Exhumation

Beitragvon Cervantes Aurelius » Sa 15 Okt, 2011 17:14


Ist es ein Herz das pulsiert? Nein es sind die Schritte die auf den feuchten Pflastersteinen in einer Seitengasse von London ertönen. Ein Mann geht die dunkle Straße entlang, die von den Laternen matt erleuchtet wird. Sein Gang ist der eines rechtschaffenden Mannes, der einzig und allein versucht die Welt auf seine Art zu verbessern. Selbstsicher schreitet er. Sein Ziel ist nicht weit entfernt, bald hat er es erreicht. Ein Gasthaus, das kaum erkennbar im Nebel liegt. Er war noch nie dort, aber seine letzte Aufgabe liegt darin es aufzusuchen. Er steht nun davor und verweilt in seinen Gedanken. Welche Welt ihn dazu getrieben hat hier zu stehen, es überschattet seine Existenz. Die Eingangstür macht er auf und lässt sich ein Zimmer geben. Er verlangt nach Papier und Feder. Es muss genug Papier sein, denn er will nichts mehr von den Menschen danach wissen. Er richtet sich im zugewiesenen Zimmer ein. Es ist ein schlichtes, nicht mehr oder minder für den einfachen Mann geschaffen. Am Bett geht er vorbei ohne es anzusehen, denn nicht der Schlaf ist sein Verlangen. Er muss tun, wofür er gekommen ist. Den Stuhl am Holztisch rückt er sich zurecht. Er geduldet sich, bis die Utensilien eintreffen die er verlangt hat. Ein guter Mann, er hat genug Papier gebracht. Etwas zu trinken vielleicht? Nein, er muss nüchtern blieben, denn nur dann kann er seine Gedanken in präzise Worte fassen. Er nimmt Platz und taucht die Feder in Tinte. Er setzt an:



Dies sind sie letzten Worte, die ich als Untertan des Lebens verfassen werde. Der Leser dieser Worte wird mich anfangs nicht verstehen und meine Gründe noch weniger. Ich habe ein einfaches Leben geführt, dass nicht mit Besonderheiten bestückt war. Nur die üblichen Geschehnisse die man erlebt. Eine Kindheit, an die man sich am liebsten zurückerinnert. Eine Jugend, die von Unzufriedenheit geplagt ward. Eine Liebe die mich das Leben vergessen lehrte. Und letzten Endes eine Erkenntnis, die mich zu diesen Worten treibt.

Ich weiß nun nicht wo ich beginnen soll, am besten dort wo es endet. Diese Welt, für mich die Nachwelt, wird ab dem morgigen Tag nicht mehr dieselbe sein. Die alte Zeit wird durch eine neue abgelöst. Sie wird untergehen und in Vergessenheit geraten. Doch bevor es soweit ist, müssen die Gründe aufgedeckt werden. Denn ansonsten wird es lediglich als eine Repetition der Geschichte angesehen.

Diese Welt in der wir leben ist in ihren Grundzügen einfach aufgebaut. Das Leben ist an sich keine Schwierigkeit, doch sind es die Menschen, die es zu einer unmöglichen Aufgabe verändern. Jeder einzelne Mensch, der von seinen Bedürfnissen und Wünschen geplagt ist, sucht sein eigen Wohl, und achtet nicht auf den nächsten.

Nur wenn es vielleicht eine Überschneidung in diesen gibt, wird Rücksicht genommen. Der Mensch ist in seinem Fundament als Egoist aufgebaut. Daran kann er nichts ändern.

Er kann die besten Absichten besitzen, sich stets für das Wohl anderer einzusetzen, doch verbleibt es lediglich bei einem Versuch. Ein kümmerlicher noch dazu.

Denn auch wenn die Intentionen sehr erhaben erscheinen, muss man die Hintergründe bedenken, weshalb der Mensch seine Taten verfolgt.

Einzig und allein für sein eigenes Interesse. Interessen können sich sehr wohl überschneiden, dann kommt es zu einer Übereinkunft, um sie zu verflogen auf die Kosten anderer.

Doch wenn sie erst einmal erreicht sind, gibt es keinen Grund die Zusammenkunft weiter aufrecht zu erhalten. Ein Verrat wird begangen. An dem Menschen der einem nahestand.

Natürlich, wie sollte es auch anders sein. Denn, die Menschen fallen einem zur Last. Sie wollen nicht helfen. Sie tun nur als ob. Vortreffliche Schauspieler sind sie.

