Geschichten rund um Liebe, Familie oder Freundschaft

Kleine Karos

Beitragvon cube » Sa 05 Feb, 2011 21:12


Hier hatten die Dinge ihre Ordnung. Die Fransen des Teppichs waren stets glatt gestrichen, jedes Möbel stand seit Jahrzehnten auf demselben Fleck. Wie die mit dem Messer verzierte Butter und der milchgefüllte Blümchenkrug im Kühlschrank. Auch Asta hatte seine Plätze. Auf jedem der sechs Sitzarrangements war es ein anderer, je nachdem, welche Mahlzeit eingenommen wurde, ob Fest- oder Alltag war.
Aber überall saß er kerzengerade, das Haar ordentlich zur Seite gescheitelt, in den Hemden mit den kleinen Karos, die Frau Mutter so sehr an ihm liebte. Mit keinem Schmuck außer frischgeschruppten Händen und penibel geschnittenen Nägeln, sauberen Öhrchen und Rauscheengelwangen - vom Artigsein oder Gekniffenwerden. Denn Sauberkeit und Ordnung schmücken einen Jungen am besten – manchmal kniff sie tatsächlich seine Wange, wenn sie das sagte.
Eines Abends saßen Frau Mutter und der Alte nebeneinander auf der Couch, sie blätterte in einem Katalog für Kindermode, er guckte irgendwas mit Sport. Asta saß weiter weg, vor dem Kamin, und baute an einer Burg aus kleinen Plastiksteinen. Trotzdem hörte er Frau Mutter sagen: "unser Junge würde auch ein tolles Modell abgeben."
Am nächsten Tag sah er selbst durch den Katalog und fand, dass Frau Mutter Recht hatte. Lauter kleine Jungs wie ich, dachte er. Hübsch, ordentlich, sauber. Er kratzte an einem Jungen, um zu sehen, was hinter der glänzenden Oberfläche war. Aber da war nur die nächste Seite mit demselben Jungen in anderen Anziehsachen. Er legte den Katalog zurück und baute weiter.

Asta war Kronprinz und einziger Untertan. Seine manikürten Hände lagen vor den Mahlzeiten im gewünschten Abstand zum Teller, parallel, wie es sich gehörte, immer an derselben Stelle, die Handgelenke am Tischrand abgestützt, wenn er gerade keinen Bissen nahm, als würden sie dort magnetisch festgehalten. Frühstück, Mittag, Abendbrot. 8:30, 12:30, 17:30. Tagein, Tagaus, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr. Allmahlzeitlich wurde er vom Alten über das Leben belehrt, während Frau Mutter die Exzellenz im Detail suchte. Nie ist etwas exzellent, alles ist verbesserungswürdig. Das äußerte sich im Herumzippeln an Hemdkragen und -ärmel, in dem millimeterweisen Verschieben des von Asta aufgedeckten Bestecks und Geschirrs, oder der Korrektur seiner Gabel- oder Handhaltung. Sitz gerade! Halt die Gabel ordentlich! Krempel den Ärmel runter! Nimm die Ellbogen vom Tisch! Asta stellte sich dann vor, einer der kleinen Plastikritter von seiner Burg zu sein, klappte sein Visier runter und zog in den Kampf gegen das fehlerhafte Detail.

