30min KG

Beitragvon Garfield » So 14 Sep, 2008 20:01


Dies ist eine erste Variante, unter dem folgendem Link findet man die überarbeitete:
[url:ndk2fe27]http://literatur-forum.info/viewtopic.php?f=66&p=2364#p2364[/url]

Diese Geschichte habe ich für den heutigen 30min KG-Wettbewerb geschrieben (Thema: spanische Gittarren ?( ), der jedoch, weil ich der einzige war, ausfiel. Nun überlge ich ob ich die Geschichte überarbeiten soll, um sie zu einer richtigen KG zu machen.
Also hätte ich gerne Tipps, Anregungen und Bewertungen zum bisherigen Stand.
Übrigens, einen Titel gibts auch noch nicht^^



Tonnen losen Sandes wirbelte mein Truck auf, als ich mit hohem Tempo die öde Gegend an mir vorbeifliegen lies. Durch die klappernden Türen drang das gelbe Zeug auch ins innere des Wagens und bedeckte fast Zentimeter hoch den Boden. Dennoch hatte sich dieses Auto als überraschend zuverlässig erwiesen und ich wollte es nicht missen. In der Ferne sah ich eine kleine Hütte. Als ich näher kam bemerkte ich, dass ein Mann davor auf dem Boden saß, den Rücken an die Wand gelehnt. Er trug einen Poncho und eine Sombrero gegen die Hitze, auf seinen Knien lag eine Gitarre, deren Seiten er müde zupfte.
Ich bremste ab und hielt direkt neben ihm.
Nachdem ich mein Fenster runtergekurbelt hatte rief ich:
„Ich suche jemanden. Er ist Europäer wie ich, trägt wahrscheinlich einen schlecht sitzenden Anzug und fährt einen roten Ford. Haben sie so einen gesehen?“
Der Mann reagierte nicht und schaute nur auf seine Gitarre.
„Ich wäre auch bereit für diese Information zu zahlen!“
Erstmals schaute der Kerl auf. Seinen dunklen Augen, die seinem wettergegerbten Gesicht noch mehr Ausdruck verliehen, sahen mich belustigt an.
„Und was hast du mit dem Mann vor, wenn du ihn findest?“
Ich überlegte kurz, entschied mich dann aber dafür die Wahrheit zu sagen.
„Ich werde ihm heimzahlen was er mir angetan hat!“
„Na dann“, erwiderte der Andere nur, legte seine Gitarre beiseite und stand auf.
„Komm mit, ich will dir etwas zeigen.“
Ich stieg aus und folgte ihm. Gemeinsam gingen wir um das Haus herum. Völlig überrascht erblickte ich einen roten Ford. Ich wollte eine Frage stellen, doch er schnitt mir mit einer Handbewegung das Wort ab.
Auf der Hinterseite des Hauses gingen wir durch eine Tür, hinter der eine Treppe in einen Keller führte.
Ohne sich umzusehen schritt der Kerl die Treppe hinab und nach kurzen zögern folgte ich ihm. Unten befand sich ein dunkler Raum, in den kein Licht drang. Hilflos stand ich dort und wartete, das er Licht machte.
Doch als endlich eine Glühbirne unter der Decke zu leuchten anfing, stieß ich einen entsetzten Schrei aus.
Mit den Händen an die Decke gekettet hing dort der Mann den ich gesucht hatte.
Er war nackt und sein ganzer Körper war blutüberströmt und mit Blutergüssen, die von Schlägen herrühren mussten, bedeckt. Es fehlten ihm mehrere Finger und Zehen, ein langer, grässlicher Schnitt zog sich von seinem Hals bis zu seinen Genitalien. Glücklicher weise atmete er nicht mehr. In meinem Entsetzten bemerkte ich doch, dass sein Gesicht vollkommen unangetastet war.
Plötzlich wurde mir schlecht und ich erbrach mich auf den Fußboden.
„Was hast du?“, fragte der Mann der mich hier runter in das Grauen geführt hatte, „War es nicht das was du wolltest? Es ihm heimzahlen, ihn büßen lassen, ihn foltern und schließlich töten!“
„Nein...Doch...Oh mein Gott“, stammelte ich und übergab mich ein zweites Mal.
„Sei froh dass ich es getan habe, du hättest es nie fertig gebracht und wenn doch hätte es dich zerstört! Du solltest mir dankbar sein.“
Fassungslos starrte ich ihn an. Rückwärts ging ich zur Tür, doch er blickte mich nur wieder belustigt an.
„Ich bin frei, verstehst du?“, rief er mir nach, als ich so schnell meine Beine mich trugen die Treppe hoch rannte.
Kurz, er bewies eine Geduld, vor der die hölzern-gleichmütige Geduld des Deutschen, die ja auf dessen langsamer, träger Blutzirkulation beruht, einfach gar nichts ist.
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Re: 30min KG