Sie spielen in dem Stück, welches sich Leben nennt ihre zugewiesene Rolle und verlassen die Bühne nicht. Denn sie besitzen Furcht, jedoch keine Demut.

Es ist die Angst, die ihnen nicht erlaubt, dem Publikum ins Gesicht zu sehen. Sie erblicken es nicht. In dem Schein der auf sie fällt, erblinden sie. Doch dieser Schein ist es eben auch, der sie im Licht glänzen lässt.

Er erlaubt ihnen Dinge zu vollbringen, weil sie den Rest der Menschheit nicht sehen können. Wohin sie führen, das frage ich mich. Sie können doch etwas Gutes vollbringen, aber dann nur durch Zufall. Was interessiert die Nachwelt, mit welcher Absicht die Taten vollbracht wurden. Es zählt nur, dass sie geschehen sind.

So, der Mensch ist für seine Umwelt blind und seine Taten geschehen in diesem Zustand. Aber wenn das nicht genug wäre?

Wie er seine Mitmenschen behandelt, auf ihre Kosten mit ihnen verhandelt, und letztlich ihr Leben verschandelt. Diese Fähigkeit, ist eine seiner Stärken.

Unbewusst, oder bewusst mischt es sich ein, und versucht die anderen Menschen für seine Gunst zu beeinflussen. Keine Rücksicht besitzt der Mensch. Er gibt nur vor, welche zu haben, aber das gehört zu den Regieanweisungen. Denn der Mensch erfindet seine Existenz, sein Dasein durch seine Mitmenschen. Er kann nicht alleine existieren. Es scheint ihm unmöglich.

Alles was er ist, ist er weil die anderen sagen dass er es ist. Die anderen bilden sich eine Meinung, und die eigene basiert darauf. Weil sich der Mensch dessen bewusst ist, strebt er nach Anerkennung, nach Bestätigung, für seine eigene Existenz.

Denn ohne dem, wäre das Leben nicht lebenswert, mehr noch, es gäbe keinen Grund zu existieren, weil man nicht weiß, ob man überhaupt existiert.

Also setzt der Mensch alles daran, einen Beleg für das eigene Sein zu finden. Wie stellt er das nun an? Mit allen Mitteln die ihm Recht sind. Durch Täuschung und Verlogenheiten. Diese Methoden sind in keinster Weise zu verurteilen, denn sie geschehen um eine fundamentale Frage zu beantworten. Und wenn dies der Fall ist, gibt es keine Moral.

Wenn er ihn nun erlangt hat, diesen Beweis, kann er nur zwei Wege gehen. Entweder vergisst er, weshalb er es überhaupt wollte und vereint sich mit der Umwelt und den Mitmenschen.

Die Folge ist eine humane Synthese. Das Ergebnis ist ein Philanthrop.

Oder er besinnt sich auf seine ursprünglichen Gründe.

Weiß er noch, weshalb er sich auf die Mitmenschen eingelassen hat und erkennt welchen Nutzen er aus ihnen gezogen hat. Und alles was einen Nutzen mit sich führt, ist lediglich ein Zweck. Und wenn dieser erfüllt wurde, gibt es keine Gründe mehr, weshalb der bestätigte Mensch sich weiterhin mit ihnen beschäftigen sollte. Die absolute Rückkehr zu sich selbst, da andere Menschen keine Brauchbarkeit mehr erfüllen. Die resolute Vereinsamung ist die Konsequenz. Mit der Folge, dass die Außenwelt den Gedankengang nicht nachvollziehen kann. Das Verständnis bleibt auf der Strecke und verhungert.

Also durch die Anpassung, welche die meisten Menschen verfolgen, erfolgt eine Gleichschaltung des Denkens und des Handelns.

Eine sogenannte Gesellschaft entsteht, in der die Bedürfnisse aller Menschen zum Großteil gedeckt werden. Man versucht danach zu streben, was der andere besitzt und es zu übertreffen. Dadurch entsteht natürlich Ehrgeiz. Ob dieser erstrebenswert ist, oder nicht, darüber urteile ich nicht. Vielmehr ist es der Grund dafür, weshalb, der Mensch das Unmögliche erschaffen konnte. Er strebt nach Dingen, die nicht im Bereich des Möglichen erscheinen. Und der Ansporn ist der Mitmensch.