später, Jahre

"Ich muss gehen", sagte Asta beim Abendbrot, während der Alte über korrekte Lebensweise dozierte. Frau Mutter sekundierte mit Details und Zustimmung, warf ab und zu ein Stichwort in den Redefluss und aus den Augenwinkeln begehrliche Blicke auf Hemdkragen und Handhaltung. "Ich muss gehen", sagte er noch einmal.
"Wohin?", fragte Frau Mutter.
"Ich weiß nicht", log Asta, "... um die Häuser."
"Du lügst", stellte der Alte fest. "Du willst zu den beiden. Dorthin gehst du nicht, die sind nicht der richtige Umgang für dich. Die sind verdreht."
"Ach Vater, red nicht so", sagte Frau Mutter und legte dem Alten eine Hand auf den Arm. Asta stand auf, brachte sein Geschirr in die Küche und zog sich an. Er hörte einen Stuhl über das Parkett schubbern und sah bald die Füße des Alten am Rande des Sichtkreises auftauchen, während Asta die Schnürsenkel band. "Du wirst nicht gehen", sagte der Alte, leise und fest.
"Ich bin sechzehn", antwortete Asta und machte die zweite Schleife. "Und werde mich von dir nicht einsperren lassen."
"Sieh mich an und sag noch einmal, dass du nicht tun wirst, was ich sage", sagte der Alte. Asta stand auf, ohne den Alten anzusehen, und drängte an ihm vorbei, der den schmalen Flur mit seinem kräftigen Altmännerkörper versperrte. Rempelte ihn ein kleines Stück zur Seite. Hart fasste der Alte Asta an und hielt den schon halb Davongekommenen zurück. Asta versuchte die Hand abzustreifen, aber sie war fest wie der Schraubstock, den der Alte manchmal spannte, wenn er in der Werkstatt war und etwas reparierte. Asta versteifte sich, ballte unwillkürlich die Faust.
Schnelle Schritte flogen über Parkett, Teppich und Dielen. Frau Mutter kam und hielt den Alten an der Schulter. "Lass ihn", sagte sie begütigend, "er will bestimmt nur um die Häuser."
"Der weiß, wo er hin will. Der lügt doch", sagte der Alte, ließ aber los. Wortlos und ohne einen Blick zurück ging Asta aus dem Haus.
Und schwor sich auf dem Weg, dass er es den beiden heimzahlen würde, die Jahre der Knechtschaft, diese hässliche Konstellation, zwei Alte gegen ihn, den Jungen, der zufällig ihr Kind war, in diesen toten Räumen, mit diesen engen Horizonten, wo die Minuten sich mitunter zu Stunden dehnten, seit sechzehn Jahren, er hasste sie, diesen Ort und dieses Leben, in das Frau Mutter ihn gepresst hatte. In eine Umgebung, die lebensfeindlich war, starr und voll kleinlicher Kontrolle und Rechthaberei.
Seine Freunde versuchten ihm an diesem Abend seinen Hass auszureden, wollten sie zur Wut erklären, die verrauchen würde, aber Asta ließ sich nicht überzeugen. "Seit sechzehn Jahren", sagte er, "bin ich ihnen ausgeliefert in diesem Lebenskampf, der meine ganze Lebenszeit andauert, in der ich ständig beobachtet und korrigiert werde. Das ist Dressur, um mich gegen mich einzunehmen. Um dem, was ich sein könnte, mit ihrem Falschheitskorsett die Luft abzuschnüren. Ich werde es ihnen irgendwann heimzahlen."

später, Monate

"Du wirst mehr Aufgaben übernehmen müssen", sagte der Alte beim Abendbrot. "Unsere alten Herzen schaffen das einfach nicht mehr. Wir haben lange und hart gearbeitet, damit es dir gut geht und du in einem schönen und geordneten Haushalt aufwachsen kannst. Jetzt musst du etwas mehr für uns tun. Wir verlassen uns auf dich."
Zwei Herzinfarkte in einem halben Jahr, fair zwischen dem alten Ehepaar aufgeteilt. Das muss Liebe sein. Asta war beide Male dabei gewesen und hatte einmal sogar den Krankenwagen rufen müssen, weil der Alte bei einem Geschäftsessen gewesen war. Er war wegen beider Infarkte in großer Furcht um die Leben des Alten und von der Frau Mutter gewesen, und hatte sich danach wie ein dressierter Affe gefühlt. Der im Moment, auf den es ankam, von seiner Wut alleingelassen worden war.
Asta nickte. "Sag mir, was zu tun ist."
"Der Dachboden muss in Augenschein genommen werden", sagte der Alte. "Ich habe es sonst selbst getan, das weißt du, aber mit meinem halben Herz kann ich die Kisten nicht mehr heben. Sichte, was da ist, und erstelle Inhaltslisten. Die können wir dann mit den alten Listen abgleichen und prüfen, ob alles seine Richtigkeit hat."
Die Kisten. Fotos, Geschirr, Bücher, Schallplatten, Kleidung, Zeitungen. Alles thematisch geordnet und inventarisiert.
"Ja, mach ich", sagte Asta. "Ordnung muss sein."
"Hat sich der ganze Ärger mit ihm vielleicht gelohnt", sagte der Alte. "Der Junge könnte doch zu etwas zu gebrauchen sein." Beide lächelten ihn an, milde und einig, wie er sie noch nie gesehen hatte, wenn es um ihn ging. Sein Magen zog sich zusammen.

