Gedichte, die gesellschaftliche oder politische Themen behandeln

schlagende fehlfarben

Beitragvon hginsomnia » Di 08 Sep, 2009 22:34


schlagende fehlfarben


weiß schlägt schwarz
(im einklang)

im wohlklang
sitzen sie

(vorsteher,
groß & farblos)

die tischgrenze
trennt farbwelten:

es grünt (& blaut)
der haushaltsplan

vor dem balkon
vergilbt es rot
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Re: schlagende fehlfarben

Beitragvon OlafmitdemTraktor » Di 08 Sep, 2009 22:55


hallo hginsomnia, was sich bei deinem gedicht "ichleben..." schon abzeichnet, wird hier bestätigt. eine große lust der kürzung auf das äußerste minimum wird hier zur schau gestellt. fast schon skelettiert erscheint der text. trotzdem erfährt der leser mittels des zentralen entschlüsselungs- wortes "haushaltsplan", dass hier die farbspiele der politik gemeint sein dürften. hier passt die knappheit im gedicht, um vor augen zu führen, dass es eigentlich nur um farben geht, nicht um inhalte und nicht einmal den farben ist zu trauen, deshalb auch im titel "fehlfarben". die erste strophe stellt durch die schachassoziation die taktik der farbgegner in den mittelpunkt.
zur letzten strophe erscheint bei mir das bild vom roten rathaus in berlin. und die geschichte der spd geistert durch meinen kopf.

soweit einige gedanken zu deinem text
verbleibe mit frdl. gruß OmdT
Der Schlüssel zum Glück ist auf jeden Fall ersteinmal ein Schlüssel. (Gregor Libkowsky)
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Re: schlagende fehlfarben

Beitragvon hginsomnia » Mi 09 Sep, 2009 13:01


Hallo OmdT,

hab Dank für deine schnelle (wirklich schnelle) Einschätzung des Textes. Viele wesentliche Gedanken sind darin bereits enthalten.

was sich bei deinem gedicht "ichleben..." schon abzeichnet, wird hier bestätigt. eine große lust der kürzung auf das äußerste minimum wird hier zur schau gestellt


Ja, bei meinen beiden bisher gezeigten Texten geht es mir um "Verknappung", das Weglassen, wobei der Zugang zu diesem hier sicherlich etwas einfacher ist, als der zu "ichleben ...". Dieser hier ist sozusagen mein Beitrag zum Bundestagswahlkampf (, soweit der irgendwann noch mal beginnt).

hier passt die knappheit im gedicht, um vor augen zu führen, dass es eigentlich nur um farben geht, nicht um inhalte und nicht einmal den farben ist zu trauen, deshalb auch im titel "fehlfarben"


Ja, da brauche ich sicherlich nicht viel zu sagen: So war es gemeint. Hier kommt eine der möglichen Deutungen von "fehlfarben" bereits vor, direkt auf den Punkt.

die erste strophe stellt durch die schachassoziation die taktik der farbgegner in den mittelpunkt.


Ebenso hier - Die Schachassoziation ist sicherlich deutlich und damit als erster Zugang zu verstehen. Auch hier passt deine Interpretation sehr gut.

zur letzten strophe erscheint bei mir das bild vom roten rathaus in berlin. und die geschichte der spd geistert durch meinen kopf.


Das ist witzig, beides, das rote Rathaus und die SPD schwebte mir tatsächlich u. a. bei der letzten Strophe im Hinterkopf.