Beitragvon Orange » Di 16 Sep, 2008 17:35


Hi!
Irgendwie sehe ich keinen Bezug zum Thema "spanische Gitarre". Liegt das an mir?
Ein paar Anmerkungen zu deinen Formulierungen:
"Tonnen losen Sandes wirbelte mein Truck auf, als ich mit hohem Tempo die öde Gegend an mir vorbeifliegen lies"
Irgendwie finde ich den Satzbau komisch, außerdem glaube ich meinst du ließ und nicht lies von lesen, oder?

"ich wollte es nicht missen"
Irgendwie ist es klar, dass man nicht in der Wüste ohne Auto stehen will, selbst wenn Sand drin ist. Würde ich anders formulieren

"ein dunkler Raum, in den kein Licht drang."
in den durchschnittlichen dunklen Raum dringt kein Licht

Ich würde den Unbekannten noch genauer beschreiben. Mir ist klar dass deine Geschichte eher Symbolcharakter hat, trotzdem würde ich noch einbauen wie sich der Protagonist fühlt (vlt. vorher Hass auf den Feind, dann Mitleid? Erleichterung?...)
Ich denke wenn du bei der Szene im Keller noch Gerüche einbauen würdest wäre es lebendiger und abstoßender. (z.B. oben noch Essensgeruch, dann der Geruch von Blut...) Kann man ja auch gut einbaue bevor das Licht angeht. Erscheint auch die Wartezeit länger.
Vielleicht könntest du auch noch das Gesicht seines Feindes beschreiben.
Außerdem hast du ein paar Rechtschreib und Kommafehler. Solltest du dir nochmal durchlesen.
Sonnige Grüße
Orange

.
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Re: 30min KG

Beitragvon Garfield » Di 16 Sep, 2008 18:03


Danke Orange
für die Anregungen. Wie gesagt habe ich diese Geschichte in 30min zusammengezimmert, weshalb ich keine Zeit hatte Rechtschreibfehler zu korrigieren. Ich werde deine Vorschläge auf jeden Fall überdenken, das mit den Gerüchen ist eine gute Idee.

Irgendwie sehe ich keinen Bezug zum Thema "spanische Gitarre". Liegt das an mir?


War auch ein komischesThema :D rolleyes2:

"Tonnen losen Sandes wirbelte mein Truck auf, als ich mit hohem Tempo die öde Gegend an mir vorbeifliegen lies"
Irgendwie finde ich den Satzbau komisch, außerdem glaube ich meinst du ließ und nicht lies von lesen, oder?


Ja, "ließ" meinte ich.

