Schließlich Melancholie

Noch schwipst das Hirngedärm in Dämmerwallung
Und kleistern sich Synapsen Strang an Strang,
Doch keucht und wimmert durch Gedicht und Ballung
- wie dornumkränzt – des Menschen Abgesang.
Mir schillert mein Gestirn auf den Asphalt,
Der quallenartig Tag und Nacht umkrallt:

Da keift Jerusalem Siddhartas Veden.
Mandragora und Nieswurz treiben’s wild.
Atomic bombs, verschanzt im Garten Eden
Und Gott, der aus den Orthodoxen qillt.
Mir graut: sie keimt und schwärt, die alte Fose,
Und gluckst ihr »Amen«: Sei, Apotheose!

Da schlingt die Arktis Thule – welch Spektakel -
Seht auf und weint, eh ihr euch neu verpaart!
A brave new world – ein keuchendes Globakel.
Im Poltau krächzt der Amurleopard.
Gehirn und Arsch voll Atrophie und Mohn
Gafft Adam schwarze Löcher ins Ozon.

Da rötet sich nun Shangri-La im Osten,
Die Menschheitsdämmerung – paranoid?
Die Welt ist eine Hure – »Was soll’s kosten?«
Tortur in Öl, womöglich Genozid?
Europa lümmelt, träge vor Demenz,
Sich in den greisen Schoß der Dekadenz.

Der Zeitgeist: Pubertät und Parataxen
Und die Synpasen reißen Strang um Strang.
Der gute Hirte wacht ob bösen Achsen -
Geburt und Sopor. Was war von Belang?
Und kopflastig im Flor der Empathie
Verfall ich schließlich dir, Melancholie.

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