten die toten Kampffische.
Wenig später saß ich mit meinem Bruder, der sich mit meinem Vater ausgesöhnt hatte, während ich mich hemmungslos in einer abscheulichen Spielunke betrunken hatte, in unserem Hotelzimmer. Mein Vater war wenige Stunden nachdem ich hinausgestürmt war verstorben und mein Bruder machte mir nun die größten Vorwürfe. In meiner Trunkenheit beugte ich mich zu ihm rüber und sagte ihm, dass ich mich meinem Vater noch nie so nah gefühlt hatte, wie in dem Moment, in dem ich ihn kurz vor seinem Tod aufs Übelste beschimpft hatte, da ich mich genau so verhalten hatte, wie mein Vater es getan hätte, wenn er nicht von der Zeit überrascht worden wäre. Und tatsächlich hatte mein Vater, wie ich später erfuhr, sein Testament unmittelbar nach unserem Besuch noch einmal umändern lassen und vererbte mir die Firma. In einer Randnotiz in seinem Testament hatte er vermerkt, dass zu seiner Freude nun doch einer seiner Söhne die nötige Courage und Härte für die Übernahme der Firma besessen hatte, seinen Weg verfolgte ohne auf falsche Sentimentalitäten Rücksicht zu nehmen und er damit doch noch beruhigt abtreten konnte. Bei der Beerdigung spuckte ich mehrmals auf sein Grab, weil sich der Alte offenbar noch in seinem Todeskampf und trotz all des Theaters gar nicht wirklich verändert hatte wie die Testamentsänderung bestätigte. Seine Firma ruinierte ich innerhalb von zwei Jahren, allerdings ohne das zu wollen. Ich mach halt einfach nicht so besonders viel richtig. Auch daran hat sich in all den Jahren nicht viel geändert.
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Re: Das Testament

Beitragvon Struppigel » So 27 Dez, 2009 19:25


Hallo mando,

ich nehme mal ganz frech an, dass Du möchtest, dass jemand Deine Texte bis zum Ende liest.
Ich habe es für diesen Text geschafft, aber bei Around the World schon keine Lust mehr gehabt, weil der genauso umständlich langgezogene Sätze hat. Das ist nicht nur anstrengend, es langweilt auch. Vor allem hingen mir die vielen Wiederholungen schnell zum Hals raus. Schade, dass der wirklich gute Inhalt so nicht wirken kann.
Vielleicht gehen Dir die Augen auf, wenn ich dies am Detail darstelle:

Durch einen gläsernen Tunnel, der uns durch ein Aquarium

Bediene mal ein Synonymwörterbuch.

betraten wir seine Gemächer, in die er sich nun schon seit einigen Jahren zurückgezogen hat

Zeitform: Dein Haupttempus ist das Präteritum, alles was davor schon abgeschlossen wurde, benötigt das Plusquamperfekt zurückgezogen hatte

zurückgezogen hat, kaum noch herausgekommen war und nur noch selten Besucher empfangen hatte.

Inhaltliche Wiederholung. Zurückgezogenheit schließt das Nichtherauskommen und Seltenbesuchempfangen mit ein. Also streichen.

den er durch Wasserfälle und eine Voliere Komma in der die farbenprächtigsten Papageien gehalten worden waren, in ein tropisches Paradies verwandelt hatte, und das in der niedersächsischen Provinz wohl einzigartig gewesen war.

Warum das "und" und warum das "und" mit dem Komma davor? Beides spricht für eine Abgrenzung, die ich inhaltlich nicht sehe.
Wir hatten lange keinen Zutritt mehr gehabt und umso schockierter waren wir, die einstige Pracht völlig verwahrlost und heruntergekommen vorzufinden, hatten zwar mit einigem gerechnet, aber diesen Zusammenbruch eines Lebenswerkes doch niemals in einer derart verheerenden Form erwartet.

Gerade an dieser Stelle sehe ich den Sinn der Zusammenkleisterung mehrerer Sätze nicht. Du musstest den zweiten Teil verkrüppeln, damit er hineinpasst (bei dem markierten "hatten" fehlt das Substantiv "wir", der Bezug zum vorherigen "umso schockierter waren wir" funktioniert nicht).

