dann erschieß mich doch

Beitragvon Anna Lyse » Mi 23 Dez, 2009 12:14


zeigefinger auf tiere gestalten gitarren walten lassen schwimmen erfolge im trost im trost der zeit leben erleben erblinden stehen lassen verfangen haben nicht haben gier neid missgunst erfunden beleuchtet das wort erfundenes wort brechreiz durchfall stuhlgang erfunden das wort die neigung gedreht der hölle geneigt das rote das weisse der baum beobachtet schaut hat augen dort draussen vor allen der liegt vor allen er schaut und hat nase und ohren und spricht mit holzstimme sacht seicht nicht mehr finden ich mich in dir nicht mehr finden ich mich in der offenheit die kleinigkeit zusammenhalt wir ich du es sie mir auch bewusst bewusstsein gedanklicher gruß verschickt lippen geschlossen zunge noch offen und gehirne aufgeklappt im schädel zertrümmern trümmersteine steine zum werfen sie werfen alles auf bewerfe ich alles im alles im alles im kleinen auch das haus die scheibe zerwerfen mit steinen und kugeln und kleinen pfeilen wie indianer getragen das tipi das haus ohne fenster und ohne dach und mit tierhaut bespannt das tipi der pfeil geht richtung ein schlägt ein die bombe wie granatsplitter granatapfelsplitter rot das haus schreit die kinder weinen die mutter holt aus holt weit aus zum erfinden das erfinden das rotbringen die fahnen wehen im dunkel im haus im keller im hauskeller im weinkeller da fahnen ohne wind geweht geh weg aus dem nichtlicht gesang unter der treppe aus der ecke da steht die fahne wie eine eins eine zwei oder drei nicht mehr die zahl von heute von gestern und morgen zusammen gezählt zusammengezählt im gestern und heute und hier vor der kellertür gefallen die eins und die zwei und wir drei zusammen aufgehoben die rotlichter im millieu gefangen die rotlichtviertel begangen als ob gelaufen und nackt geliebt das rote wie grüne und schwarze millieu auch noch gefunden wo schwarzes anstarrt und wir im roten viertel geblieben und tanz tanzen tanzen viel leicht vielleicht gesehen und nichts mehr mehr erwartet ausser nacktes ausser fleisch ausser rotlicht und puderdosen fallen irgendwann hinter kulissen und wir lachen lachen aus ein und aus lachen atmen lachen im sitzen auf verzierungen im stuhl der finger kreist der zeigefinger auf gestalten...
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Re: dann erschieß mich doch

Beitragvon rivus » Do 04 Feb, 2010 00:50


hallo isa,
da der text schon eine weile um mich herum geschlichen ist, nun ein wenig von dem, was in mich eindringt. zunächst fängt mich jedoch die schießaufforderung u. ich denke mir die zeigefinger als verlängertes flintenrohr, doch gott sei dank zeigen sie erst auf die tiere und gestalten eine atemberaubende, doch mit unzähligen pausen besetzte hatz, die alles mit worten besetzt und nicht enden will in der flut immer neu einschießender wortbilder, die sich überlappen und herausbildern, was in ihnen hinein gedrungen ist. es überwältigt mich u. wirft mich in das reizüberflutete erzählich. dieses scheint sich befreien zu wollen u. entführt über alle möglichen u. unmöglichen empfindlichkeiten zum eigentlichen protagonisten. doch das sehr kontemplative erzählich scheint sich nur mutistisch und nicht wirklich äußern zu können, sondern bedarf der zeigefinger, um sich einem besonderen ihm zu nähern. doch schon in der annäherung verschwindet das bild von ihm in einem schwall neuer angstassoziationen, die das erzählich noch mehr verirren und in labyrinthartige kognitionen ein- und auch ausbrechen lässt. es anatomisiert das objekt seiner begierde - ein möglicherweise ursprünglich zum eigenen schutz konstruiertes wir - u. arbeitet mit den fragmenten, vermischt sich mit ihnen, um mindestens mit zweisamer kraft wieder einzeln noch stärker aufzutauchen und die umgebung zu zerstören oder auf eine andere art u, weise mit hilfe von allegorien und materiellen u. ideellen bildern zu erobern, zu okkupieren, zu gestalten, um es doch wieder anzugreifen, in verschiedene zeitgitter zu bringen, um es und das gesternheutemorgen auszuhalten u. mit neuen facetten eine ertragbare welt aufzubauen, die aber wieder nur trotz mehrsamkeit des ichs alte traumabilder u. bedrohliche figuren u, szenarien noch bedeutsamer, skuriller u. tragik-komisch plastiziniert u. ein ensemble von für das erzählichich nur schwer einordbaren körper-seele-geist-wahrnehmungen entstehen lässt, welches vom überwältigten, aufsteckenden, abwehr geschwächten, im wir versteckten ich nur mit der selbstaufgabe, mit dem eigenen auslöschungsbefehl, der selbstliquidierung ertragen werden kann.

gern gelesen

grüße

rivus
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Re: dann erschieß mich doch

Beitragvon Anna Lyse » Do 04 Feb, 2010 23:34


lieber rivus,

danke dir sehr für diese warhaftig gewaltige interpretation. deine kritik bzw deine sicht des ganzen ist besser geschrieben als mein text. muss ich einfach sagen weil der text, nun ja ich kann dir eigentlich nicht viel zu ihm sagen :) weil ich selbst nicht weiss was das soll. bin demnach wirklich überrascht dass es dir trotz der wirklich schwer zu lesenden form, keine interpunktion usw. gefallen hat.

was in mich eindringt. zunächst fängt mich jedoch die schießaufforderung u. ich denke mir die zeigefinger als verlängertes flintenrohr,


nenn mich bekloppt oder so aber das ist mir noch nicht in den sinn gekommen. obwohl sehr naheliegend. sollte mir echt zu denken geben oO wenn ich mich dem text jetzt so nähern würde könnte ich auch so einiges finden an gemeinsamkeiten. leider kann ich dir keine eigeninterpretation geben. weiss nicht ob das jetzt so gut kommt, aber ist einfach so. das ding ist zum teil ne übung, mehr nicht. hoffe das enttäuscht nicht.

deine sichtweise auf meinen text, war sehr spannend zu lesen. wirklich ein großes danke an dich. könnte mir helfen ihn vielleicht zu verstehen und mich anzunähern :) dein tiefer blick und die mühe auf texte auch diesem, einzugehen sollte schon gewürdigt werden.

gruß,
isa
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