später, Tage

"Kiste 212a, Zeitungen und Zeitschriften mit interessanten Artikeln Januar bis Mai 1996", las Asta den Aufkleber, warf einen Blick in die Kiste, und hakte sie auf seiner Liste ab. "Kiste 212b, Zeitungen und Zeitschriften mit interessanten Artikeln Juni bis Dezember 1996." Asta kontrollierte gähnend den Inhalt und hakte auch diese Erinnerungskiste ab.
"Kiste 213, Geschenke von entfernten Verwandten, zum eventuellen Weiterverschenken. 1992 - 95" Asta öffnete die nächste Kiste und schaute die Geschenke an: Ein steinhartes Lebkuchenherz, ein Räuchermännchen, eine Kuckucksuhr. Hakte alles ab. Den Knigge hielt er einen Moment in der Hand und überlegte, wer sich da einen Spaß erlaubt haben könnte. Lief unter Sachbuch. Abhaken.
Der Alte hatte noch drei Fotoalben verzeichnet, die fand Asta rechts, unter der Kuckucksuhr. Dafür war in der Foto-Kiste wohl kein Platz mehr, dachte Asta und durchblätterte ein Album in dem schwachen Licht des Dachbodens.
Fotos vom Haus, Exemplare der Steinsammlung des Alten und Gestecke aus getrockneten Blumen der Frau Mutter. Der Alte mit Asta auf dem Arm. Frau Mutter mit Asta auf dem Arm. Der Alte mit Frau Mutter. Asta. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Immer die gleichen Motive. Alle drei Monate wurde alles einmal abfotografiert. Er blätterte die anderen Alben durch.

Im dritten Album waren ein paar Motive von einem Sommertag vor vielen Jahren, an den die Erinnerung mit Kraft zurückkehrte. Asta übte mit seinem Holzschwert fechten, während der Alte mit nacktem Oberkörper in der prallen Sonne stand und Baumaterial zusägte. Asta blickte immer wieder vom Spiel auf; sah das Spiel der knotigen Muskeln, den verschwitzten Oberkörper, das entschlossene Gesicht des Alten.
Im Dämmerlicht, weit nach dem Abendbrot, wurde Asta nach draußen geholt. Der Alte zeigte, was er für Asta im Schweiße eines langen Nachmittags geschaffen hatte: Auf der alten Platane schien etwas im Dreivierteldunkel zu hocken, mit einem großen schwarzen Loch in der Mitte: Ein Baumhaus, erkannte Asta beim zweiten Blick, zu dem eine Strickleiter führte.
Asta stand skeptisch vor dem zusammengezimmerten Unterschlupf, dem man offensichtlich in den Rachen steigen sollte. Sagte leise "danke" zum Vater, ging vorsichtig näher und kletterte die Leiter hinauf. Am Eingang versprach er, ihm nie das Schwert in den Gaumen zu rammen, wenn er in seinem Maul sitzt. Dafür sollte es nichts weiter tun, als das Maul offen halten und die Zunge hängen lassen. Das Baumhaus erhob keine Einwände, wodurch der Handel für Asta perfekt wurde. Beide Seiten hielten sich an die Abmachung und Asta baute von da an seine Burgen im Mund des wohlwollenden Monsters mit der heraushängenden Zunge, wann immer es ging.