Sämtliche Kontaktversuche unsererseits waren von ihm bis zum gestrigen Tage ignoriert worden, all unsere Bemühungen erneut eine Kommunikationsgrundlage, ein persönliches Verhältnis aufzubauen waren samt und sonders bis eben gestern unkommentiert gelassen worden, bis ich in der Post dann plötzlich einen Brief von ihm fand, in dem er uns auf seinen Landsitz einlud und uns sogar nachdrücklich bat, doch bitte dringend, sogar auf dem schnellsten Wege bei ihm zu erscheinen.

Nichtssagende Füllwörter. "Sämtliche Kontaktversuche unsererseits waren von ihm bis zum gestrigen Tage ignoriert worden" (vs. "bis eben gestern unkommentiert gelassen") ist inhaltlich wiederholt. Die blau markierten Stellen sind sprachlich wiederholt.
Kein Wunder, dass das Lesen langweilig wird. Wer will schon immer wieder das gleiche lesen. Wer will schon das gleiche immer wieder lesen? Wer will sich antun, das noch einmal zu lesen? ;)

Jetzt, wo ich dieses Haus wieder betreten hatte

"wo" bezieht sich auf den Ort, aber "jetzt" bezieht sich auf die Zeit. Die vertragen sich nicht.

Und auch den Hausherren, meinen Vater

Erzähle dem Leser nichts, was er sowieso schon weiß.

das ich nun in einem derart erbärmlichen Zustand vorfand, war dieses Gefühl noch um einiges stärker geworden.
Und auch den Hausherren, meinen Vater, fand ich in einer Verfassung vor, der dem Zustand seiner Villa in nichts nachstand. Alles war in erbärmlichem Zustand

Schon wieder erzählst Du alles doppelt.

das war umso verwunderlicher, wenn man meinen Vater früher gekannt hat

"gekannt hatte" s.o.

einen ganzen Hofstaat von Gärtnern und Hausangestellten mit der Aufrechterhaltung seines Anwesens beschäftigt hatte, mit den exotischen Pflanzen, den empfindsamen und seltenen Sittichen und Aras, den Sammlungen, denen er einst ganze Flügel seiner Villa widmete und in die er größere Mengen seines Vermögens investierte
...
aber er hatte nichtsdestotrotz immer den größten Wert darauf gelegt, alles in bester Ordnung und tadellosem Zustand halten zu lassen

(inhaltliche Wiederholung)

Zwar hatte er nie den Eindruck erweckt, sich für seine Kunstschätze oder die Rekonstruktion seines biblischen Garten Edens besonders zu begeistern
...
Für die Schönheit hatte er sich im Grunde nie begeistert
...
Dennoch hatte er für die Pracht nie etwas übrig gehabt

(inhaltliche Wiederholung)

achtete er immer nur auf die Unsauberkeiten, ein welkes Blatt, dass die Gärtner nicht abgezupft hatten

ein welkes Blatt, das die Gärtner ...
Hier nach "Unsauberkeiten" wird es recht deutlich, was sich durch den gesamten Text zieht. Die Sätze sind lang, aber kaum strukturiert. Es gibt durchaus Autoren, die lange Sätze zu schreiben verstehen, ohne zu langweilen. Diese nutzen aber meist auch das Repertoir an Satzzeichen voll aus. Es gibt nicht nur Punkt und Komma. Nach "Unsauberkeiten" hätte sich beispielsweise ein Doppelpunkt gut gemacht.

auch wenn er seine Gäste immer mit den ausschweifendsten Geschichten über seine Anschaffungen zu unterhalten wusste, wenn er sie herumführte und über Stunden beschäftigen konnte.

wenn, wenn

inzwischen gab es diese Pracht ja auch gar nicht mehr.
...
Von dieser Pracht war nichts mehr übrig geblieben
...
von der einst stolzen Gestalt meines Vaters war nichts mehr übrig.
...
von seinem Leben selbst, bald nichts mehr übrig sein würde
...
die eigene Sterblichkeit, sondern auch die Vergänglichkeit seines Lebenswerkes
...
seine Lebenszeit in absehbarer Zeit ausgeschöpft sein würde
...
In der derzeitigen Verfassung

(inhaltliche Wiederholung)

Überanspruch all die anderen Ausprägungen seines luxuriösen Statushaushaltes, wie die Papageien

Die Papageien hast Du auch schon zweimal erwähnt.

obwohl wir ja die beste Bildung genossen hatten

Das "ja" gehört da nicht hin. Entscheide Dich, entweder schreibst Du gehoben oder umgangssprachlich.