Sonnige Grüße


Sonnige Grüße zurück! :D

Garfield
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Re: 30min KG

Beitragvon Garfield » Mi 24 Sep, 2008 16:58


Hier eine überabeitete Variante:

Ein Fluch kam über meine Lippen, als mein erneuter Versuch einen Radiosender zu finden nur mit monotonem Rauschen belohnt wurde. Vor zwei Stunden hatte mich noch herrliche klassische Musik auf meinem Weg durch diese Einöde begleitet, ehe der Empfange abbrach.
So war ich allein in dieser gottverlassenen Gegend, in der selbst die Klimaanlage meines teuren Pickups, den ich gestern gemietet hatte, nicht ausreichte um diese furchtbare Hitze zu vertreiben.
Von meinem Jackett und dem Schlips hatte ich mich bereits getrennt, doch mein weißes Hemd wollte ich nicht auch noch aufgeben. Ich hatte immer wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt.
In der Ferne bemerkte ich einen dunklen Punkt am Straßenrand, der sich einige Minuten später in die Umrisse eines Hauses verwandelte. Es kam mir vor wie eine Oase. Die letzten Stunden hatte ich nichts gesehen außer Sand, verdorrtem Gestrüpp und vereinzelten Kakteen. Die Aussicht nun ein menschliches Wesen zu treffen freute mich, außerdem konnte man mir dort vielleicht weiter helfen.
Als ich näher kam, konnte ich erkennen, dass ein Mann vor dem Haus auf dem Boden saß.
Er trug einen gestreifte Poncho in dem Rot und Weiß dominierten sowie einen Sombrero, wodurch sein ganzer Körper in Schatten gehüllt war. Auf seinen lag eine Gitarre, deren Saiten er sanft zupfte.
Ich bremste ab und hielt meinen Truck direkt neben ihm, doch er beachtete mich nicht.
„Ich suche jemanden“, rief ich ihm zu, leicht aus dem Fenster gelehnt, „er ist Europäer wie ich, trägt wahrscheinlich einen schlecht sitzenden Anzug und fährt eine weinroten Ford, einen alten Escort glaube ich.“
Der Mann zeigte mit keiner Reaktion, dass er mein Englisch verstanden hatte.
„Haben sie so jemanden gesehen?“
Er reagierte immer noch nicht und spielte weiter eine langsame Melodie.
„Sprechen sie Englisch? Ich wäre auch bereit für die Information zu zahlen!“
Endlich schaute der Kerl auf. Er hatte ein dunkles, wettergegerbtes Gesicht, dass ein schwarzer Schnauzbart zierte. Mit seinen ausdrucksstarken Augen sah er mich belustigt an.
„Was wirst du mit dem Mann anstellen, wenn du ihn findest?“, fragte er in klarem Englisch.
Ich überlegte kurz, entschied mich dann aber für die Wahrheit.
„Ich werde ihm heimzahlen was er mir angetan hat!“
„Na dann“, erwiderte der Andere nur, legte seine Gitarre beiseite und stand auf.
„Komm mit, ich will dir etwas zeigen.“
Ich stieg aus meinem Pickup und schloss ihn ab, ehe ich ihm folgte.
Gemeinsam gingen wir um sein Haus, ein einstöckiger Quader, aus Lehmziegeln erbaut, herum.
Hinten erblickte ich einen roten Ford, der leblos auf dem trockenem Boden stand. Verwundert setzte ich zu einer Frage an, doch er schnitt mir mit einer Handbewegung das Wort ab und ich ging stumm hinter ihm her.
Wir erreichten einen Schräghang, in den eine Tür mit zwei Türflügeln eingelassen war.
Der Mann öffnete das massive Vorhängeschloss auf und eine Treppe, die steil nach unten führte, wurde sichtbar.
Erstmals wurde ich misstrauisch. Warum sollte ich diesem Fremden folgen?
Doch er beachtete mich gar nicht und ging ohne zu Zögern hinunter. Einen kurzen Moment wartete ich noch, dann betrat auch ich die Treppe. Die Luft hier war angenehm kühl und je tiefer man kam, desto kühler wurde sie. Nach der drückenden Hitze draußen war das eine Wohltat. Ich schätzte, dass es über vier Meter nach unten ging, ehe man in einen dunklen Raum kam. Die Sonne spendete hier unten kein Licht mehr und unsicher starrte ich in die Schwärze. Ein unangenehmer Geruchscocktail schlug mir entgegen, ich glaubte Schweiß, Urin und sogar Fäkalien riechen zu können, zudem ein anderer Geruch, den ich nicht einzuordnen wusste.
Hilflos stand ich an der Schwelle und wartete, dass er für Licht sorgte.
Doch als endlich eine Glühbirne unter der Decke zu leuchten anfing, stieß ich einen entsetzten Schrei aus.
In dem Erdkeller, dessen Decke und Wände mit Holz stabilisiert wurden, war der Mann den ich gesucht hatte. Nackt hing er mit den Händen festgekettet an der Decke, sein Körper war mit Blutergüssen, die von schweren Schlägen herrühren mussten und blutenden Wunden übersät. Getrocknetes Blut bedeckte große teile seiner Haut.
Es fehlten ihm mehrere Finger und Zehen, ein langer, grässlicher Schnitt zog sich von seinem Hals bis zu seinen Genitalien. Unter ihm befand sich eine riesige Blutlache, vermischt mit seinen Exkrementen.
Glücklicher weise atmete er nicht mehr.
Obwohl ich nur wenige Sekunden hinsehen konnte, ehe ich mich abwandte und auf den Fußboden erbrach, erkannte ich, dass sein Gesicht vollkommen unangetastet geblieben war.
Panisch würgte ich alles hinaus was in mir war. Als ich fertig war trat der Fremde aus einer hinteren Ecke des Raumes auf mich.
„Was hast du?“, fragte er, „War es nicht, dass was du wolltest? Es ihm heimzahlen, ihn büßen lassen, ihn foltern und schließlich töten!“
„Nein...Doch...Oh mein Gott“, stammelte ich und übergab mich ein zweites Mal. Nur noch weiße Galle kam heraus, doch ich konnte nicht aufhören zu würgen.
„Sei froh dass ich es getan habe, du hättest es nie fertig gebracht und wenn doch hätte es dich zerstört! Du solltest mir dankbar sein.“
Fassungslos starrte ich ihn an. Ich musste hier weg! Rückwärts ging ich zur Treppe zurück, doch er blickte mich nur wieder belustigt an und machte keine Anstalten mir zu folgen.
„Ich bin frei, verstehst du?“, rief er mir nach, als ich so schnell wie meine Beine mich trugen die Treppe hoch rannte.

