Alle Gedichte, die in keine andere Kategorie passen

Re: fast oktober

Beitragvon turmfalke » Mi 01 Okt, 2008 13:09


hi hirn, ich kann hierzu nicht länger schweigen, auch wenn ich vielleicht nicht viel zu sagen hab.
es gibt einige stellen in dem gedicht, die mir sehr gut gefallen, andere find ich zu flach, aber darauf gehe ich später näher ein. eigentlich mag ich die form des gedichts, also rein äußerlich, aber gerade deswegen stört mich die letzte unvollendete zeile (der rest september – noch nicht ganz oktober – also der september noch nicht aufgefüllt? dafür ist mir zu wenig september in der letzten zeile.) und der herausstechende vierte vers. gerade die sicherheit, irgendwie passt das nicht.
es ist gut, dass der titel mit in die erste zeile gerückt ist, das gibt „reiz den regen aus“ schon irgendwie sinn; das stand vorher viel zu unvermittelt da.
insgesamt sind in dem gedicht irgendwie zu viele körperteile – kniekehlen, beine, schamlippen, hände – nichts ganzes und nichts halbes, irgendwie fehlt die verbindung (oder ich sehe sie nicht), nein, es ist einfach nicht rund. und auch zu viele artikel stören den lesefluss. insgesamt: zwei mal „den“ und fünf mal „die“, da kommt man verbal ins stolpern.
was mich aber bei dem gedicht am meisten stört, ist die stelle „und vor feuchtigkeit aufgequollene filter, // ganz leergesogen.“ – bezieht sich das leergesogen auf die schamlippen (was an sich irgendwie unmöglich ist) oder auf die aufgequollenen filter (als sehr schlechter gegensatz)? komischerweise folgt unmittelbar nach dieser schwachstelle der beste teil des gedichts: „spreiz die hände, da fällt mit sicherheit // kein regen drauf, nur die ersten umrisse von tau“. das sind starke bilder, da hat man beim lesen das gefühl, das man bei intimhirnlyrik zu haben hat.
die mitte des gedichts stimmt nicht und weil sie nicht stimmt macht sie das ganze gedicht kaputt. zumindest für mich, aber vielleicht verstehe ich die anderthalb verse auch nicht.

lieben gruß,
f.
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Re: fast oktober

Beitragvon blaue_Raupe » Mi 01 Okt, 2008 16:21


Hallo hirn,


jetzt bin auch ich hier noch klemmen geblieben.
Was mich drangehalten hat und ich recht "hirnisch" finde, ist die Basis, der Umrriss einer kleinen Lage, auf die man (zumindest ich) nicht so ohne Weiteres kommen würde.
Was aber mehr in mir arbeitet bislang, ist die Situation, die tufa angesprochen hat, die "Filter"-Trennbilder, die zumindest im Gefühl als Bruch zum Tragen zu kommen scheinen. Damit wusste ich auch nicht die Masse anzufangen, nach ner Weile gibt's vielleicht zumindest Möglichkeiten, wie sie sich fügen lassen (wobei ich vermute, dass die Schwierigkeit der Deutung hier aus der argen Verkürzung entsteht.)
schamlippen und vor feuchtigkeit aufgequollene filter,
ganz leergesogen.

Wenn ich den "Filter" als Wahrnehmungsaspekt hernehme & Wasser als Nährendes, komm' ich letztlich drauf, dass die teilweise Unverständlichkeit den Tempi geschuldet sein könnte. "vor feuchtigkeit aufgequollene filter [die] [vorher] ganz leergesogen [waren]".
Was mir etwas besser gefiele an der Stelle, und das kippt die Tempi nur ein Stück weit hintenüber, ist der Fall der Gleichzeitigkeit, dass das Nähren mit einer Art gierigem wieder Leersaugen zusammenfällt, so dass der Zustand des "voll seins" kaum stattfinden kann.
Trotzdem bliebe das problematisch in der Formulierung, einmal wegen des Präfixes "voll-" eben, zum anderen, weil auch die Gleichzeitigkeit noch einen Anzeiger bräuchte, den ich so hier noch nicht finde, grammarly speaking.
~
"Filter" könnte ich als Doppler nehmen, oberhalb sinnlicher Filter (Schamlippen) gelegen, aber nicht ganz zu trennen. Gemischt beides, in sinnlichen und reflektierenden Anteilen, zumindest in der Lesart). Der Filter scheint teils auch die Schnittstelle zwischen Natur & Gebautem zu sein, der in der sitzenden Person begraben liegt.
So wandern Nähren, Aufnehmen & Verarbeiten vielleicht (auch weil Flüssigkeit) durch Arten von osmotischen oder "diffundier" Filter, im Übertragenden. Das Gedicht geht zum Glück etwas sinnlicher vor an diesen Stellen.
Aber das sind wieder bloß Filterweisen, die das Nagen ergeben hat.

Soweit zum Stückchen. Ansonsten hat tufa schon vieles angebracht.

VG
r~~~

Edit: "ganz leergesogen" als Füllstück im "ohne vorherige Inhalte", also, dass der Filter leergesogen ist und dafür mit Wasser angefüllt, so vielleicht ausschließlich ge-/erfüllt von der Situation, in der die Person ist (drängte sich grade noch auf), wäre ebenfalls ein Opfer der argen Verkürzung, wie ich finde, da beides bloß dem Wasserbezug unterliegt. Just mentionin' ...
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