Mehr noch als die Fotos betrachtete Asta das Licht und seine Reflektionen. Die Finger glitten über die Folie, fassten den Einband des Albums, streichelten den Albumrücken. Alles soll bewahrt bleiben, erinnerte er einen Spruch des Alten, und blickte über die Kisten.
Beim Drübergucken fühlte er dieses Archiv etwas bedeuten und für einen Moment schwindelte ihm. Asta schloss die Augen, roch den Muff und ahnte auf einmal den Geist, der hinter dieser Bewahrungskampagne stand. Den blinden Glauben, das Leben müsste konserviert werden.
Und dann, auf einmal - die Erhebung im Albumrücken. Asta tastete die Irritation ab. Eine minimale Veränderung der Haptik, ein kleines Plateau, von Glattheit eingegrenzt. Er drehte das Fotoalbum um und inspizierte den Rücken. Da war ein Teil aufgetrennt und mit Klebestreifen später wieder aufgeklebt worden, erkannte er beim genauen Hinsehen. Das passte ihm nicht auf diesen Erinnerungsfriedhof, diese kleine Unordnung war fremd. Faszinierend. Asta puhlte das Versteck auf, klappte den so entstandenen Deckel um und sah – Fotos.
Frau Mutter in ihrem Lieblingskleid. Das Gewagte, wie der Alte einmal gesagt hatte. Kniekurz und mit großen roten Punkten auf weißem Grund. Das hatte sie zu Astas Geburt geschenkt bekommen. "Mein Glückskleid!", hatte sie einmal gerufen. Dazu eine rote Schleife im Haar und rote Lackschuhe mit flachen Absätzen.
Frau Mutter tanzte eng mit einem Mann mit Oberlippenbart, den Asta noch nie gesehen hatte. Küsste ihn auf einem anderen Bild. Nicht auf die Wange, sondern auf den Mund. Nicht zurückhaltend, sondern leidenschaftlich. Auf dem letzten Foto standen Frau Mutter und der Fremde Arm in Arm vor einem imposanten Gebäude, das Asta bekannt vorkam. Durchnummeriert waren die Bilder und mit Daten versehen. Zum Beispiel dem Tag der Aufnahme: 22.2.1992. Er steckte die Bilder in sein Hemd, legte das Album zurück und machte weiter mit den Kisten 214 – 225.

In Kiste 219 waren die Terminkalender der beiden. Ordnung muss sein, dachte Asta, und kontrollierte sie. Beim Alten fand er eine Geschäftsreise nach Polen vom 15. - 28.2.92 notiert. Frau Mutter war im selben Zeitraum verreist. Der Fremde hieß Tina, wie Frau Mutters weiche Handschrift behauptete, und das riesige Gebäude stand in einem Dorf namens Klein-Zuchow, wo Frau Mutter Reiten war.