-----
Ich bin noch nicht richtig zufrieden. Mir gefällt die Idee ganz gut, ich habe aber die befürchtung, dass das hier zu sehr als trashige Gewalt-Horror-Story rüberkommt und der Gedanke dahinter doch zu schwach ist. Also wäre ich über Meinungen diesbezüglich sehr dankbar, ebenfalls über Tipps zu meinem Schreibstil.
Ein Titel fehlt auch immer noch, ich finde keinen der zufriedenstellend zur Geschichte passt.
Kurz, er bewies eine Geduld, vor der die hölzern-gleichmütige Geduld des Deutschen, die ja auf dessen langsamer, träger Blutzirkulation beruht, einfach gar nichts ist.
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Re: 30min KG

Beitragvon Antibegone » Do 25 Sep, 2008 18:28


huhu Garfield :-)
Also, umgehauen hat mich die Geschichte nicht gerade. Du verarbeitest ein recht „brutales“ Thema. Es geht um Foltern, Töten, um Rache – da würde ich einprägsame Bilder, vielleicht Gänsehaut, einen Schockmoment erwarten. Aber alles das bleibt aus. Die Geschichte „plätschert“ irgendwie so dahin und kann den Leser nicht fesseln. Ich will damit nicht sagen, dass sie schlecht wäre, aber das Potenzial, was sie hat, entfaltet sich einfach nicht.