weil der Tod, der große Gleichmacher, zu dem er wie auch zu uns nie den Kontakt gesucht hatte, sich seinerseits an meinen Vater angenähert hatte, hatte eben dieser Vater also auch wieder zu uns, also zu seinen beiden Söhnen den Kontakt herstellen können und nun standen wir ihm also gegenüber, hatten ihn beinahe zwanzig Jahre nicht gesehen und standen nun dieser kranken, zerfressenen Gestalt gegenüber,

Füllwörter und diese auch noch wiederholt. Erneut wird dem Leser in den Kopf getrichtert, dass der Vater krank ist. Zweimal wird gesagt, dass der Erzähler diesem gegenüber steht.

ich hätte ihm (1) vergeben und ihm angesichts seiner ernsten Lage vielleicht (2) alles verziehen, ihm die Verpfuschung und Verstümmelung meines Lebens (3) verziehen,

Willst Du es vielleicht noch ein viertes Mal schreiben?

mit der Zeit, die ihm gegeben war, nichts anzufangen gewusst hatte
...
dass er mit der Zeit, die ihm nicht gegeben worden war, anders gewesen wäre
...
zu spät die Bedeutung der Zeit erkannt zu habe
...
die Zeit täglich aufs Neue wegzuwerfen und zu vergeuden
...
hatte er die Zeit jeden Tag aufs Neue ohne die geringste Reue vergeudet
...
die er aber auch auf die traurigste Art und Weise vergeudete
...
der verlorenen Zeit, mit der er nie etwas anzufangen gewusst hatte

Jetzt stellst Du einen Rekord auf.
(inhaltliche Wiederholung)

Ich mach halt einfach nicht so besonders viel richtig

Umgangssprache, s.o.

Auch daran hat sich in all den Jahren nicht viel geändert.

hatte

Grüße
Struppi
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Re: Das Testament

Beitragvon Mando » Mo 28 Dez, 2009 13:17


Howdy...

Danke für diese erste Kritik.
Die vielen Wiederholungen (sowohl inhaltlich, als auch sprachlich) sind zum Großteil schon so gewollt. Dieser Satz zum Beispiel: ich hätte ihm (1) vergeben und ihm angesichts seiner ernsten Lage vielleicht (2) alles verziehen, ihm die Verpfuschung und Verstümmelung meines Lebens (3) verziehen, könnte doch so durchaus auch von Thomas Bernhardt kommen. Empfindest du dessen permanente Wiederholungen auch als störend? Ich mag dieses thematische Kreisen um ein Thema. Diese Wiederholungen haben auch den Zweck gewisse Aspekte zu verdeutlichen. Das ist kein reines Aufblähen und auch nicht nur Monotonie. Dass gewisse Aspekte oder Worte wie die Papageien, etc. immer wieder auftauchen, mag für eine klassische Kurzgeschichte zwar unüblich sein, aber erscheint mir notwendig, um nicht nur die Fakten abzuarbeiten, sondern auch die Zusammenhänge zwischen den Fakten auszuarbeiten. Gibt mir allerdings zu denken, dass du das als öde empfindest. Kann es teilweise nachvollziehen, teilweise wiederum auch nicht.
Werd mir nochmal meine Gedanken machen...
Danke jedenfalls.
Mando
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Re: Das Testament

Beitragvon Struppigel » Mo 28 Dez, 2009 16:12


könnte doch so durchaus auch von Thomas Bernhardt kommen. Empfindest du dessen permanente Wiederholungen auch als störend?

Gib mir ein (längeres) Beispiel und dann kann ich Dir das beantworten. Ich habe leider kein Buch von ihm.
(btw: Heißt der nicht "Bernhard"?)

Ich mag dieses thematische Kreisen um ein Thema.

Kreisen heißt, den (Blick-)Winkel stets zu verändern. Genau das sehe ich bei Dir meistens nicht. Du schreibst nur das gleiche mit anderen Worten. Deswegen hat es überhaupt keinen Reiz für mich.

Dass gewisse Aspekte oder Worte wie die Papageien, etc. immer wieder auftauchen, mag für eine klassische Kurzgeschichte zwar unüblich sein, aber erscheint mir notwendig, um nicht nur die Fakten abzuarbeiten, sondern auch die Zusammenhänge zwischen den Fakten auszuarbeiten.