selber Tag, abends

"Reichst du mir mal bitte die Tomaten?", fragte Frau Mutter. Asta gab die Tomaten und sah zu, wie sie dünne Scheiben abschnitt. "Kann ich helfen?", fragte er. Sie schüttelte den Kopf. Es sei ausreichend, wenn er das Gemüse reiche. "Warst du eigentlich in Ungarn oder Bulgarien damals?", fragte er. "Ich bringe die beiden Länder gerne mal durcheinander." Etwas wie ein Schatten lief über Frau Mutters Gesicht. "Was soll ich denn dort gemacht haben?", fragte sie.
"Du hast doch mal erzählt, dass du dort Urlaub gemacht hast", behauptete Asta. "Das muss kurz nach meiner Geburt gewesen sein."
"Blödsinn", sagte sie nach wenigen Momenten. "Ich war nur einmal allein im Urlaub. Bei einer Freundin, Reiten. Sonst waren Papa und du immer dabei. Wie kommst du überhaupt darauf?", fragte sie.
"Mir ist, als hättest du es vor ein paar Jahren mal nebenbei erwähnt", Asta schien zu überlegen ,"und das fiel mir heute wieder ein, als ich die ganzen alten Kisten kontrolliert habe. Aber vielleicht täusche ich mich ja auch", ..., "hattest du nicht damals dein Lieblingskleid an, rote Punkte auf weißem Grund?"
Frau Mutter erbleichte. Schüttelte den Kopf und verlangte die Gurke. Asta reichte sie und sagte, dass er etwas verwechselt haben müsse. Frau Mutter zerschnibbelte die Gurke in erstaunlicher Geschwindigkeit zu feinstmöglichen Scheiben. Dekorierte immer abwechselnd eine Tomaten- und eine Gurkenscheibe auf den Teller und herrschte Asta an, dass er gefälligst mithelfen solle, nicht nur stehen und zusehen.

Am Abendbrottisch beobachtete Asta verstohlen seine Eltern und überlegte, wie sich die Szene verändern würde, wenn er Mutter auf die bärtige Tina ansprechen würde, und, im nächsten Satz, aufs Reiten. "Gerade sitzen!", unterbrach die sein Gedankenspiel. Asta straffte sich unwillkürlich, knirschte mit den Zähnen und tippte gegen die rechte Hemdtasche, in der die Bilder waren. Dann lächelte er, nickte ihr dankend zu, und aß weiter.
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Beitragvon rivus » Fr 11 Feb, 2011 01:05


hi cube,

mir hat besonders die zeitdrängung gefallen. am ende bleibt die story offen u. doch scheint es nicht mehr weit zu sein bis zum verlust der selbstbeherrschung, obwohl asta vielleicht das mütterlich tradierte auch fortführt u. seinerseits nun eine münchhausiade korsettianisch fortlebt oder fortzerstört?

die kleinen karos symbolisieren für mich schon am anfang das neurotische ende. asta hat kaum eine entwicklungschance und so wird er mehr und mehr einkariert, eingeengt, zugeordnet. die karos ermöglichen aber lauter kleine parallelwelten. als das leben ein schlupfloch findet u. asta das mütterliche geheimnis für sich aufdeckt hat er plötzlich wieder neue trumpfkarten in der hand, die er vermutlich zu gegebener zeit auch ausspielen wird. seine ursprüngliche ohnmacht gegenüber die elterliche willkür u. seinem untertanseinsollen, hat sich in ein überlegenheitsgefühl gewandelt. die rollenfixierung kann verlassen werden, egal welches szenario schlussendlich eintreten wird.


gern gelesen

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Beitragvon cube » Fr 11 Feb, 2011 11:25


boar rivus, you made my day! ich denk mir ja was bei manchen geschichten, also diese ist eine davon. ich habe befürchtet, dass das, was ich hier hineingedacht habe, so nicht sichtbar wird.

seine ursprüngliche ohnmacht gegenüber die elterliche willkür u. seinem untertanseinsollen, hat sich in ein überlegenheitsgefühl gewandelt. die rollenfixierung kann verlassen werden, egal welches szenario schlussendlich eintreten wird.


exactement, monsieur! das ist für mich der kern der geschichte, die wandlung seiner rolle bei gleichzeitigem offenlassen, wie er reagieren wird.

vielen dank

cube
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Beitragvon Anna Lyse » Sa 12 Feb, 2011 13:31


hey cube,

habe mich gestern mal drangesetzt und mir diese geschichte durchgelesen. ich gestehe dass ich oftmals keine geduld für lange texte aufbringen kann, ausser es befindet sich in meiner hand und ich habe die möglichkeit umzublätter usw.
deine geschichte hat mich aber mitgerissen, sodass es sogar ein leichtes war das ganze in einem zug zu lesen. ich würde jetzt nicht sagen dass es spannend war...aber es war sehr unterhaltsam. so ein dahingeriesel. schön auch dass man sich alle figuren in deiner geschichte so gut einverleiben konnte, dieser asta war vor meinem inneren auge sehr präsent und das hat mir sehr gut gefallen!