Die Folge davon kann eine Kreation sein, oder die Zerstörung. Meistens ist es die Zerstörung, denn der Mensch ist ein Lebewesen, das eigentlich nicht existieren dürfte. Jedes andere Geschöpf ist im Einklang mit seiner Umwelt. Doch nicht so der Mensch.

Es ist nicht von Bedeutung welches Wesen es ist, aber es lebt weil es nimmt. Und das Ergebnis ist, dass es weiterleben darf, aber es gibt zurück. Der Mensch nicht. Er nimmt nur und ist destruktiv. Er kann nur weiterleben aufgrund des Todes anderer. Das ist der Grund weshalb der Tod verdrängt wird. Sie möchten nicht den ungeheuerlichen Grund für ihr Leben ergründen. Dieser ist zu fatal.

Für sein eigenes Wohl beutet der Mensch aus, aber es ist nicht sein Fehler. Er wurde so erschaffen, er trägt keine Schuld. Diese Ausbeute führt mit der Zeit zu einer totalen Zerstörung der Umgebung, in die jedes Lebewesen eingeschlossen ist.

Dabei übt er sich nicht in Rücksicht, den das ist ihm unbekannt. Er kann es gar nicht, denn dann würde seine Existenz zum Scheitern verurteilt sein.

Die Behandlung des Mitmenschen erfolgt nicht ohne Grund mit einer rücksichtslosen Schande. Der Mensch sieht einen anderen Menschen. Er nimmt ihn wahr.

Mit seinen Sinnen, und verlässt sich auf nur diese. Jedoch täuschen ihn die Sinne. Noch mehr, die Vereinigung der Wahrnehmung mit der eigenen Auffassung erfolgt verfälscht. Zuerst ist die Wahrnehmung getäuscht, denn jeder Einzelne besitzt eine andere. Deshalb kann es keine Überstimmung der Wahrheiten und Auffassungen über die Welt geben.

Dann ist die eigene Gedankenwelt in ihrer Art so komplex, dass bei der Verschneidung der zwei Welten eine Reduktion stattfindet.

Der Mensch nimmt die anderen so auf, wie er es will. Und das gilt für alle Menschen. Die gegenseitige Wahrnehmung basiert auf falschen Annahmen. Jeder sieht das, was er sehen will. Das ist vollkommen natürlich. Aber dadurch ist die eigene Meinung ein Produkt von vorangegangen Erlebnissen. Wahrheiten für die gesamte Menschheit entstehen. Wenn der Mensch auf diese Art aufgebaut ist, wird er demnach handeln, denken sie sich. Die Folge sind Vorurteile, die so akribisch fundiert werden, dass kein Platz für neue Erkenntnis mehr vorhanden ist. Die Auffassung wird in eine Richtung gewiesen und kann nicht mehr von einem anderen Standpunkt gesehen werden. Daraus folgt die Annahme der Gewissheit über andere Menschen. Intoleranz entsteht und die feste Überzeugung, dass die eigene Wahrheit fehlerlos sein muss. Aber hier liegt der Fehler zu Grunde, weil gerade jeder Mensch unterschiedliche Auslegungen besitzt, kann keine Übereinstimmung mit dem Mitmenschen erflogen. Lediglich die Hoffnung auf Ähnlichkeiten kann bestehen.

Über der Wahrnehmung und der eigenen Meinung streckt sich ein Verlangen hinaus. Das Begehren des Menschen nach Geborgenheit. Er verlangt sie nicht nur, wenn es sein muss fordert er sie. Denn das ist ein Grundrecht des Menschen. Wenn es ihm verwehrt wird entsteht Unzufriedenheit und dem liegt der Hass zugrunde. Alle Menschen wollen nicht nur Bestätigung sondern ebenso die Nähe. Diese kann unterschiedlich definiert sein. Es kann die bloße Mitteilung zum anderen Individuum sein, bis hin zur vollkommenen Verschmelzung.

Diese Vereinigung kann nur erfolgen, wenn die Bedürfnisse des Einzelnen nicht nur übereingestimmt werden sondern zurückgenommen. Das Verlangen opfern, bedeutet es.

Wenn es funktioniert, erhält man etwas, dass so erhaben in seiner Vielfalt ist, dass man sich denkt ob man es überhaupt wert ist.

Doch hier, versucht der Mensch wieder einen Zweck zu finden. Was tut er? Er versucht die entstandene Nähe zu belegen. Einen Grund dafür zu finden.

Die Folge von der Erreichbarkeit eines anderen Menschen sind Emotionen. Der Mensch hat dieses Wort definiert, um sich erklären zu können, weshalb er nun die Nähe sucht.