Viele Dank für deine Beschäftigung mit dem Text:
Schnell, trotzdem bereits sehr präzise.

lg
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Re: schlagende fehlfarben

Beitragvon Drehrassel » Mi 09 Sep, 2009 13:20


interessanter versuch, den namen einer rockband zu metaphorisieren, bzw. die darin bereits erfolgte metapher ihrem kontext zu entreißen und in einem gedicht neu fruchtbar zu machen, ohne den offensichtlichen intertext dabei zu bemühen. das hat etwas schnippiges. nicht schlecht. - allerdings stehe ich auf der anderen seite wieder überhaupt nicht auf so lyrische versuche, texte sozusagen zu "verknappen", was mir hier bloß zu heißen scheint: einen gewissen "beitrag" zu leisten zu dem thema x oder y und eine art von sprachlichem bilderrätsel zu verantstalten, was scheinbar auch die hauptmotivation bei der generierung des gedichts gewesen war. - gut. wenn man die worte "haushaltsplan", "balkon" und "rot" in syntaktischer und textstruktureller nähe zu lesen bekommt, mag man gerne wie mit der nase darauf gestoßen worden sein, dass hier möglicherweise das sogenannte "rote rathaus" zu berlin skizziert worden sei. - allerdings, so what? - dein text hginsomnia reiht ein paar schnoddrige aussagen aneinander: das weiß schlägt schwarz. im wohlklang sitzen sie... die tische trennt farbwelten. es grünt und blaut...vor dem balkon vergilbt es... / das ist für meine begriffe eine etwas... naja plumpe technik der konzipierung poetischer bildhaftigkeit. /
dreimal selig, wer einen namen einführt ins lied!
- ossip mandelstam
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Re: schlagende fehlfarben

Beitragvon hginsomnia » Mi 09 Sep, 2009 13:44


Hallo drehrassel,

schön, die hast die Rockband erkannt,

allerdings stehe ich auf der anderen seite wieder überhaupt nicht auf so lyrische versuche, texte sozusagen zu "verknappen", was mir hier bloß zu heißen scheint: einen gewissen "beitrag" zu leisten zu dem thema x oder y und eine art von sprachlichem bilderrätsel zu verantstalten, was scheinbar auch die hauptmotivation bei der generierung des gedichts gewesen war.


"Verknappung" heißt bei mir "Verknappung" und nicht einen Beitrag leisten (Ich weiß, ich habs geschrieben, aber nur weils gerade passt).

dein text hginsomnia reiht ein paar schnoddrige aussagen aneinander: das weiß schlägt schwarz. im wohlklang sitzen sie... die tische trennt farbwelten. es grünt und blaut...vor dem balkon vergilbt es... / das ist für meine begriffe eine etwas... naja plumpe technik der konzipierung poetischer bildhaftigkeit. /


Du hast Recht, mein Text reiht schnoddrige Aussagen aneinander, die aber auch untereinander verzweigt sein können, und du hast Recht, ginge es mir um Bildhaftigkeit, wäre sie sehr plump dargestellt - mir gehts um Entschlackung und Assoziation.

lg
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Re: schlagende fehlfarben

Beitragvon hginsomnia » So 13 Sep, 2009 00:41


Hallo Drehrassel,

Auch wenn es, wie ich denke, immer einen fahlen Beigeschmack hinterlässt, zweimal und nicht zeitnah auf eine Kritik zu antworten, muss ich das in diesem Fall doch so tun, weil ich meine erste Antwort etwas (vor)schnell abgeschickt habe.

Was wahrscheinlich aus dieser überhaupt nicht zu erkennen ist, betone ich hier:

1.) Ich kann deine Kritik völlig nachvollziehen.
&
2.) Ich weiß selbst nicht, ob man das, was ich bezwecken wollte, so machen kann / darf.

Was der Text ganz offensichtlich nicht leisten kann und will, ist die Erzeugung einer poetischen Stimmung oder eines poetischen Bildes (, allerhöchstens eines einzigen mit der Gesamtheit aller Verse, aber auch das ist fraglich).

Der Text reiht Phrasen aneinander. Im günstigen Fall erkennt man darin den Stil einer Pressemitteilung / eines Wahlslogans, in der / dem Phrasen und Begriffe vermischt, gesampelt werden (Stichwort: schlagende ...) ( - wobei ich auch hier mindestens mit der zweiten Strophe recht unglücklich bin).
Im ungünstigen Fall funktioniert das so einfach nicht.

lg
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