Gedichte, die gesellschaftliche oder politische Themen behandeln

friedenspfeife

Beitragvon Perry » Mi 21 Sep, 2016 18:05


auf der wiese hinter
der flüchtlingsunterkunft
spielen kinder cowboy und indianer
ein kurdisches mädchen
ist winnetous schwester
ein syrischer junge buffalo bill

die kühe von nebenan sind
eine büffelherde der alte
apfelbaum dient als marterpfahl
um den sie bis zur erschöpfung
krieg tanzen schließlich versöhnt
schokoriegel kreisen lassen
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Re: friedenspfeife

Beitragvon findefuchs » Fr 23 Sep, 2016 10:05


Hallo Perry, erst dachte ich, das Teil sei von Yoko Ono. Nein, Du hast Dir den Glauben an eine friedensmöglichheile Kinderwelt erhalten, wo der Krieg weggelacht und schokoladig abgemildert wird. Leider glaube ich nicht, dass es das gibt. Gerade Kinder haben sensible Antennen für die Wahrheit. Sie wissen, wo sie leben in den Lagern. Sie fühlen die Realität. Selbst im Spiel, bleibt ihre Gewissheit über ihr Schicksal präsent. Ließe man sie allerdings wählen, hätten sie unkonventionelle, verblüffende Lösungen für Konflikte. Da gebe ich Dir recht, nur sind wir in dieser Welt zu weit davon entfernt und deswegen muss man aufpassen, dass solche, im Grunde hoffnungsvoll gemeinte Texte, nicht leicht kitschig anmuten. Gruß. finde
Als ich des Suchens müde wurde, erlernte ich das Finden.
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Re: friedenspfeife

Beitragvon Perry » Fr 23 Sep, 2016 14:25


Hallo finde,
wenn wir den Glauben an die Zukunft der Menschheit nicht verlieren wollen, sollten wir das Vertrauen in die Kinder und künftigen Erwachsenen nicht aufgeben. Dazu brauchen wir aber eine Welt, in der sich Kinder frei entwickeln können. So gesehen ist der Text mehr ein Hoffnungsbild im Sinne von "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ..." oder "Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin".
Danke für deine Sicht und LG
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Re: friedenspfeife

Beitragvon vakuum » Do 29 Sep, 2016 18:06


Hallo Perry, was für eine schöne Vorstellung: Man merkt, welche Generation hier schreibt, wie viele Jahre Leute wie Du und ich schoh auf dem Rücken haben. Cowboy und Indianer, Räuber und Gendarm - schon fast unbekannt unter den Kindern heutzutage. Ich wollte, dass irgendwo in unserem Lande noch so harmlos gespielt würde. Mein Jüngster ist 11 - und leidet darunter, dass von seinen Kameraden KEINER mehr Lust hat auf Rollenspiele draußen in Wald und Flur. Und wir leben mitten in der bayerischen Pampa, auf einem Kuhdorf.
Flüchtlingslager: Bist Du Dir sicher, dass nicht auch dort schon die Kinder von Smartphone und Spielkonsole träumen?

Ich kann mir glücklicherweise noch gut in Erinnerung rufen, wie wir vor über 40 Jahren unsere Freizeit zugebracht haben, als elektronisches Spielzeug noch unkomponierte Zukunftsmusik war. Aber ganz ehrlich: Ich möchte NICHT werden, wie die Kinder heutzutage sind - bin dicht genug dran an dem Thema und sehe die Entwicklung ziemlich kritisch.
Dennoch schön, durch Deine Zeilen daran erinnert zu werden, dass es auch mal eine Zeit ohne Internet, PC, Smartphones und Spielkonsolen gab. Kaum zu glauben...
LG
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Re: friedenspfeife

Beitragvon Perry » Do 29 Sep, 2016 20:32


Hallo Vakuum,
ich kann deine Lesart durchaus nachvollziehen, aber lyrisches Schreiben will mehr als nur berichten. ;)
Meine Intention war die Spiele meiner Generation mit Kindern von Heute zu besetzen, die Bilder also zu überlagern.
Krieg-Spielen ist einst wie heute Bestandteil der Kindheit, geändert haben sich nur die Spiele bzw. Spielplätze.
Doch während Kinder in der Lage sind sich am Ende wieder zu vertragen, haben wir Erwachsenen immer noch Probleme
unseren Egoismus zu überwinden. Der Satz "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ..." verhallt also nach wie vor, also
sollten wir wieder aufleben lassen.
LG
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Re: friedenspfeife