Mit der Kurzgeschichte als solches hat das nichts zu tun. Es ist auch nichts falsch daran, Zusammenhänge auszuarbeiten. Aber Du erzählst den Lesern, was sie entweder schon wissen, weil es bereits erwähnt wurde oder was sie problemlos selbst schlussfolgern können. Du schreibst doch nicht für kleine Kinder oder Leute mit einem IQ unter 70, sondern für erwachsene Menschen oder zumindest Jugendliche, die in der Lage sind derartige Schlussfolgerungen zu ziehen.
Dazu gehört zum Beispiel, dass die Papageien ein Luxus des Vaters sind und demnach Geld kosten, dass mit "uns" die Kinder des Vaters gemeint sind und ebenso, dass der Hausherr der Vater ist. Wenn Du dem Leser alles Offensichtliche erklärst, fühlt der sich im besten Fall gelangweilt und schlimmsten verschaukelt.

Werd mir nochmal meine Gedanken machen...

Warte auf weitere Kritiken. Dann zeichnet sich vielleicht eine Tendenz ab.

Viele Grüße
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Re: Das Testament

Beitragvon Mando » Mo 28 Dez, 2009 17:38


[quote="Struppigel":30zf9ocy]
könnte doch so durchaus auch von Thomas Bernhardt kommen. Empfindest du dessen permanente Wiederholungen auch als störend?

Gib mir ein (längeres) Beispiel und dann kann ich Dir das beantworten. Ich habe leider kein Buch von ihm.
(btw: Heißt der nicht "Bernhard"?)[/quote]

Okay, hier mal ein kurzer Textauszug von ihm. Mit der Schreibweise hast du natürlich Recht.

Erschrocken suchte ich in der langen Reihe der
Gitterbetten das meinige auf, das drittletzte
zwischen zwei wortlosen alten Männern, die
stundenlang wie tot in ihren Betten lagen, bis
sie sich plötzlich aufrichteten und in ihre Spuckflaschen
spuckten. Alle Patienten produzierten
ununterbrochen Sputum, die meisten in großen
Mengen, viele von ihnen hatten nicht nur eine,
sondern mehrere Spuckflaschen bei sich, als hätten
sie keine vordringlichere Aufgabe, als Sputum
zu produzieren, als feuerten sie sich gegenseitig
zu immer größerer Sputumproduktion an,
ein Wettbewerb fand hier jeden Tag statt, so
schien es, in welchem am Abend derjenige den
Sieg davongetragen hatte, welcher am konzentriertesten
und die größte Menge in seine Spuckflasche
ausgespuckt hatte. Auch von mir hatten
die Ärzte nichts anderes erwartet, als mich
augenblicklich an diesem Wettbewerb zu beteiligen,
aber ich mühte mich umsonst ab, ich produzierte
kein Sputum, ich spuckte und spuckte,
aber meine Spuckflasche blieb leer. Tagelang
hatte ich den Versuch gemacht, etwas in die
Flasche zu spucken, es gelang nicht, mein Rachen
war von meinen verzweifelten Versuchen, spukken
zu können, schon ganz aufgerissen, er
schmerzte bald wie unter einer entsetzlichen
Verkühlung, aber ich produzierte nicht die
10
kleinste Sputummenge. Aber hatte ich nicht den
hohen ärztlichen Befehl erhalten, Sputum zu
produzieren? Das Labor wartete auf mein Sputum,
alles in Grafenhof schien auf mein Sputum
zu warten, aber ich hatte keines; schließlich
hatte ich den Willen, Sputum zu produzieren,
nichts als diesen Willen, und ich versuchte mich
in der Kunst des Spuckens, indem ich alle Arten
von Auswurferzeugung neben und hinter und
vor mir studierte und selbst probierte, aber ich
produzierte nichts außer immer größere Halsschmerzen,
mein ganzer Brustkorb schien entzündet.
In Anbetracht meiner leeren Spuckflasche
hatte ich das bedrückende Gefühl,
versagen zu müssen, und ich steigerte mich
mehr und mehr in einen absoluten Auswurfswillen,
in eine Auswurfshysterie hinein. Meine
kläglichen Versuche, Auswurf zu produzieren,
waren nicht unbeobachtet geblieben, im Gegenteil,
hatte ich den Eindruck, daß die ganze Aufmerksamkeit
aller Patienten auf diese meine
Versuche, Auswurf erzeugen zu können, gerichtet
war. Je mehr ich mich in meine Auswurfshysterie
hineinsteigerte, desto verschärfter war
die Beobachtungsstrafe meiner Mitpatienten,
sie straften mich unaufhörlich mit ihren Blicken
und mit umso größerer Auswurfskunst, indem
sie mir von allen Ecken und Enden aus zeigten,
11
wie man spuckt, wie die Lungenflügel gereizt
werden, um ihnen den Auswurf zu entziehen,
als spielten sie schon jahrelang auf einem Instrument,
das ihr ureigenes geworden war im
Laufe der Zeit, auf ihrer Lunge, sie spielten auf
ihren Lungenflügeln wie auf Saiteninstrumenten
mit einer Virtuosität ohnegleichen. Hier hatte
ich keine Chance, das Orchester war in beschämender
Weise aufeinander eingestimmt, sie
hatten ihre Meisterschaft schon so weit getrieben,
daß es unsinnig gewesen war, zu glauben,
mitspielen zu können, ich konnte an meinen
Lungenflügeln zerren und zupfen, wie ich
wollte, ihre teuflischen Blicke, ihr perfider Argwohn,
ihr schadenfrohes Gelächter zeigten mir
unaufhörlich meinen Dilettantismus, mein Unvermögen,
meine unwürdige Nichtkunst. Die
Meister in ihrem Fache hatten drei bis vier
Flaschen Auswurf neben sich, meine Flasche war
leer, ich schraubte sie immer wieder verzweifelt
auf und enttäuscht wieder zu. Aber ich mußte
spucken! Alle forderten es von mir.

