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Mathe ist romantisch

Beitragvon anne von rosarot » Do 04 Dez, 2008 19:46


[mittig:12wepasj][size=85:12wepasj]
Sinus und Cosinus
in sanften Wellen
dahingleitend
sich alle 90° küssen

Zärtliche Brüche
sich in der Sprache der Algebra
auf einen Nenner begebend
zu etwas Ganzem vereinen

Die Wurzel der Zahl
das Quadrat abstreift
und sie danach
mit dem Vektor massiert

In der Liebesschaukel Parabel
aller Gesetze missachtend
dem Logarithmus
freien Lauf lassen

Zahlen addieren sich
subtrahieren gelegentlich die Kleidung
und multiplizieren sich ihrer selbst
bis sie sich dividieren
[/size][/mittig:12wepasj]
anne von rosarot
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Re: Mathe ist romantisch

Beitragvon Smilodon » Do 04 Dez, 2008 20:05


Hallo anne,

dein Mathegedicht lässtm ich an einen meiner ersten Schreibversuche denken, als ich Erotik von mathematischen Formeln und Figuren in einem Werk "Faszination Naturwissenschaft" habe ausführen wollen. Glücklicherweise habe ich nach dem dritten Kapiel aufgehört, als ich die Rundungen einer Parabel erotisiert habe, nachdem ich im zweiten Kapitel eine Liebeserklärung an die Zahl Pi abgeliefert habe :D

Warum ich das alles ausführe? Weil Mathematik in der Tat sehr viel mit Liebe zu tun hat, wie ich finde, vom Thema her find ich deinen Text also interessant, auch wenn mir die Umsetzung leider wenig gefallen hat.

Mathe ist romantisch

Das fängt schon mit dem Titel an, mit dem du quasi alles vorwegnimmst, was du in deinen Zeilen zum Ausdruck bringen möchtest. Da solltest du dir auf jeden Fall etwas abstrakteres, bildhafteres einfallen.

Weiter solltest du darauf achten, die Grammatik nicht zu sehr auszudehnen, also "Sinus und Cosinus in sanften Wellen dahingleitend sich alle 90° küssen" ist kein korrekter deutscher Satz, da sind wir uns hoffentlich einig. Natürlich verleitet die lyrische Form des Zeilenumbruchs oft dazu, sich über die Syntax hinwegzusetzen, aber wo genau ist der Unterschied zu "Sinus und Cosinus / gleiten in sanften Wellen dahin / und küssen sich alle 90°"?

In den nächsten Strophen ist es das
selbe.

Außerdem überstrapazierst du das Thema, find ich, also im Prinzip zählst du nur irgendwelche Beispiele dafür auf, warum Mathe "romantisch" ist, also irgendwann wird es langweilig, also spätestens nach der zweiten Strophe, wie ich finde. Vielleicht solltest du versuchen, das ganze mehr metaphorisch anzulegen, also als lyrisches Ich ein Du ansprechen... "Wir gleiten wie Sinus und Cosinus in sanften Wellen dahin und küssen uns alle 90°" - dann würde es glaub ich interessanter werden bzw. du würdest die bloßen hohlen Beispiele überwinden und den Text mit einem interessanten Inhalt füllen.

Ansonsten gleitest du spätestens in der letzten Strophe in ziemlich dämliche Klischees ab, die dir den ganzen Text endgültig kaputt machen:
Zahlen addieren sich
subtrahieren gelegentlich die Kleidung
und multiplizieren sich ihrer selbst
bis sie sich dividieren


Kennst du den blöden Mathematikerwitz:
"Wollen wir uns beide addieren, die Kleidung abziehen, die Beine teilen und uns dann multiplizieren"?

Fazit: Du hast in der Erotik der Zahlen usw. ein wie ich finde sehr schönes Thema bzw. Grundmotiv gefunden, aber bist an der Umsetzung leider gescheitert.

Ich hoffe, dir ein paar brauchbare Anregungen zum Überarbeiten gegeben zu haben,

liebe Grüße,
Smilodon
Menneskets hjertes tanke er ond fra barndommen av.
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Re: Mathe ist romantisch

Beitragvon anne von rosarot » Do 04 Dez, 2008 21:32


hallo
ich danke euch für eure sehr ausführliche kritik.

ich kann euch in den meisten punkten recht geben, vor allem was die letzte strophe betrifft die ist mir wirklich nicht sonderlich gelungen. aber den titel hab ich absichtlich so gewählt. genau mit dem ziel aufzuhorchen... mathe? romantisch? hmm?
ich werde es die tage nochmal überdenken und überarbeiten und vielleicht hier reinstellen

aber zu ernst ist der text nicht zu nehmen, er ist in einer sehr langen mathe leistungskurs doppelstunde entstanden und ich musste nebenbei noch dem stoff folgen. was jetzt natürlich keine entschuldigung sein soll ;)

ganz lieben gruß
anne
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