Noch namenlos

Beitragvon Wanderer » Do 18 Sep, 2008 20:38


(aus einer Reihe)

Wann immer ich konnte habe ich mich dorthin gebracht wo das Ursprüngliche ist, andere haben das aus Dummheit als Nächstenliebe ausgelegt. Krankenhäuser sind manchmal wunderbare Orte dafür.
Ich jage das Gefühl des Archaischen, ich will die Urzeit fühlen.
Dieses Gefühl fand ich meist nur dort, Geburten und Unfallopfer. Wo hier ein Mensch inmitten seines Blutes mit geöffnetem Brustkorb stirbt, erblickt dort einer das künstliche Licht der Leuchtstoffröhren inmitten des Blutes seiner Mutter. Schreie sind etwas wunderbares, Blut ist eine Schönheit, das Zucken des Lebens, auf sein Innerstes reduziert, ist faszinierend anzusehen.
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Re: Noch namenlos

Beitragvon limes lupo » So 21 Sep, 2008 19:19


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Re: Noch namenlos

Beitragvon Wanderer » So 21 Sep, 2008 19:44


Hahaha! Da bin ich bei 5 von 7 Punkten schon selbst drauf gekommen.

Allerdings solltest du nicht Erzähler, Hauptperson und Autor als eine Person sehen.
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Re: Noch namenlos

Beitragvon limes lupo » Mo 22 Sep, 2008 01:07


stimmt, du hast recht.
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Re: Noch namenlos

Beitragvon M.C.Bertram » Sa 11 Jul, 2009 09:10


Der Begriff "archaisch" wird oft in einen Zusammenhang mit Jagdmotiven gebracht.
Geburt und Tod sind in primitven Kulturen rituell begleitet worden. Die seelische Struktur unserer frühen Vorfahren beinhaltete wahrscheinlich geistig - spiriuelle und empathische Möglichkeiten, die inzwischen weitgehend verloren gegangen sind. Deshalb bin ich nicht ganz einverstanden damit, daß die Vorliebe für Nervenkitzel mit Sinnsuche und Ursprünglichkeit gleichgesetzt wird.

Andererseits fühlen sich viele Bewohner unserer Hochzivilisation - wenn es denn eine ist - oft abgestumpft. Ohne auf Gründe einzugehen zu wollen, das führte hier zu weit, kann ich den Kontext soweit nachvollziehen, daß ein LI auf Wahrheitssuche geht und Menschein in Grenzsituationen als ehrlich empfindet. Not ist wahrhaftig. Aber der Sinnzusammenhang erscheint m. E. noch nicht ganz ausgereift.
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Re: Noch namenlos

Beitragvon Old Gil » Mo 13 Jul, 2009 20:08


Hallo euch dreien.

Hier sehe ich zum Teil auch einen Anti-Homo Faber. Allerdings weiß ich noch nicht wirklich, was mir der Text gibt, mir fehlt die Reflexion über diesen Drang des Erzählers, dieses "Archaische", wie du es nennst, zu fühlen. So steht nur da, dass er es fühlen will, und das ist mir zu wenig. Außerdem denke ich bei "faszinierend" an etwas interessantes, etwas verstehenswertes. Meiner Meinung nach würden hier besser Begriffe wie "berauschend" passen. Aber eben vor allem: Warum ist es faszinierend anzusehen? Diese Frage hätte ich lieber beantwortet, als die Frage ob es faszinierend / berauschend anzusehen ist, denn die Antwort darauf kannte ich schon vorher.
Die drei Wiederholungen von Blut verdeutlichen die Parallelen zwischen Geburt und Tod nicht unbedingt, Tod kann uA sogar sehr unblutig und trotzdem archaisch / urzeitlich sein.
"Das künstliche Licht der Leuchtstoffröhren" ist in diesem Zusammenhang sehr schön. Direkt nach dem Moment der Geburt wird das Leben schon maschinell geregelt, weniger organisch, weniger "lebendig" - schön.

Hoffentlich konnte ich dir weiterhelfen.
grüße,
gil.

PS: Was meinst du mit "(aus einer Reihe)"? Gehört das noch zum Text? Irgendwie verunsichert mich das. :D
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