Die Einleitung:
Sagt mir gar nicht zu. Der Protagonist fährt durch diese Einöde, denkt über alles Mögliche nach: über seine „gepflegtes“ Aussehen, die Umgebung, die Hitze, das Radio. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich – durch die rel. langen, hypotaktischen Sätze – wird hier eine gewisse Gelassenheit vermittelt. Es könnte um jede x-beliebige Autofahrt in die Wüste gehen. Aber das ist sie doch eigentlich nicht, oder? Der Erzähler hat Rachegelüste, will irgendwen büßen lassen – geht zumindest aus dem folgenden Dialog hervor -, ihn quälen. Trotzdem denkt er an alles Mögliche, außer an das.
Das ist erstens total unrealistisch, wenn er wirklich so sehr erfüllt wäre von seinen Rachegedanken, dass er soweit ginge denjenigen zu töten, dann müsste er an nichts anderes denken können. Er würde sich wälzen, das Gesicht des Opfers sehen, sehen, was er ihm angetan hat, sich mit der Hitze seiner Rache abquälen, die die Sonne nur noch anfeuerte. Vielleicht würde er das Radio wutentbrannt aus dem Fenster schleudern, weil ihm das monotone Rauschen wie höhnisches Gelächter vorkommt, das sich über seine Pläne amüsiert …
Er würde die Umgebung anders wahrnehmen, vermutlich würden sich seine Gefühle, seine Erinnerungen darin einbetten. Aber er würde sich ganz sicher nicht gemütlich überlegen, wie viel wert er auf sein Äußeres legte.
Zweitens: Du verpasst hier die Chance die Beweggründe des Protagonisten offen zu legen. Der Leser erfährt nichts darüber, was passiert sein soll, dass der arme Kerl jetzt den Tod verdient hat. Dadurch bleibt der Inhalt sehr … seicht, flach. Es gibt keinerlei Motive, Gefühle, Einsichten, Ansichten, die ihn unterfüttern würden.

Dann folgt der Dialog mit dem Sombreromann. Der gefällt mir, er wirkt „echt“ und „lebendig“. Habe ich eigentlich gar nichts dran auszusetzen ;-)

Der Sombreromann zeigt ihm dann sein vermeintliches Opfer. Dabei verstrickst du dich etwas in unnötigen Beschreibungen.

Ich schätzte, dass es über vier Meter nach unten ging, ehe man in einen dunklen Raum kam.


interessiert eigentlich nicht, wie weit unten das Ding ist, also mich nicht.

Die Sonne spendete hier unten kein Licht mehr und unsicher starrte ich in die Schwärze.


Ich würde mal sagen ein durchschnittlich intelligenter Mensch kann sich denken, dass da unten keine Sonne scheint.

Ein unangenehmer Geruchscocktail schlug mir entgegen, ich glaubte Schweiß, Urin und sogar Fäkalien riechen zu können, zudem ein anderer Geruch, den ich nicht einzuordnen wusste. Hilflos stand ich an der Schwelle und wartete, dass er für Licht sorgte.
Doch als endlich eine Glühbirne unter der Decke zu leuchten anfing, stieß ich einen entsetzten Schrei aus.


Die Beschreibung ist schön, anschaulich, plastisch. Es erzeugt Spannung, dass er zunächst nicht sehen kann, sondern es nur riecht.
Solche Beschreibungen sind viel, viel wichtiger als, wie der Raum aussieht:

In dem Erdkeller, dessen Decke und Wände mit Holz stabilisiert wurden, war der Mann den ich gesucht hatte.