aber ich mühte mich umsonst ab, ich produzierte
kein Sputum, ich spuckte und spuckte,
aber meine Spuckflasche blieb leer. Tagelang
hatte ich den Versuch gemacht, etwas in die
Flasche zu spucken, es gelang nicht,

Das wäre ja genau das, was du auch in meinem Text kritisierst. Ich finde allerdings dass genau daran ein großer Reiz der bernhardschen Prose liegt.
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Re: Das Testament

Beitragvon Struppigel » Mo 28 Dez, 2009 20:13


Ja, Du hast recht. Es ist das gleiche Stilmittel, das Du verwendest und ich mag es auch bei Thomas Bernhard nicht. Bei ihm ist es für mein Empfinden nur weniger langweilig, sondern eher nervig, wie er mit den immer gleichen Litaneien auf derselben Stelle rumtrampelt. Aber deswegen meinte ich, dass Du auf andere Kritiken warten solltest. Offensichtlich ist das Geschmackssache.

Viele Grüße
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Re: Das Testament

Beitragvon cube » Di 29 Dez, 2009 13:01


hi mando, ich an struppigels stelle hätte angesichts deiner antwort in die tastatur gebissen: konkret angesprochene textstellen und ihre kritik, die sich nicht nur auf wortwiederholungen bezieht mit einem globalen "das hätte von bernhard sein können" zu beantworten... tote schriftsteller als schutzschild missbrauchen? verdammt, nein!

Mo,- n eier sprache die authentisch ist, eine schriftsprache die eben ein wenig wie gesprochen wirkt, bei der sich ene betonung mitlesen lässt, so wie bei bernhard;


schriftsprache wirkt nicht wie gesprochen, sie wird gelesen, selbst wenn sie vorgelesen wird, bleibt sie etwas anderes: literatur eben.

Mo,- bernhard hat allerdings einige vorteile; er weiß natürlich das mittel der wiederholung zu nutzen, er ha etwas intressantes zu erzählen


anders gehts nicht, das drumherum sollte umso mehr zu bieten haben, damit der leser weiterlesen muss... dann wird die wiederholung ins leserhirn gepresst... angenehm ists nicht, aber beeindruckend.

seines biblischen (welchen edengarten sonst?) Garten Edens besonders zu begeistern oder ein tatsächliches Interesse an den Gebärden ? und Klängen der Vögel


empfindsamen (höchstens empfindlichen) und seltenen Sittichen und Aras


da wurde ich wirklich wütend
klingt an der stelle infantil.