Und sie kommen ihm sehr gelegen, denn Gefühle können als Ausrede benutzt werden. Sie erfüllen in dem Sinne sehr gut ihren Zweck. Ein Vorwand für die Schwäche die man zeigt wenn man sich einem Menschen nähert.

Nichts desto trotz gibt es nichts was dem Menschen eine Erfüllung geben könnte, außer die Symbiose mit einem Mitmenschen. Es ist die einzige Möglichkeit dem Dasein als zerstörerisches Wesen auszuweichen. Denn nur dann kann der Mensch eine Beziehung mit einem Individuum aufbauen in der eine Gleichberechtigung der Bedürfnisse herrscht.

Ein Gleichgewicht entsteht und der Mensch muss nicht mehr über seine schreckliche Existenz nachdenken. Es gibt keine Fragen mehr in diesem Zustand. Und die Antworten sind gegeben.

Weit darüber hinaus tendiert der Mensch dazu, seine eigene Realität zu erschaffen. Er erfindet Wörter mit der er Dinge benennt, Erklärungen für Sachverhalte und Modelle für Weltanschauungen. Dabei kann es nicht, wie geschrieben, zur einer Übereinstimmung kommen. Hier setzt auch die Zwietracht zwischen den Menschen an.

Menschen töten Menschen für Kleinigkeiten. Abgesehen vom Willen zu Überleben, mit dem man diese Tat rechtfertigen könnte. Gibt es weit weniger Gründe für den Menschen andere auszulöschen.

So der Glaube, Grenzen und Güter. Dafür töten Menschen. Hier finden sie ebenfalls Ausflüchte und Argumente, weshalb es sein musste. Lediglich durch die eigene Auffassung bewiesen. Denn diese Tat, kann man nicht für die gesamte Menschheit abgleichen.

In der eigenen Realität findet sich die Wahrheit immer leichter, als beim Lügner. Sie verurteilen andere Menschen, weil sie kein Verständnis zeigen, oder es nicht können.

Dafür gehen Weltreiche unter, dafür stirbt ein Vater der seine Familie beschützen will. Und all das, nur weil sie nicht einsehen wollen, was sie für ihr Glück brauchen.

Es nicht so, dass sie es nicht wissen, das tun sie sehr wohl. Und deshalb ist es ein noch größerer Frevel des Menschen. Mit einer Gewissheit, eine falsche Tat begehen.

Weshalb werden Kriege geführt? Weshalb werden die Menschen unterteilt und reduziert und deswegen anders behandelt. Ob es nun Privilegierte oder Untertanen sind. Es darf keine Aufteilung der Menschen erfolgen, vor allem und überhaupt nicht von derselben Gattung.

Denn jeder Mensch ist in seiner schäbigen Existenz gleichberechtigt. Ein jeder strebt nach denselben Gründen für das eigene Leben, deswegen kann und darf keine Deklassierung existieren.

Und wenn die Erniedrigung ihren Höhepunkt erreicht hat, weil sich ein paar wenige Menschen über alle gestellt haben und von denen unter ihnen verlangen ihre Auffassung teilen zu müssen, ist eine Wende von Nöten.

Ich schreibe von der Notwendigkeit eines Umsturzes, damit ein Gleichgewicht herrscht. Dadurch kann ein jeder seinen Standpunkt neu manifestieren.

Vor allem, da die Geschichte dazu neigt zu vergessen. Die Taten der Väter und Großväter geraten in Vertilgung. Ob es nun schändliche oder heldenhafte waren. Deswegen muss man die Menschen daran erinnern.

Wieder und wieder, es ist die Pflicht all jener, die nicht vergessen können. Die wissen zu welchen Rechtsbrüchen der Mensch in der Lage ist.

Für das Wohl der Menschheit.

Allein für seine Überzeugung stirbt der Mensch.


4.November 1605
Guy Fawkes
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Re: Exhumation

Beitragvon Corazon De Piedra » So 16 Okt, 2011 13:05


Hallo,

ich verstehe das nicht ganz. Du nennst den Text "Ausgrabung".
Ist das nun ein Text von dem britischen Terroristen, den du ausgegraben hast, und steht deshalb sein Name darunter?
Oder ist Text von dir? Oder ein Teil?

Und warum veröffentlichst du einen Text in der Schreibwerkstatt ohne irgendeine Erklärung, welcher Reparatur er bedarf?

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