[Kreatives Schreiben 2] Welt ohne Farben für den Menschen

Beitragvon Amise » Di 26 Mai, 2009 21:33


Klein-Kipsi sitzt da, grübelt und brummelt. „Was ist denn mein Herzele?“ tönt's vom Sofa her. „Hubi hat zu Babs g'sagt, was wäre wenn der Mensch Farben nicht wahrnehmen kann. Und Babs meinte, dass der Mensch dann farbenblind wäre. Was heißt Farben wahrnehmen und farbenblind?“ „Nun, das bedeutet, dass du dein rotes Jäckchen nicht rot siehst und deine schwarzen Schuchen nicht schwarz“. „Und wie sind sie dann?“ „Ohne Farbe“. „Aber wie sehen sie dann aus?“ „Ja, wie sehen sie dann aus? Hm, ja -, wie – schaut farblos aus, grau oder bläulich …? Luft sieht manchmal leicht grau, manchmal bläulich aus, nicht war Schatz?“

„Ja, aber leicht grau und bläulich sind auch Farben und somit ist die Frage eine dieser zahllosen unbeantwortbaren. Alle Menschen wären wie blind, wenn sie keine Farbe wahrnehmen könnten, denn sie würden nichts wahrnehmen, außer Konturen vielleicht.“ „Wenn Menschen was wahrnehmen, ob in der Luft oder auf einem Unter- bzw. gegen einen Hinterrund, dann unterscheidet dieses Was sich von der Luft bzw. dem Grund mit einem Farbton und sei es nur durch die Kontur.“

Klein-Kipsi fragt: „Was ist eine Kontur?“ „Ein Umriss.“ „Du lieber Himmel Schatz, das Kind hat doch noch nie was von einem Umriss gehört.“ „Ich erklär's ja schon!“ Also ein Umriss ist …; schau her, ich zeichne dir einen Umriss von deinem Bärli Kipsi. Also, diese Kugelschreiberlinien zeigen den Umriss oder wie man auch sagt die Kontur vom Bärli.“ „Die Kontur ist aber blau, und mein Bärli ist ganz braun und nicht weiß mit blauer Kontur!“ – „Ja, Herzeli, das Bärli ist braun und der Umriss hier ist blau, weil ich keine Mine mit einer braunen Farbe habe -Mmh-pff (Küsschen).“

„ Also Schatz was würde sein, wenn wir keine Farben wahrnehmen könnten?“ „Wahrscheinlich wärst du ein Geist für mich und ich für dich, so ohne Farbe.“ „Ha, ha, ha -, du hast recht. Aber Spaß beiseite! Also ich glaube, wenn alle Menschen keine Farbe wahrnehmen könnten, dann …, nein das kann ich mir nicht vorstellen. Denn selbst wenn wir einen guten Geruchssinn, sowie Tastsinn hätten und ein fantastisches Gehör, frage ich mich doch, würde der Mensch denn existieren können und wie wäre dann das Leben heute? Zeitschriften in Blindenschrift -, und wie dann die Fotos? Hätten wir Zeitschriften überhaupt und so vieles andere? Man stelle sich nur vor ….“ „Aufhören, aufhören, das wird sonst 'ne fast Endlosdiskussion. Eine Grundfarbe und eine Unterscheidungsfarbe muss es zumindest geben. – Ja, das muss es --; obwohl - -.“ „Das berühmte Schwarz und Weiß natürlich, hm?“ „ Nein, nein, muss nicht sein, denn, das Weinglas hier ist farblos und doch sieht man's, auch wenn man's in die Luft hält. Ich bin schon mal gegen eine große Scheibe gelaufen, weil ich dachte, das ist der offene Eingang, ich hatte ihn dort vermutet, aber er war um die Ecke des alles in Glas Geschäftes; er war schwer erkennbar. Also irgendwie - hmm -, irgendwie - -.“ Klein- Kipsi wird es zu langweilig und schreit: „Wir wollten noch zu Tante Uschi geh'n!“

Und damit war es aus mit sich vorzustellen wie es wär', wenn der Mensch keine Farben wahrnehmen könnt'. Eintönig wohl auf jeden Fall, aber würde uns das stören, wenn es für uns nie Farben gegeben hätte, und von allem nur Konturen sehen könnten? Ich spinne in Gedanken den Faden weiter, bis wir gehen:

Wenn ich keine Farbe sehen könnt',
wie würd mein Tisch jetzt ausseh'n?
Jetzt ist er bedeckt mit einem farbenfrohen Tuch,
recht hübsch anzusehn.
Es liegt darauf ein gelbes Set und eine Zeitung
ziemlich bunt gestaltet.

Wie würd all dies auf mich wirken,
könnt' ich keine Farben sehn.
Die Zeitung in Blindenschrift oder sichtbar irgendwie,
und wie würden die Fotos da wohl ausseh'n?
Ein Glas steht da, das scheinbar farblos ist
und doch ist's sichtbar.

Würd' alles aussehen wie dies Glas,
durchsichtig und doch die ganze Form zu seh'n?
Wie würd das Leben sein, wenn alles so
Ton in Ton nur ist für einen?
Und wie würde ich in ein Gesicht dann sehn -;
in der Farbe, von 'nem Glas?

Wie die Augen, die Pupillen und Augäpfel sein?
Wie wären die Blicke ohne farbige Iris für uns,
kein strahlendes Blau, warmes Braun oder Samtschwarz,
Meergrün, Stahlgrau, und so weiter?
Gäb es da ein Flirten, ein tiefsinniges
oder lockendes Schau'n?

Und was ist mit der Farbe des Gesichtes,
dem Teint, der Lippen Rot, der Brauen
und der Wimpern Farbe?
Wie sähe der Mensch aus all ohne dem?
Und dann die Haare, die den Typ doch auch sehr prägen.

Da wir die Welt mit Farben nie geseh'n,
könnten wir sie vermissen, und uns sehnen danach,
die so vieles schön, ansprechend und verführerisch machen?

Wohl nicht, es sei, es käme was geflogen,
aus der Farbenwelt um uns sie so zu vermitteln,
dass die Farben in unserer Illusion wir sehn.
Was wäre dann?
Was würde der Mensch dann tun?
Amise
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