Vernunftwesen

Beitragvon Dichotomy » Di 28 Apr, 2009 16:30


Hab den Text gerade "fertig" geschrieben, es muss aber, glaube ich, noch so manches verändert oder vielleicht verbessert werden, da es spätestens beim Schreiben der Musik zu Schwierigkeiten kommen wird, da die einzelnen Strophen doch sehr unterschiedlich sind.

[mittig:86p3y96w]Vernunftwesen


Kamera an und schnell das Mikrofon
in Position gebracht, Vernunft aus-
und Verstand angemacht und dann
der Tunnelblick durchs Okular, die
Verwandlung in einen Spielfilm, wo
vorher Realität war.

Ich stell mir die Frage: „War Kant nur ein Träumer?“
Denn „a priori“ find ich hier nicht, wohl doch eine
Theorie, die im Leben einfach zerbricht, verschwindet
und irgendwie nie da war.


Für ein schönes Foto nochmal die Haare
aus dem Gesicht streichen und mit dem
Eisen in der Hand unter einem Blitzlicht-
gewitter dann letztendlich doch den
toten Schulkameraden und ihrer Opfer-
rolle gleichen.

Ich stell mir die Frage: „War Kant nur ein Träumer?“
Denn „a priori“ find ich hier nicht, wohl doch eine
Theorie, die im Leben einfach zerbricht, verschwindet
und irgendwie nie da war.


Gepackte Stative, geschulterte Taschen, blauer
Himmel, die Akteure werden liegen gelassen
und in Gedanken schon mal ne Schlagzeile
verfassen. Zuhause noch ein Bad ein-
lassen und Klamotten waschen. Blutflecken
bleiben kleben.

Ich stell mir die Frage: „War Kant nur ein Träumer?“
Denn „a priori“ find ich hier nicht, wohl doch eine
Theorie, die im Leben einfach zerbricht, verschwindet
und irgendwie nie da war.


Computer an und den Clip starten, faszinierte,
stierende Blicke, die auf den Schuss warten.
Und nun Luft anhalten, alle Augen auf den
ausgelaugten, verzweifelten Filmstar,
die Verwandlung in einen Spielfilm, wo
vorher Realität war.

Ich stell mir die Frage: „War Kant nur ein Träumer?“
Denn „a priori“ find ich hier nicht, wohl doch eine
Theorie, die im Leben einfach zerbricht, verschwindet
und irgendwie nie da war.
[/mittig:86p3y96w]


[size=85:86p3y96w]In Gedanken an Winnenden und jeden anderen Gewaltakt in dieser Welt[/size]
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Re: Vernunftwesen

Beitragvon Dichotomy » Di 05 Mai, 2009 17:44


hallo dicho,



was mir vor allem auffiel, war die einigermaßen strenge form; nach jeder strophe den refrain reinzupacken, das gibt dem text vielleicht struktur, unterbricht ihn aber auch ständig, so kommen die einzelnen gedanken der einzelnen abschnitte nicht zusammen, der leser/hörer vergisst vermutlich, was vorher so los war. auch hat dadurch der refrain eine viel zu starke gewichtung, durch die häufige wiederholung bleibt vom lied nur dieser übrig. das soll wohl kaum der sinn der übung sein.
ich denke, du solltest dich vom spoken word ([url:27fih8mc]http://de.wikipedia.org/wiki/Spoken_word[/url]) inspirieren lassen in deinen bemühungen. man merkt ja, dass du nicht auf plumpen schlampen-drogen-gangsta-rap aus bist, sondern intelligent geformten hiphop willst. da gibt es einige interessante möglichkeiten. ich meine übrigens nicht irgendwelche stumpf-lustigen texte bei poetry slams, um gottes willen. schau dir vielleicht einmal ein paar videos zu amerikanischem spoken word auf youtube an. vielleicht lockert das deine sprache auf, du findest zu einer neuen form


Hehe, ja, das is wieder die Sache mit dem HipHop.
Eigentlich ist der Text nichtmal für HipHop gedacht, da ich eher in der Musikrichtung Indie-Alternative-Rock zuhause bin ;)
Aber ja, der Text könnte ohne Probleme gerappt werden, das stimmt schon.
Gut, das mit dem Refrain könnte richtig sein, wobei man das, denke ich, am besten sieht, wenn man die Musik dazu schreibt.



ein paar weitere eindrücke:

zum refrain:

Ich stell mir die Frage: „War Kant nur ein Träumer?“
Denn „a priori“ find ich hier nicht, wohl doch eine
Theorie, die im Leben einfach zerbricht, verschwindet
und irgendwie nie da war.


relativ interessanter kontrast zum rest des textes; funktioniert einigermaßen. du holst ihn dadurch auf eine ganz andere ebene, was ich ziemlich gut finde.
solche füllwörter wie 'irgendwie' müssen nicht sein. da schlägst du einen anderen ton an, wodurch er an aussagekraft verliert. da ist's halt irgendwie. und dass das ich (sich) eine frage stellt, wird offensichtlich, wenn eine frage folgt. also einfach bei der frage anfangen oder durch etwas ertragreiches ersetzen.


Vielleicht hast du recht, aber ich wollte mit diesem Füllwort die Enttäuschung verdeutlichen, die aus der Erkenntnis entsteht, dass etwas eigentlich so großes und wertvolles, wie diese Idee
dann doch einfach nicht funktioniert.
Lasse ich das Füllwort weg, dann trage ich die Wut der Strophe, für meinen Geschmack, zu sehr mit in den Refrain, der sich, auch hier, etwas vom Rest des Textes unterscheiden soll.


Kamera an und schnell das Mikrofon
in Position gebracht, Vernunft aus-
und Verstand angemacht und dann
der Tunnelblick durchs Okular, die
Verwandlung in einen Spielfilm, wo
vorher Realität war.


