Geschichten zum Thema Alltag

N° 10 Über das Bewusstsein II

Beitragvon C.J. Bartolomé » Mo 14 Jan, 2013 14:06


Das Bewusstsein des Menschen nimmt viele Zustände an und entwickelt dabei auch nicht Lebensnotwendiges wie das Ich oder das Selbstbewusstsein, von denen keiner sagen kann, was sie genau sind oder welche Funktion sie haben sollen – und so fällt der Mensch ganz umsonst hinein in den grüblerischen Strudel. Allerdings beginnen auch die positiven Effekte beim Ich, wie die herrliche, erlösende Triferenz. Sie bedeutet eine dreifache Relation zwischen einem Ich, den Sinnen und der Welt bei absoluter Stille der Sprache, der Erinnerung und allem, was je als eine Regung aus der Vergangenheit ins Bewusstsein stürmen könnte. Die fragile Zeit eines triferentischen Erlebens trägt das Ich hinaus zu den Gegenständen oder diese hinein zum Ich; das Moment tritt ein, in den Dingen das Leben zu erkennen, das ihre Funktion eindringlich offenbart. Das ist ein Spuk im Hirn, der alles Wissen vereinigt zu einer flüchtigen Vorstellung, von der die wahrgenommenen Dinge zeugen. Voraussetzung für den Genuss des Hellsehens ist die Konzentration, die die Vereinigung der Aufmerksamkeit erzwingt, indem der Mensch innere Bilder produziert und sie anschaut, festhält und beherrscht.
Die moderne Hirnforschung kennt einen Ansatz, der die Bilderzeugung als eine Rückprojektion ins Sehzentrum erklärt, eine, die den Schatz der Erinnerungen ausdrückt. Erzeugt das Bewusstsein das Bild einer Stecknadel, bedarf es dazu hoher Konzentration, denn ohne eine punktgenaue Anstrengung zerfällt jedes Bild und das Innere sitzt wieder im Dunkeln. Das Stecknadel–Projizieren hilft bereits vielen weiter, doch sie verschafft noch nicht den letzten Reiz eines in sich geschlossenen, gegen die Erinnerungen versiegelten Bewusstseins. Denn die Hilfe des Optischen zur Konzentration steigert die Analogie zu den anderen Sinnen, indem auch ein Geruch, ein Geschmack, ein Geräusch oder eine hübsche Melodie aus dem Gedächtnis geholt und wieder zu Leben, zu Sinnen gemacht werden können. Dann sieht der Mensch vor dem inneren Auge eine gelbe Tulpe, obwohl sein körperliches Auge verschlossen ist und ruht. Dann riecht er den leichten Duft des Gelblings, obwohl seine körperliche Nase verschnupft ist. Dann vernimmt er vor dem inneren Ohr das Rauschen eines Bächleins, obwohl Totenstille herrscht. Und dann schmeckt er die volle Phantasie, die die Konzentration verschenkt. Solcherart sind die schönen Bewusstseine: das rein sinnliche zum Begegnen der physischen Welt, das zweite zum Begegnen der phantastischen Welt. Nur die Mischung verhindert die besten menschlichen Momente. Gedenke also immer deiner Reinheit!
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Zuletzt geändert von C.J. Bartolomé am Mo 14 Jan, 2013 14:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: N° 10 Über das Bewusstsein II

Beitragvon struktur-los » Sa 25 Mai, 2013 08:15


Guten Morgen Bartolomé,

eine wirklich schön verpackte Beschreibung des Bewusstseins...

Gedenke also immer deiner Reinheit!


... doch sobald ich meiner Reinheit gedenke, ist sie schon nicht mehr rein, wenn ich den Inhalt deines Textleins richtig gedeutet habe. Bild

Liebe Grüße
strukti
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