Alle Gedichte, die in keine andere Kategorie passen

vom leben

Beitragvon Neruda » Do 18 Feb, 2010 16:27


abgetrennt & trotzdem erhobenen hauptes
auf dem balkongeländer tänzeln, ein tanz um die eigene mitte
oder: geht es um das ansehen dieser welt,
die aussicht auf tannennadelbedeckte dächer, braun und klebrig:
die kunst des regens, ein abgestorbenes gemälde

hier ist die plattform
zum schweigen, zum alleine sein
mit der grauen fassade, mit verblühten gerbera
& der hoffnung auf erste schneeglöckchen
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Re: vom leben

Beitragvon MutedStoryteller » Do 18 Feb, 2010 18:30


Hallo,
Du startest schön in diesem Gedicht,
die erhobenen, abgeschlagenen Köpfe, die später sogar als Blütenköpfe interpretiert werden können, sind ein bündiger Start. Mir wären sie sogar als Titel lieber, "vom leben" ist doch sehr allgemein, und hebt aus meiner Sicht das Gedicht etwas aus den Angeln. Mir gefällt die Allegorie der Pflanze, die sich durch den ganzen Text zieht. Die „Schalen“ der „Welt“ im ersten Abschnitt erfrischend aufgebaut, Erwartungen werden geschürt und dann anders bewertet. So wird der leichte Tanz zu einem taumeln oder ein Regenkunstwerk zu toter Kunst erklärt. Während die Zeilen 1 und 2 damit überraschen, und 4 (die tannenadeldächer) immerhin interessant bleibt, endet die erste Stophe ziemlich schwach, mit dem Regengemälde. Hier bleibt die Überraschung aus, schon allein deshalb, da ich mir ein Regengemälde erst einmal vorstellen müsste (zu abstrakt), die Zeit dazu aber hier nicht bekomme. Ein Gemälde das es nicht gibt sterben zu lassen, ist ein zu langer Weg für diese eine Zeile, in meinen Augen.
Auch der Kern (Zeile 3) Überzeugt mich nicht und nimmt Schwung aus dem dynamisch begonnenen Gedicht, auch wenn beim näheren hinsehen der Teil an Bedeutung gewinnt. Ich würde das „verdorbene“ entfernen um mehr Aufmerksamkeit auf das „Ansehen“ zu lenken, und alles weniger plakativ wirken zu lassen.

Der zweite Teil allerdings kann mich erfolgreich ein weiteres Mal aufs Glatteis führen.
eine „Plattform zum...“ lässt mich nun ein Forum vermuten, in dem diskutiert wird. Entsprechend überraschend ist das schweigen platziert, als es mir die zusammengelaufen Luft im Mund stecken lässt.
Auch die leere graue Fassade füllt sich auf den zweiten Blick mit welken Blumenköfpchen, dagegen ist wieder der Schlusssatz außer der Reihe und ein wenig altbekannt. Das Schneeglöcken mildert das Klima. Leider, muss man sagen, denn da ist noch Platz für einen spannenderen Abschluss.

Für mich scheint es, das du ein gesellschaftliches Thema aufgreifst, vielleicht die Ignoranz der Massen?
Oder vielmehr die Arronaganz des Einzigen, die sich zu einer solchen distanzierten Massenignoranz entwickelt?
Jedenfalls hat das Gedicht einen interessanten Nachgeschmack hinterlassen,
auch wenn der Abgang nicht ganz so schmackhaft war.

Dennoch gern gelesen!
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Re: vom leben

Beitragvon Neruda » Do 18 Feb, 2010 19:01


Hey,

vielen Dank für deinen Kommentar und die doch recht ausführliche Auseinandersetzung mit dem Gedicht.
Das du die abgetrennten Köpfe als Blütenköpfe interpretierst finde ich total interessant, da ich selber gar nicht auf die Idee gekommen bin. Ich habe da selber was anderes im Kopf gehabt, aber jetzt wo du's sagst fällt mir auf, dass das auch total gut passt.
Zum Titel: Ja, normalerweise würde ich dir Recht geben, aber den Titel gelesen in Kombination mit der ersten Zeile, also: "vom leben abgetrennt" finde ich passend, deswegen wird der Titel bleiben.
Mit dem verdorbenen hast du vermutlich Recht. Das gefiel mri auch von Anfang an nicht so richtig, ich denke ich werde es so wie du vorgeschlagen hast, einfach streichen.
Mh ja, vielleicht ist das Ende auch ncith so richtig gelungen. Da muss ich nochmal drüber nachdenken. Ich mag den Abschluss mit den Schneeglöckchen eigentlich, aber er ist wohl wirklich etwas langweilig. Was würdest du denn spannender finden? Hast du vielleicht einen Alternativvorschlag für mich?
Ja, die Ignoranz der Massen ist sicherlich eine mögliche Deutung, wenn es auch nur zum Teil meine Intention war.
Schön, dass du den Text trotzdem gern gelesen hast.

Lg, Kim
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Re: vom leben

Beitragvon MutedStoryteller » Do 18 Feb, 2010 19:08


"aber die ersten Glocken am Turm, leuten hoffentlich still und weiß."

Wenn ich konsequent bleiben will. Aber willst du das?
Nur eine Idee. :rolleyes:
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Re: vom leben

Beitragvon Neruda » Do 18 Feb, 2010 19:09


Mh nein, ich glaube, dass find eich nciht so passend.

Aber danke für den Vorschlag :D
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