Interessiert es wirklich, wie Decke und Wände des Raumes stabilisiert werden?
Mich würde irgendwie mehr die Leiche interessieren …

Dann kommt der Schlussteil. Den finde ich vor allen Dingen … moralisch bedenklich, um es Mal so auszudrücken.
Ich möchte fast meinen, dass du das nicht beabsichtigt hast, aber die Aussage ist: Sei froh, wenn jemand tot ist, es ist gut, wenn man Mut hat jemanden zu Tode zu quälen, er hat es ja verdient, man ist nur schwach, wenn man es nicht „fertig“ bringt.
Die Aussage gefällt mir gar nicht, kommt vor allen Dingen hier durch zu Stande: „Sei froh dass ich es getan habe, du hättest es nie fertig gebracht und wenn doch hätte es dich zerstört! Du solltest mir dankbar sein.“ Zumal du seine Worte ja vom Erzähler auch unkommentiert lässt.
Es sei denn es war das, was du aussagen wolltest, würde ich es dringend ändern. Ich glaube, du wolltest genau das Gegenteil damit aussagen (oder zumindest hoffe ich es ganz stark), nämlich, dass es grausam und verwerflich ist, jemandem so etwas anzutun, selbst wenn er es verdient hätte.

Insgesamt sehe ich eine Diskrepanz zwischen Sprache und Inhalt. Wie schon erläutert, ist es gerade in der Einleitung so, dass du sprachlich eher „Gemütlichkeit“ vermittelst. Die ganze Zeit über bleiben die Sätze ruhig, einwandfrei formuliert, ohne Besonderheiten, ohne Spannung. Ich glaube aber zu so einem Inhalt würde eher eine abgehackte, aufgebrachte Sprache passen. Der Protagonist muss das einiges fühlen, die Rache, der Ekel, die Unfassbarkeit – das sind starke Empfindungen, die hier einfach nicht zum Ausdruck kommen. Zum Teil fehlen auch Geschwindigkeit in den Sätzen und die Brutalität, die doch eigentlich gegeben ist.
Stattdessen werden seelenruhig irgendwelche nebensächlichen Dinge beschrieben.

Und wenn ich etwas zu deinem Stil sagen müsste, würde ich sagen: Er ist flüssig, gut zu lesen, schlicht, in Ordnung, sehr ebenmäßig. Nicht besonders schlecht, aber auch nicht besonders gut. Im Ganzen: Einfach nicht besonders.
Ich finde keine einzige Konstruktion, an der ich positiv oder negativ „hängen“ bleiben würde, an die ich mich erinnern könnte, die mich beeindrucken würde. Ich würde dir raten mehr Mut zur Sprache zu haben.

Formal ist die Geschichte nicht schlecht aufgebaut, der Plot durchaus sinnvoll, aber die Spannung entwickelt sich einfach nicht, weil die Sprache es nicht hergibt und zu wenig Stimmung transportiert.

Vielleicht kannst du ja etwas mit meinem Kommentar anfangen und das Potenzial des Plots wecken :-) Es ließe sich ja durchaus etwas daraus machen, aber irgendwie kommt mir das Ganze so „halbherzig“ vor.

Einige Kleinigkeiten und Rechtschreibfehler, die mir noch aufgefallen sind:

ehe der Empfange abbrach.


Empfang

einen alten Escort glaube ich.“


Escort, glaube ich

Er hatte ein dunkles, wettergegerbtes Gesicht, dass ein schwarzer Schnauzbart zierte


Im Relativsatz schreibt sich das immer nur mit einem s

„Ich werde ihm heimzahlen was er mir angetan hat!“


Heimzahlen, was

Glücklicher weise atmete er nicht mehr.


Warum ist das ein Glück?

Vielleicht könnte man auch irgendwo noch einfügen, dass die Geschichte in Mexiko spielt. Würde dann auch erklären, warum der Erzähler von seinem Gegenüber keine Englischkenntnisse erwartet. Nur weil jemand dunkle Haut hat, kann er ja trotzdem Englisch sprechen - es sei denn es ist klar, dass es außerhalb des englischsprachigen Raums spielt, wirkt der Erzähler sonst etwas rassistisch.

