Geschichten zum Thema Alltag

N° 4 Hindernisse

Beitragvon C.J. Bartolomé » Do 22 Nov, 2012 19:18


Einige Hindernisse standen ihr im Weg zum eigenen Glück. Sie wollte ein ambitioniertes Leben führen, aber war sich selbst ein Wegelagerer. Sie war zwar strebsam und hatte Mitleid mit denen, die nicht das Vermögen besaßen, das Überwinden zu genießen, aber auch sie selbst litt unter ihnen, wenigstens körperlich. Wenn ihr die Disziplin fehlte, die sie zum Überwinden brauchte, litt sie an den Hindernissen, von denen wir gleich hören werden – dann litt ihre Physis.
Zwar krümmte sich ihr Rückgrat nicht durch ständiges Fletsen in der Fernsehcouch. Doch die Medien – ein erstes Hindernis für sie, das sie unglücklich werden ließ – drückten ihre Lebensfreude trotzdem nieder, indem sie ihren Kopf mit dem Flüchtigsten füllten, das sie ihre Mitmenschen erschaffen sah. Statt des Frühlings im Garten habhaft zu werden, statt ihre Ideen von den Hügeln, vom Drama, von der Schachteltrivialität zu bewegen, fiel sie aus einer Schwäche vor einen Bildschirm hin und füllte sich mit Bildern einesteils, wandte sie sich einem anderen zu und saugte hilflos am Programm, mit Werbung andernteils – statt ihre Schönheit herauszuputzen, verendete sie elend vor der Unterhaltungsindustrie. Ihr Leben glich in manchen Momenten zwar schon Burn–Out–Inaktivtagen, da ihrem Zimmer die Bildschirme fehlten, aber der Zugang woanders fiel ihr so leicht, dass ihr die Askese umso schwerer wurde. Ständig dachte sie an den neuesten Stand ihrer friend–accounts, obwohl ihr ein Kopf voll loser Informationen bis zum Erbrechen ekelte. Dann litt sie an jeder Körperstelle darunter. Was andere süchtig genossen, stellte sich ihr als ein Hindernis in den Weg, da sie anderes wollte, aber aus Schwäche dieses konsumierte.
Das zweite Hindernis war ein Glotzen auf Männerkörper. Der anstachelnde Reiz des Auges und des Geschlechts entfachten ein zu großes Feuer, in dem jeden Tag alles noch Neue, noch nicht Feste in die Flammen der Lust fiel und verzehrt wurde. Bevor Ideen in ihr reifen konnten, Ideen zur Arbeit, Gedanken über Sinnvolles, fingen die Ansätze schon Feuer, und ihr Körper bemerkte nicht den Betrug. Betrug von Bildern und Imaginationen herrlicher Rücken, frische Reize, die nicht nur auf der Straße, sondern auch auf Plakaten, an allen Ecken der Stadt aushingen. Die Befriedigung der Neugier des aufgeregten Blutes drängte alles andere an den Rand, die Sucht verstärkte sich selbst, da sie von immer weiteren Appetithäppchen angeregt wurde. Ihr Leben wäre eine einzige Lustpartie voll flüchtiger, und wie sie fand: dummer Begegnungen, wenn nicht Stärkeres dazwischen gegangen wäre. Doch gerade das mürbende Hin–und–Her zwischen Trieb und Geist langweilte sie. Die ständige Verneinung verminderte ihre Lebenslust. Aber ihr Körper lernte nie dazu, ihren Geist verwirrten immer wieder Freudsche Banalitäten. Da ihr alle Reize über das Sehen begegneten, verfluchte sie das Licht; sie ersehnte die Ermüdung ihrer Augen, die Erlösung von ihnen. Doch diese Müdigkeit hätte auch ihre Arbeit leiden lassen. Wenn schon das Lesen eines Textes sie ermüdet hätte, wäre ihr das Verständnis der Welt noch schwerer gefallen.
Sie kannte noch viele Hindernisse. Die Wege um all diese Hindernisse waren ihr bekannt, sie hatte schon viele überwunden. Denn immer wieder kamen sie wie aus dem Boden geschossen. Doch oft fehlte ihr die Kraft, den Sinn von Disziplin zu erkennen, sie zu überwinden, sodass sie stolperte, fiel und müde liegen blieb, bereit, liegen zu bleiben.
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C.J. Bartolomé
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