Humoristische Geschichten, Satiren

Klasse A

Beitragvon Sagahock » Mo 21 Dez, 2009 23:13


Zwölf Verrückte, zusammengepfercht in einem ehemaligen winzigen Gebetszimmer, und der damit einhergehende Wahnsinn.

Zum Einen hätten wir da Sofie (die sich selbst Zopf nennt und jedem, den sie sieht, auf den Arsch haut – auch sich selbst). Sie ist so etwas wie das Non-plus-ultra für den Typ Mädchen, der immer lieb tut und hinter deinem Rücken alle Fäden in der Hand hält. Und ehrlich gesagt, sie ist mit Abstand die Fröhlichste und Verrückteste in der Klasse – springt mitten in der Stunde auf, schreit laut „Scheiße“ oder „Hurra“, und ist sich auf Nachfrage des Lehrers um kein Gelächter verlegen. Hm.
Ich erinnere mich noch, sie wollte einmal ihre Sitznachbarin zum Schweigen bringen – das „Heast halt amal die Pappn“ hat der Lehrer dummerweise auf sich bezogen. Folge: Gelächter, einseitig.

Sofie ist befreundet mit Liz (die es schafft, Unberechenbarkeit in höchster Vollendung zu leben), Cathrine (die sich in den letzten Jahren unglaublich entwickelt hat, vom Klassenstreber zur Partysau; deren erster Freund ein besoffener Student auf einem Grillabend war – nur für den Grillabend; im Nachhinein war die Geschichte schnell vergessen, meine Klasse ist Meister darin, Ereignisse zu vergessen, außer, sie betreffen mich) und Julia (die tatsächlich von allen Lehrern geliebt wird – ihre Stimme ist wirklich so zart wie geschmolzene Butter, was Lautstärke und Intensität betrifft, aber von ihren Worten höre ich immer den Hohn tropfen, und dann frage ich mich jedes Mal, warum Lehrer nicht in der Lage sind, Spott zu erkennen, wenn er sich groß und mächtig vor ihnen aufbaut; da kommt zum Beispiel ein „Schöner Pullover, Herr ’fessor“, und schon bedankt sich der Angesprochene freundlich, während sich der Rest der Klasse vor Lachen am Boden windet und ich mich – mal wieder – frage, warum eigentlich alles, was Mädchen tun, von den Leidensgenossinnen mit Beifall kommentiert wird, selbst wenn sie es selbst nicht lustig finden).

Dann wäre da noch Claire. Claire kenne ich schon seit einer Ewigkeit, und alles, was sich verändert hat, ist, dass sie jetzt, um ihrer Schwester gerecht zu werden, zu so ziemlich allem entschlossen ist; irgendwann muss ich da einen gewaltigen Sinneswandel verpasst haben …

Claire gehört im Übrigen zur Gruppe der Sozialförderer, gemeinsam mit Rèse (die sich für das Salz der Erde hält, und jedem Lehrer einen Schleimschleier webt – abgesehen von unserem Physikprofessor, den sie mit einer solchen Respektlosigkeit behandelt, dass man eigentlich nur den Kopf schütteln kann [außer man gehört zu den „Anderen“ und muss daher zwangsläufig über jeden noch so dummen Scherz lautstark lachen]; man könnte natürlich hinzufügen, dass unser Physikprofessor eine Seele von Mensch ist und daher mit Humor antwortet, aber manchmal fragt man sich, wie viel Dummheit eine Person ertragen kann, bevor sie mit einem großen Hammer [z.B. Vorschlaghammer im Hinterzimmer, haha] alles zu Brei schlagen muss – und wenn man dann sich erschreckend schnell dem Grenzwert annähert, hat man ziemlich bald Angst ums eigene Überleben) und Krista (die im letzten Jahr Schulsprecherin war, ebenfalls enorm von sich überzeugt ist, hochbegabt, relativ hübsch und eine Hohepriesterin des Sarkasmus in ihren allerfrühesten Anfängen ist).

Neben diesen beiden Gruppen gibt es noch eine dritte, die Gruppe Angela (die sich noch nie einem Burschen auf mehr als einen Meter genähert hatte, bevor wir sie gezwungen haben, in die Tanzschule zu gehen; die wirklich nichts Anderes tut, als zu lernen, am liebsten dann, wenn sie eigentlich nichts lernen müsste; die Alkohol und Zigaretten für das absolut Schrecklichste hält, was die Welt da draußen zu bieten hat; die in allen Fächern noch vor Semesterende auf einem festen Sehr Gut steht und in Tränen ausbricht, wenn es einmal nicht so ist; die nicht mit der U-Bahn fährt, weil da drinnen so viele böse Menschen sind und es außerdem so unglaublich dreckig ist; die sich noch nie in ihrem Leben geschminkt oder die Nägel lackiert hat; die wir noch nie mit offenen Haaren gesehen haben; die man, beim besten Willen, nur als lieb-naiv bezeichnen kann; und die sich schnäuzt, als ob es um ihr Leben ginge, mit einer eindeutig stetig steigenden Amplitude und Frequenz), Louise (die mehr Freunde unter den Pferden hat, als unter den Menschen, und deren Witzigkeit … ähem … verborgen in ihrem Innersten schlummert – wenn sie sich schnäuzt, klingt das wie ein gedämpftes Händeklatschen [und fragt nicht, wie sie das macht – ich habe es selbst oft genug ausprobiert, es geht nicht]) und Sófia (mit der man sich einigermaßen normal unterhalten kann, die aber nicht unbedingt besonders geistreiche Reden schwingt).

Diese drei Gruppen ziehen übrigens mit tödlicher Sicherheit mehrmals am Tag übereinander her – meistens begebe ich mich dann schnell aus der Klasse, bevor ich mich durch ein Wimpernzucken zu einer Seite zugehörig bekenne…

Lieblingsopfer der Klasse (natürlich nur hinter ihrem Rücken; in ihrem Beisein ist sie seltsamerweise immer total witzig und beliebt, offensichtlich) ist Katta (sie ist die Klassenschlechteste, die, die immer am Reden ist, egal welche Uhrzeit, Lautstärke oder Thematik, und die sich bei allen ins Vertrauen schleicht, um sie früher oder später zu verraten, heulend zu einem zu kommen, sich tausendmal zu entschuldigen und dann für ihr Elend bedauert werden will; sie ist außerdem ausgesprochen durchsetzungsfreudig, will heißen, sie lässt keine andere Meinung zu, als ihre eigene, und ist außerdem eine Lügnerin, wie sie selten auf diesem Planeten gesichtet wurde [eben was Mimik, Glaubhaftigkeit und Einfallsreichtum angeht]).

Und ganz zum Schluss wäre da noch ich, Last Man Standing – naja, ihr kennt mich ja; ich weiß echt, wovon ich rede.
Lebensmotto:
"Gerate niemals überstürzt in Wut - du hast genug Zeit." - Ralph Waldo Emerson
Sagahock
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