Beitragvon vakuum » Fr 30 Sep, 2016 11:46


Hallo Perry, bin eigentlich ganz bei Dir. Doch mir ist im Laufe der Jahre meine "Unschuld", mein Glaube an das positive Ende der Menschheit abhanden gekommen.
Das war nicht immer so - als Teenager, der mit Punk und erstem grünen Bewusstsein aufwuchs, schien mir alles möglich: Dass wir aus Fehlern lernen, dass ideologische Betonköpfe abgesetzt werden von Toleranz und Respekt, vielleicht sogar, dass wir werden wie die Kinder...
Nun, ich habe für mich den Eindruck, dass wir unsere Ideale geopfert haben auf dem Alter grenzenlosen Konsums. Der reine und ungezügelte Kapitalismus, von der Gründervätern der Bundesrepublik noch vehement abgelehnt, hat seinen Siegeszug fast schon abgeschlossn, und nicht erst seit gestern.
Wie sagt doch der Schauspieler Sean Connery so nett am Ende von "Jagd auf Roter Oktober"? 'Hin und wieder eine kleine Revolution tut ganz gut'...

Aber ich verstehe Deine Haltung durchaus - auch wenn es mir momentan nicht gelingt, mich darauf zu beschränken.
LG
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Re: friedenspfeife

Beitragvon Richard L. » Mi 05 Apr, 2017 18:51


Hallo Perry,
das Gedicht regt auf so vielen Ebenen zum Nachdenken an, sehr gut.

Grüße
Richard L.
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Re: friedenspfeife

Beitragvon Perry » Mi 05 Apr, 2017 20:32


Hallo Richard,
freut mich, dass Du den Text noch einmal aufgegriffen hast und dass er dich anspricht.
LG
Perry
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Re: friedenspfeife

Beitragvon Hices1956 » Do 24 Jan, 2019 11:19


Aber während die Kinder wieder miteinander auskommen können,
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Re: friedenspfeife

Beitragvon Perry » Do 24 Jan, 2019 20:52


Hallo Hices,
ich kann deine offene Frage verstehen, denn in der vergangenen Zeit hat sich die gesellschaftspolitische Lage eher verschlechtert als verbessert. Aktuell demonstrieren Schulkinder international für den Klimaschutz und was ist die behördliche Reaktion in Deutschland, die Kinder müssen die ausgefallene Unterrichtszeit nachholen.
Danke fürs Wiederaufgreifen und LG
Perry
PS: Zur Ehrenrettung ist anzumerken, dass in den Nachholstunden über das Thema diskutiert werden soll.
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Re: friedenspfeife

Beitragvon rivus » Mi 30 Jan, 2019 00:58


hallo perry,
schön hier wieder ein lebenszeichen von dir, auch wenn es dank Hices1956, nur ein replik ist. ach, hatte ich doch kürzlich eine diskussion, dass es den angeblich von menschenhand verursachten klimawandel gar nicht gibt, sondern er einfach nur von den medien gehypt wird. dazu käme die naivität von kindern, die von den grünen instrumentalisiert werden würde.all diese geplänkel um die klimaänderung seien nur ideologischer natur. der wahre klimawandel sei ein natürlicher prozeß und der einfluß des menschen bezüglich des klimawandels würde deutlich überschätzt.

fg
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Re: friedenspfeife

Beitragvon Perry » Mi 30 Jan, 2019 13:28


Hallo rivus,
ja es ist nicht mehr viel los in den Lyrik-Foren. Da ich in mehreren poste, habe ich zum Glück immer noch genügend Resonanz auf meine Texte. ;)
Der Verfall der Natur geht anscheinend Hand in Hand mit der Intelligenz des Menschen.
Ich denke, alle Kinder haben ein Recht auf eine Zukunft, deshalb sollten wir alles uns Mögliche tun, um die Veränderungen des Klimas nicht auch noch zu beschleunigen.
LG
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