Ich war jetzt wirklich in Rage und ich schimpfe auf
:D ja, macht ganz den eindruck. hm, mit dem satz willst du dem leser den monolog schmackhaft machen. also wenn der vater die söhne zu sich ruft, um zu sehen, ob nicht doch einer eier hat, dann könnte er sie beispielsweise herabsetzen oder herausfordern, auf vorwürfe selbstüberhebend reagieren (wie es zu deiner charakterisierung vielleicht passte), widerworte geben... irgend etwas, das die situation glaubwürdiger und den text durch die möglichkeiten des dialogs dynamischer machte.

Seine Firma ruinierte ich innerhalb von zwei Jahren, allerdings ohne das zu wollen. Ich mach halt einfach nicht so besonders viel richtig.
ich weiß nicht, klingt zwar schon ganz gut - du warst dem echten ende dieser geschichte auf der spur - , aber so richtig passts noch nicht.

Ich sagte ihm außerdem, das er mit der Zeit, die ihm gegeben war, nichts anzufangen gewusst hatte und dass es damit wohl ziemlich vermessen wäre, zu glauben, dass er mit der Zeit, die ihm nicht gegeben worden war, anders gewesen wäre.
gut, gefällt mir. (trotzdem:) ich bin mir aus dem stehgreif nicht ganz sicher wie es im einzelfall richtigerweise heißen müsste, aber wenn du etwa schreibst "ich sagte" sollte das nachfolgende in indirekter rede stehen.

übrigens habe ich die geschichte gerne gelesen, sogar beim zweiten mal wurde sie nicht lang, da steckt einiges drin, das mehrfache betrachtung lohnt, sie gefällt mir.

allseitige grüße
cube
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Re: Das Testament

Beitragvon Mando » Di 29 Dez, 2009 14:01


[quote="cube":1ygld7jy]hi mando, ich an struppigels stelle hätte angesichts deiner antwort in die tastatur gebissen: konkret angesprochene textstellen und ihre kritik, die sich nicht nur auf wortwiederholungen bezieht mit einem globalen "das hätte von bernhard sein können" zu beantworten... tote schriftsteller als schutzschild missbrauchen? verdammt, nein!
[/quote]
hi cube,
meine Reaktion war vielleicht ne Spur zu patzig. Als Schutzschild war der Verweis auf Bernhard allerdings nicht unbedingt gedacht. Wollte damit eher aufzeigen, was ich mit dem Text versucht habe und wie ich auf die ganzen Wiederholungen gekommen bin: ausgiebige Bernhardlektüre vor der Nacht, in der der Text entstand. Die Wiederholungen sind für mich auch ne Art Experiment, das ich eigentlich als recht vielversprechend empfunden habe, das aber offenbar noch nicht die Wirkung entfaltet, die ich mir versprochen habe. Werde den Text nochmal überarbeiten, insbesondere was die Füllwörter angeht, die ich inzwischen auch als eher störend empfinde, werde aber an der Grundmachart wohl nichts ändern, weder was die langen Schachtelsätze angeht, noch was den inhaltlichen und sprachlichen Rückgriff auf bereits verwendete Bilder angeht.

Ich war jetzt wirklich in Rage und ich schimpfe auf
:D ja, macht ganz den eindruck. hm, mit dem satz willst du dem leser den monolog schmackhaft machen. also wenn der vater die söhne zu sich ruft, um zu sehen, ob nicht doch einer eier hat, dann könnte er sie beispielsweise herabsetzen oder herausfordern, auf vorwürfe selbstüberhebend reagieren (wie es zu deiner charakterisierung vielleicht passte), widerworte geben... irgend etwas, das die situation glaubwürdiger und den text durch die möglichkeiten des dialogs dynamischer machte.


Hm, also die Entkräftung des Vaters sollte an diesem Punkt schon spürbar sein. Hab an dieser Stelle bewusst ne Wutrede voller Anschuldigungen und kein echtes Streitgespräch gewählt.

Firma ruinierte ich innerhalb von zwei Jahren, allerdings ohne das zu wollen. Ich mach halt einfach nicht so besonders viel richtig.
ich weiß nicht, klingt zwar schon ganz gut - du warst dem echten ende dieser geschichte auf der spur - , aber so richtig passts noch nicht.[/quote]

Geht mir auch so. Vielleicht fällt mir noch was Besseres ein.