Herzliche Grüße,
von der Traumi
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Re: 30min KG

Beitragvon Garfield » Do 25 Sep, 2008 19:26


Moin Traumi

Ein riesiges Dankeschön für deinen ausführlichen Kommetar! :)

Die Einleitung:
Sagt mir gar nicht zu. Der Protagonist fährt durch diese Einöde, denkt über alles Mögliche nach: über seine „gepflegtes“ Aussehen, die Umgebung, die Hitze, das Radio. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich – durch die rel. langen, hypotaktischen Sätze – wird hier eine gewisse Gelassenheit vermittelt. Es könnte um jede x-beliebige Autofahrt in die Wüste gehen. Aber das ist sie doch eigentlich nicht, oder? Der Erzähler hat Rachegelüste, will irgendwen büßen lassen – geht zumindest aus dem folgenden Dialog hervor -, ihn quälen. Trotzdem denkt er an alles Mögliche, außer an das.


Das ist durchaus Absicht, ich wollte dass die Geschichte anfangs sehr ruhig wirkt, damit das Ende einen krassen Gegensatz dazu bildet. Allerdings habe ich nicht bedacht, dass das eventuell unrealistisch wirkt.

Aber er würde sich ganz sicher nicht gemütlich überlegen, wie viel wert er auf sein Äußeres legte.


Diese Erwähnung bspw. ist extra so gesetzt, der Protagonist soll als akurater, zivilisierter Mensch rüberkommen, der sein ganzes Leben lang nie mit Gewalt und dergleichen in Kontakt geraten ist.

Du verpasst hier die Chance die Beweggründe des Protagonisten offen zu legen. Der Leser erfährt nichts darüber, was passiert sein soll, dass der arme Kerl jetzt den Tod verdient hat. Dadurch bleibt der Inhalt sehr … seicht, flach. Es gibt keinerlei Motive, Gefühle, Einsichten, Ansichten, die ihn unterfüttern würden.


Ich wollte den Mann allgemein halten, austauschbar, dass das zu einer Verseichung führt habe ich nicht bedacht, du hast wohl recht, meine Ideen sind zu schlecht ausgearbeitet.

Dann folgt der Dialog mit dem Sombreromann. Der gefällt mir, er wirkt „echt“ und „lebendig“. Habe ich eigentlich gar nichts dran auszusetzen ;-)


Juhu! Endlich mal was gut gemacht :D

Zu den vielen Nebenbeschreibungen:
Ich mag sowas eigentlich, sowohl wenn ich es bei anderen lese, als auch wenn ich es schreibe. Es stimmt aber, dass es die Geschichte zusätzlich verlangsamt und teilweise unnütz ist. Ich muss da wohl noch mehr abwägen, was rein passt und was nicht.

ch möchte fast meinen, dass du das nicht beabsichtigt hast, aber die Aussage ist: Sei froh, wenn jemand tot ist, es ist gut, wenn man Mut hat jemanden zu Tode zu quälen, er hat es ja verdient, man ist nur schwach, wenn man es nicht „fertig“ bringt.

Ich hatte befürchtet, dass das so rüberkommen könnte, so war das selbstverständlich nicht gemeint. Vielmehr ging es mir darum, den zivilisierten Menschen zu zeigen, der von so primitiven Gelüsten geleitet ist (Rache, Gewalt, Mord) und der nun auf die geballte Wirklichkeit dieser Dinge trifft und davon vollkommen schockiert wird und damit nicht umgehen kann. Deswegen ruft der Sombreromann ja auch: "Ich bin frei, verstehst du", weil er seinen niederen Gelüsten einfach freien Lauf lässt ohne durch Moral und Zivilisation aufgehalten zu werden.
Ein Zusammentreffen zwischen der Zivilisation und dieser Rohheit...Ich weiß nicht ob ich ausdrücken kann was ich meine... oO


Insgesamt sehe ich eine Diskrepanz zwischen Sprache und Inhalt.


Härter kann einen ein Kommentar wohl nicht treffen... ;(
Aber du erklärst ja warum du es so siehst, wofür ich dir echt dankbar bin.

