Buchrezensionen, Vorstellung von Autoren, Schriftstellern und ihren Werken

Lyrik aus DDR-Zeiten

Beitragvon rivus » Fr 04 Dez, 2015 18:43


Inge Müller (1925 - 1966)

GEHN

Die Straße ist gerade und glatt
Auf dem Stadtplan und wenn ich so drüberseh
Wenn ich drauf geh
Fühl ich Kopfsteine unter den Sohlen
Bergundtal, klebrigen Teer
Ich wollte ein Brot und irgendwas holen
Da überfällt mich die Straße von überallher
Und wie das Kind vom Regenbogen
Bin ich um alles betrogen
Um die Ecke Urwald hinter Mauern Meere
Zwischen Straßenschildern Laternen und Gewehre
Überm Bahnhof eine Wolke schwarzgrau in Eile
Ein Schornstein schreibt Zeile für Zeile
Chronik der Stadt in den blauen Dunst
Formeln Farbe Schwarze Kunst
Aus der Halle unten die Raucherzeuger
Die Schornsteinbauer und Wolkenbeuger
Laufen um den Platz in der Straßenbahn.
(Poesieallbum 105. Berlin,1976)
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