übrigens habe ich die geschichte gerne gelesen, sogar beim zweiten mal wurde sie nicht lang, da steckt einiges drin, das mehrfache betrachtung lohnt, sie gefällt mir.

allseitige grüße
cube


Dank für deine Anregungen

Gewinnmaximierung,Absatzmarkt und Börsennotierung lassen aber wieder auf etwas bildung der figur schließen, so gesehen ist die spache also nich duchdacht, nicht konsequent usw


das stimmt, ist aber ein Markenzeichen vieler meiner Protagonisten, die teils ohne die genaue Bedeutung immer wieder Fachterminie aus der Wirtschaft oder dem Finanzwesen benutzen. Gehört zum Konzept. Alle Protagonisten agieren und denken widersprüchlich und inkonsequent und drücken sich auch dementsprechend aus. Das Wesen des Menschen ist heute für mich auch tatsächlich nicht gefestigt, niemand steht zu seinen Grundsätzen. Der Ich-Erzähler verachtet den Lebensentwurf seines Vaters und tritt am Ende doch in dessen Fußstapfen. Er kommt in der Absicht, sich mit seinem alten Herrn zu versöhnen, schreit ihn dann aber nur an.
Mit der Monotonie verhält es sich ganz ähnlich. Da steckt bei mir auch immer der Versuch drin unsere Moderne genau durch ihre Eigenarten sprachlich zu charakterisieren. Insbesondere bei Geschichten, die sich um die Arbeit drehen, wird das fast ins Absurde gesteigert. Da soll auch beim Lesen durchaus fast sowas wie Ungeduld und Wut entstehen. Darauf hatte ich es in dieser Geschichte allerdings nicht abgesehen.
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Re: Das Testament

Beitragvon cube » Di 29 Dez, 2009 20:09


ausgiebige Bernhardlektüre vor der Nacht, in der der Text entstand. Die Wiederholungen sind für mich auch ne Art Experiment, das ich eigentlich als recht vielversprechend empfunden habe, das aber offenbar noch nicht die Wirkung entfaltet, die ich mir versprochen habe


ich finde das experiment hält schon ein bisschen von dem, was du dir versprochen hast. dieses forum dürfte auch nicht der schlechteste ort für die geschichte sein: hier scheint es einige freunde bernhard'scher prosa zu geben. mich inspiriert die auch, vor allem seine kurzprosa ist ergiebig.

werde aber an der Grundmachart wohl nichts ändern

ne, wieso auch...

Hm, also die Entkräftung des Vaters sollte an diesem Punkt schon spürbar sein. Hab an dieser Stelle bewusst ne Wutrede voller Anschuldigungen und kein echtes Streitgespräch gewählt.


ja, vielleicht passte ein dialog nicht zu der atmosphäre, kann sein.
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Re: Das Testament

Beitragvon cube » Sa 02 Jan, 2010 17:43


wo willst du da, wie, was für welche Grenzen ziehen?

ganz einfach, Mo, auf der einen seite die gesprochene sprache, auf der anderen ihre literarische entsprechung.

dann darf das ebenso Literatur sein und nicht jur das es wird eine Arbeit sein die eigenarten des Sprechens eins zu eins abbildet

man kann wirklichkeit nicht eins zu eins abbilden, es wird immer eine übertragung sein, wie bei einer übersetzung, man kann sich annähern, das ist alles. eine gelungene annäherung ist viel.

kannst du schlecht allgemeingültig verneinend darüber urteilen.

in dem fall kann ich das, liest du doch.

und diese kann sich so an Sprache orientieren wie sie gesprochen wird.

orientieren, genau.

falls nich schreib mir eine PN oder wir debattieren das in einem anderen Faden weiter.


wenn du unbedingt möchtest...

(grüße)
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Re: Das Testament

Beitragvon cube » Sa 02 Jan, 2010 23:19


ich sagte - und daran hast du dich aufgehangen:


ich habe nicht mich aufgehangen, sondern dein statement.

natürlich steckt da ein butterweiches wie drin, aber trotzdem flutschte das nicht durch, was mir ein paar zeilen wert war, dabei hätt ichs bewenden lassen - aber durch die eins zu eins abbildung erhärtete sich der verdacht. :D

(das is dan nicht das selbe, ja sicher natürlich nicht - aber es gibt meine text eine gewise wirkung, persönlichkeit und eine dynamik des sprechens.)


ja, das meinst du ja die ganze zeit, nicht? natürlich haben stilmittel irgendeine wirkung, schwupps: da ist unser verdammter konsens.

viele grüße
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