Wie erwähnt sollte der Anfang eigentlich ruhig sein um dann plötzlich zum Ende hin wuchtig, brutal zu werden. Aber anscheinend ist mir der ruhige Anfang gelungen, doch das macht ihn unrealistisch, und das Ende ist auch zu lahm.

Und wenn ich etwas zu deinem Stil sagen müsste, würde ich sagen: Er ist flüssig, gut zu lesen, schlicht, in Ordnung, sehr ebenmäßig. Nicht besonders schlecht, aber auch nicht besonders gut. Im Ganzen: Einfach nicht besonders.


Okay, geirrt, der Kommentar trifft noch viel härter ;( ;( ;(
Was soll man dazu sagen...
Vermutlich hast du recht:
Ich würde dir raten mehr Mut zur Sprache zu haben.

Diesen Rat nehme ich gerne an und werde versuchen ihn zu befolgen.

Es ließe sich ja durchaus etwas daraus machen, aber irgendwie kommt mir das Ganze so „halbherzig“ vor.

Das könnte daran liegen, dass ich selbst von Inhalt und Umsetzung nicht überzeugt bin.
Du sagst zwar, dass die Story Potenzial hat aber ich bin mir nicht sicher, vielleicht als spannende Horrorgeschichte, aber nicht als das, was ich darin gesehen hab/sehen wollte.
Glücklicher weise atmete er nicht mehr.

Warum ist das ein Glück?


Weil er dann nicht mehr Leiden muss und der Protagonist dass ganze als abgeschlossene Handlung ansehen kann und nicht mehr aktiv eingreifen kann. Das erleichtert ihn.

Vielleicht könnte man auch irgendwo noch einfügen, dass die Geschichte in Mexiko spielt.

Ich hielt das durch die Beschreibung des Mexikaners ausreichend geklärt.

Danke auch für das Aufdecken der Rechtschreibfehler.

Mal schauen, ob mir noch was einfällt, wie ich die Geschichte in die richtige Bahn lenken kann. Ich danke dir auf jeden Fall für Kritik, Hilfe und Anregungen. :)

Gruß Garfield
Kurz, er bewies eine Geduld, vor der die hölzern-gleichmütige Geduld des Deutschen, die ja auf dessen langsamer, träger Blutzirkulation beruht, einfach gar nichts ist.
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Re: 30min KG

Beitragvon Antibegone » Fr 26 Sep, 2008 10:42


huhu Garfield :-)

Okay, geirrt, der Kommentar trifft noch viel härter


tut mir leid, wenn ich es etwas hart ausgedrückt habe. Ich meine es ganz sicher nicht böse.

Du sagst zwar, dass die Story Potenzial hat aber ich bin mir nicht sicher, vielleicht als spannende Horrorgeschichte, aber nicht als das, was ich darin gesehen hab/sehen wollte.


Ich finde der Geschichte liegen schon interessante, tiefer gehende Gedanken zu Grunde, gute Ansätze, die du ja im Nachhinein auch durchdacht benennen kannst („Ein Zusammentreffen zwischen der Zivilisation und dieser Rohheit“). Nur dass gerade diese sehr missverständlich formuliert sind.

Weil er dann nicht mehr Leiden muss und der Protagonist dass ganze als abgeschlossene Handlung ansehen kann und nicht mehr aktiv eingreifen kann. Das erleichtert ihn.


hmmm, ja, nachvollziehbar, hört sich aber eher an wie: Juhu, er ist tot.

Mal schauen, ob mir noch was einfällt, wie ich die Geschichte in die richtige Bahn lenken kann


Ich kann nachvollziehen, was die Beschreibungen bezwecken sollten. Aber zumindest bei mir wirken sie leider ganz anders.

Würde mich freuen eine überarbeitete Version zu lesen :-)

Ganz liebe Grüße,
Traumi
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