rivus sprach ja schon diese zeitliche einteilung an. auch mir hat das zugesagt auch wenn es vorhersehbar war, es hat dem ganzen noch einen tick mehr zwanghaftigkeit gegeben, so wie die ganze geschichte zwänge und dergleichen beinhaltet. auch diese karos sind ein ebenso treffendes bild dieser neurosen, welche von dir wirklich gut geschildert wurden.

am ende war ich zwar ein bisschen verwirrt und auch musste ich den letzten abschnitt mehr als 3 mal lesen bis ich dem schluss folgen konnte. ich versuche mir die geschichte gerade als fortsetztungsgeschichte vorzustellen, erst dachte ich das wäre eine grandiose idee, doch jetzt denke ich man würde sich sehr schnell sattlesen - so ist es dann doch viel runder.

ein nettes kleines ding hast du hier geschrieben cube.

lg,
isa
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Beitragvon cube » So 13 Feb, 2011 22:52


he isa

klasse, dass dich der text mitgerissen hat, obwohl du so lange sachen normalerweise nicht liest am bildschirm - da freu ich mich besonders, ebenso darüber, dass die charries lebendig wirkten!
ja das mit dem ende, ich finde das bei prosa manchmal schwierig, beim schluss den spagat zwischen kryptisch und offensichtlich hinzukriegen, den leser fordern möchte ich schon, aber verwirrt soll ja keiner sein ........ aber ihr habt es ja alle gekriegt, das ende und die geschichte im ganzen, und habt beide viel hineindetailliertes herausgelesen. dreimal lesen ist nicht so schlimm, dann ist die geschichte an dieser stelle eben ein bisschen widerständig ...... wie geschrieben, ich habe da ein weilchen dran gebastelt, deswegen war ich doppelt froh, dass es anscheinend funktionieren kann.

herzlich
cube
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Beitragvon atti » Mo 14 Feb, 2011 12:30


Hallo der Herr,

habe mein "Ich lese nicht(s)." überwunden/behaupte es.

Hat mir gefallen deine Geschichte. Gutes offenes Ende. Lässt mir meine Phantasie, dass er einfach nichts tun wird, als die Bilder heimlich zu behalten. Als Guckloch in den Karos könnte es schon genügen. Gefängnisausbrüche sind schließlich selten.

Ähm.

Er kratzte an einem Jungen, um zu sehen, was hinter der glänzenden Oberfläche war. Aber da war nur die nächste Seite mit demselben Jungen in anderen Anziehsachen.


Das ist groß. Stellt die Möglichkeit einer Veränderung schon früh in Frage.

Viele Grüße
i wrote a poem on a dog biscuit
and your dog refused to look at it
(galaxie 500: fourth of july)
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Beitragvon cube » Di 15 Feb, 2011 23:15


Guten Abend atti

Auch auf diese Lesart hoffte ich: Dass er, der die Chance zur Rache nun hätte, sie nicht nutzt. Und nicht die Mauern der Gefängnisburg zum Einsturz bringt. Wenn die Geschichte ein Text-Adventure wäre, würde ich ihn diesen Weg gehen lassen. Dass hier so viel herausgefunden wird - teils Sachen, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Klasse.

Das mit dem Bild hinter dem Bild fand ich so ein passendes Bild. Keine Tiefe, nur Fläche an Fläche auf Hochglanzpapier.
Danke fürs "groß" - ich werde mein Rührei gleich außer mit Salz und Pfeffer noch mit einem Hauch Übermut würzen! :D

Schön, dass du her gefunden hast.
Bis dann.

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