'tunnelblick durchs okular' ist recht fesch. 'realität' im gebrauch finde ich kritisch. worauf du hinaus willst, ist klar. aber da driftet das gedicht aus dem audio-visuellen material des anfangs (kamera, mikrofon, tunnelblick durchs okular) ins sehr verkopfte. bei einem lied treibt sich der text stetig voran und wenn dann so ein wort kommt, braucht der hörer entweder eine pause oder nimmt das nur als schwammig und oberflächlich mit.


Mhh, dazu würde ich gern noch ein paar andere Meinungen hören, da mir das jetzt gar nicht negativ aufgefallen ist. Hättest du eine Idee, wie man diesen Teil besser lösen könnte?


Für ein schönes Foto nochmal die Haare
aus dem Gesicht streichen und mit dem
Eisen in der Hand unter einem Blitzlicht-
gewitter dann letztendlich doch den
toten Schulkameraden und ihrer Opfer-
rolle gleichen.


das ist mir zu platt. sowohl die medienschelte und -kritik kann nicht überzeugen. der bezug zu winnenden auch nicht subtil genug. das ist zu emotional aufgeladen, medial aufgebretzelt. da haust du uns winnenden um die ohren. geht überhaupt nicht.

Gut, an der Stelle bin ich beim lesen gedanklich auch immer hängen geblieben, da ich damit auch nich ganz zufrieden bin.
Werd mir Gedanken machen, vielleicht fällt mir was besseres ein.


Gepackte Stative, geschulterte Taschen, blauer
Himmel, die Akteure werden liegen gelassen
und in Gedanken schon mal ne Schlagzeile
verfassen. Zuhause noch ein Bad ein-
lassen und Klamotten waschen. Blutflecken
bleiben kleben.


die akteure sind diejenigen, die die schlagzeile verfassen? das ist eine nette idee, aber dadurch, dass sie auch liegen gelassen werden, nicht stimmig.


Mhh, das ist anders gemeint.
Die "Akteure" sollte ich, wie jetzt, vielleicht auch im Text in Anführungszeichen setzen, wobei das für die Vertonung nicht relevant wäre.
Mit den Akteuren sind der Amokläufer und seine Opfer gemeint, die bildlich liegen gelassen werden, während der Reporter- der hier natürlich nicht als Individuum zu sehen ist, sondern generell für die Medien steht- mit seinen Gedanken schon bei der gewinnbringendsten Schlagzeile ist.


Computer an und den Clip starten, faszinierte,
stierende Blicke, die auf den Schuss warten.
Und nun Luft anhalten, alle Augen auf den
ausgelaugten, verzweifelten Filmstar,
die Verwandlung in einen Spielfilm, wo
vorher Realität war.


an sich neigt der text zur redundanz. es wiederholt sich eigentlich schon gesagtes. ich finde das nicht wirklich annehmbar. dadurch kannst du die sache nicht in gang bringen, 'das zu sagende' wird nicht ausgeführt, weil du immer wieder an den anfang kommst.

Mhh, in der letzten Strophe wird das Verhalten der Zuschauer, bzw. der Menschen gezeigt, die mit ihrem Verhalten erst ermöglichen, dass das vorher, natürlich etwas übertrieben beschriebene Handeln der Medien, weiter bestehen kann.
Für mich persönlich war das ein wichtiger Punkt, den ich nicht auslassen wollte, wobei ich zugeben muss, dass ich den Text wahrscheinlich etwas besser strukturieren muss, damit das ein oder andere noch klarer wird.


beste Grüße,
Phil
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Re: Vernunftwesen

Beitragvon Dichotomy » Mi 06 Mai, 2009 17:33


Mhh, du bezweifelst dass er grappt werden kann? ... Zumindest vom Rhythmus her dürfte es da keine Probleme geben, wurde mir zumindest gesagt...

Ach, wenn man die Musik schreibt gibt es viele Möglichkeiten, einen Text vorteilhaft oder eben weniger vorteilhaft einzubauen, die bestmögliche Umsetzung ergibt sich dann letztendlich aber beim Schreiben der Musik, bzw. Proben, denke ich. Aber ich weiß ja nich, wieviel Banderfahrung du hast, vielleicht habt ihr/du da ja sogar bessere Methoden (?)

so wie das da steht und wenn mit den akteuren amokläufer und opfer gemeint sein sollen, dann denken sich amokläufer und opfer nach dem liegen gelassen werden schlagzeilen aus.


Gut, es ist tatsächlich so, dass diese Stelle beim ersten Durchlesen nicht ganz klar scheint, beim 2. Durchlesen aber, spätestens wenn man den Zusammenhang beachtet, sollte sie klar sein, so ging es bisher zumindest anderen Lesern.
Gut, nun stellt sich natürlich die Frage, ob es sinnvoll ist, eine solche, zunächst weniger transparente Stelle, in einem Songtext zu verwenden, da sie zwar eher zum Nachdenken anregt, womöglich aber denn Fluss etwas stört..... das wäre dann wieder mal eine Geschmacksfrage, denke ich.


was die aussage des textes sein will, wird schon klar. da verschleierst du nichts. das kritisiere ich ja auch kaum, auch wenig daraus nicht allzu viel mitnehmen kann, da genug schon im eigenen hirn an gedanken dazu vorhanden.
die machart gefällt halt nicht.


Gut, da wurde dann eben der Geschmack nicht getroffen und wenn die Message des Textes schon längst einen Platz in deinem Kopf hat, ist es ja nur gut, wobei man das bei dieser Thematik von einem denkenden Menschen ja eigentlich grundsätzlich erwarten sollte... aber wie man in der Welt sieht, ist das leider doch nich so oft der Fall

beste Grüße
Phil
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