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Pamphlet eins

Beitragvon Ruelfig » So 19 Sep, 2010 23:04


Wir haben den Feind erkannt, benannt, wir wissen, wie er geht, wo er steht und wir lassen nicht mehr locker, Pitbullgleich verstärken seine Schläge unsern Biss, wir gehen auf die Kehle. Und wer nicht mit uns kämpft, der ist verdorben, kein Standpunkt ist zu radikal, um solchem Übel zu begegnen. Der mit dem Teufel kämpft, wie kann er sich als Heiliger verkleiden, er braucht das rechte Rüstzeug für die letzte Schlacht. Gewinnen wir, so wollen wir beginnen mit der Säuberung, ins letzte Glied zurückgeschnitten bis aufs Mark gehört die Fäule ausgemerzt. Lang lebe der Terror gegen die Feinde der Völker, ist er nichts anderes als Ausdruck höchster Liebe zur Reinheit der Idee. Denn schließlich steht im Buch geschrieben, was erlaubt ist, was verboten und alles, was sich dem entgegenstellt, das muss vergehen. Es wehen Fahnen der Gerechtigkeit im Wind, der plötzlich dreht ins Angesicht der Frevler und falsche Tempel bersten in den Staub, aus dem wir die Geschichte schreiben werden. Nur wer sich selbst vergibt, der kann die Missetäter richten.
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Re: Pamphlet eins

Beitragvon rivus » Do 23 Sep, 2010 22:57


hallo rolf,
eine dicht geschriebene kampfschmäh. der feind ist so gut wie kehlen-tot. der steckbrief ist digitalisiert, differenziert, individualisiert. bewegungsmuster, lieblingsorte, kamptechniken qualifizieren ihn zum feind. das gesicht, der typus kann sich wehren wie er will, der pitbullbiss ist erbarmungslos. je mehr er sich windet, um so fester ist die kehlenwürge.

von der würge bis zum durchbiss ist es nicht mehr weit. mit dieser machterfahrung kann nun alles, auch mit dünnbiss, dünnschiss verteufelt werden. im übelsten schmäh wird alles platt gemacht, ausgemerzt, hochgelobt. der terror gegen jegliche feinde der völker wird hochstilisiert zum glaubenskampf, zum höchsten menschengut, zur verteidigung der liebe zu den völkern.

die kampffibel rechtfertigt das vergehen, das vergehen von allem, auch der glaubenssätze, der tempel, der frevler, der umgeschriebenen geschichten. die fahnen der gerechtigkeit vergehen im angesicht der klaren drehmomente. wer ist missetäter?wer ist misseopfer?

ein pamphlet für buchgetreue, blutbesudelte richtende, die sich selbst vergeben werden. ach, es riecht übel nach antikultur, nach gulags, nach ausrottung. die zivilisationshaut wird transparenter. (riefenstahl verliert ihre blauäugigkeit ...)

lg, rivus
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