Geschichten rund um Liebe, Familie oder Freundschaft

Weil aber du es warst.

Beitragvon Neruda » Do 18 Sep, 2008 17:36


Du wurdest geboren in meinem Weinen. In mein unaufhörliches, einsames Weinen bist du eingedrungen, ohne mich zu fragen und wärst es nicht du gewesen, ja, wärst es nicht du gewesen, in deiner unglaublichen Einzigartigkeit, hätte ich dich wohl erschossen. Mitten in mir.

Es war kein ungewöhnlicher Tag. Ich hatte weder damit gerechnet, noch hatte ich auch nur einen einzigen Gedanken an das verschwendet, was passieren sollte. Ich saß unter dem alten Ahorn und las einen Roman von Milan Kundera. Wenn ich ehrlich bin, habe ich ihn weniger wegen des Autors oder des Inhalts gelesen, aber umso mehr wegen des Titels. „Das Leben ist anderswo“ schien mir der Leitsatz meines bisherigen Lebens zu sein. Man könnte nun meinen ich wäre bemitleidenswert gewesen, aber ich hatte kein bisschen Mitleid verdient. Ich übernahm schon von klein auf an liebend gerne die Rolle des Kindes der Traurigkeit. Ich verabscheute das Leben und so war ich froh, dass es mir nie allzu nahe kam. Bis du an diesem verhängnisvollen Nachmittag in einer kleinen Träne entstanden bist, die meine Augen nicht verlassen konnte. Fast hätte ich es nicht bemerkt, aber plötzlich schienen die niederfallenden Blätter, es war Anfang Oktober, meine Haut zu streicheln und mich mit einer seltsamen Zufriedenheit und Lebensfreude zu vergiften. Ganz nüchtern betrachtet hatte sich nichts verändert. Mir waren immernoch die vorbeigehenden Menschen zuwider, die mich belächelten weil ich mitten im Treiben der Großstadt an einem Baum saß und ein Buch las. Auch die leeren Bierflaschen und Kippenstummel und die erbärmlich laut kreischenden Kinder im Park missfielen mir weiterhin. Es war eher so, als hättest du dich in die Schwarzweiß-Photografie meines Lebens geschlichen. Als Farbfigur. Nachdem ich bemerkt hatte, dass etwas anders war, dass sich etwas in mir befand, dass dort nach meinem Ermessen nicht hingehörte und auch nicht bleiben sollte, begann ich zu würgen. Es war mein üblicher Versuch alles, was ein Lächeln auf meine trockenen, vernachlässigten Lippen hätte schummeln können, einfach zu erbrechen. Wie eine Katze, die versucht ein Fellbüschel wieder auszuspucken, saß ich dort und begann schon langsam nach Atem zu ringen. Es funktionierte nicht so, wie ich es von vorherigen Malen kannte. Nachdem etwa zehn Minuten vergangen waren, merkte ich, dass ich es nicht schaffen würde und schluckte dich verbittert herunter. Dass du dich in mich hineingeschlichen hattest und dass ich es nicht verhindern konnte, ärgerte mich maßlos, ich beschloss jedoch, nichts weiter zu unternehmen. Und als wieder eines der Ahornblätter in seinem satten Grün, mitten in der gräulichen Großstadtwelt, meinen Arm streifte, huschte mir ein verstecktes Lächeln übers Gesicht. Ich glaube nicht, dass es außer dir jemand gesehen hat. Aber du, der du dir bereits ein Lager in meinem Magen errichtet hattest, du hast es gesehen und dich gefreut.
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Re: Weil aber du es warst.

Beitragvon Neruda » Do 16 Okt, 2008 14:22


Hey sim,

ja, ich denke du hast Recht und werde die Geschichte am Ende kürzen.
So und zum Rest:
1. Ööhm, ich habe keine Ahnung, aber deins hört sich richtiger an :D
2. Ich habe ebenfalls keine Ahnung, aber vertraue dir mal auch hier.
3. Ich glaube das geht beides und cih finde irgendwie herunter klignt hier besser.
4. Also wir haben gerade Anfang Oktober udn unsere Ahornblätter sind teilweise noch sehr grün ?(
5. Der Satz wird ja jetzt sowieso gestrichen.

Vielen Dank für deinen Kommentar/ deine Hilfe. Ich werd ein paar Sachen ausbessern.

Lg, Kim
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