Humor und Satire

klang der fremde

Beitragvon rivus » So 06 Feb, 2011 20:30


zwei heidensprünge weit, sagtest du, rollt eine alte
krippenwagen, und streicht mohnspät über die puppen-
stube, mein transeamus, wurde tonlos gestrichen, ich
hörte auf nächtlicher weide die bässe aus der stadt-
mauer auf weiten marktplätzen; auf dem nieder-
ring stand sie und sang wie sie brüchig und halb
verstört sang, da zitterte eine zweite brüchige neben ihr
schreckte der dreieinige tod mit roten wangen balln
brannten andere flöten klarinetten und hörner tief im
dunkeln. die noten :||: trieben kalt durch flackerndes und
die kartoffelfeuer standen näher, um kornpuppen.
um geheute mutter und vater regnet es
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Aw: klang der fremde

Beitragvon cube » Mi 09 Feb, 2011 00:44


hey rivus

wie die fremde für mich klingt: eine kakophonie aus verstörten und brüchigen stimmen, das geistliche lied lese ich in spannung zu den heidensprüngen, aber halt, das transeamus wurde ohnehin tonlos gestrichen, also ist es nicht vorhanden, außer in etwas wie einer verneinung.
und heidnisch, was ist das schon, eine diffamierende bezeichnung von christen für nichtchristen, die dafür nicht mit dem dreieinigen tod gesegnet sind.

mir scheint es hier keinen haltepunkt zu geben, weder im heiden- noch im christentum oder in sonst einem weltbild. nur einen illusionslosen blick durch düstere linsen. sehr eindrucksvoll, das ganze, auch wenn ich auf den ersten blick mit dem geheute im letzten vers beim besten willen nichts anfangen kann. das soll jetzt keine kritik sein, nur eine leseempfindung im ersten eindruck.

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Beitragvon rivus » Do 10 Feb, 2011 01:35


hi cube,
danke für deine annäherung. das stück entstand nach dem lesen von kim thúý's der klang der fremde.

es verarbeitet eine schlesische geschichte.

geheute vater u. mutter stehen auch für veränderte vater u. mutter, die sich verwandeln mussten, nach alldem davor geschehenen.

heidensprünge stehen für veränderungen, sowohl lokaler und lebenstechnischer natur, als auch für konfessionen, die als reisegepäck mitgenommen wurden, aber unter neuen lebensbedingungen auch das eigene überleben gefährdeten und innerlich bewahrt doch auch sicherten.

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Aw: klang der fremde

Beitragvon Perry » Fr 11 Feb, 2011 01:34


Hallo rivus,
da steckt viel Lokalkolorit drin, was den Text zwar liebevoll, aber für andere etwas schwer verständlich macht.
Insgesamt lese ich von einem Versuch in der Fremde heimische Klänge zu verbreiten.
Total hängen gebleiben bin ich am "transeamus", das laut Google ein "ein schlesisches weihnachtliches Chorwerk" ist.
Da frage ich mich doch, ob das nicht den Rahmen eines Gedichtes sprengt, aber das ist vermutlich Ansichtssache.
LG
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Aw: klang der fremde

Beitragvon rivus » Fr 11 Feb, 2011 02:09


hallo nochmal,
ja und nein. transeamus ist aber auch ein vertrauter klang und zugleich ein unwirklicher klang in der fremde. es kann auch als einfaches lied, eine "klingend gewordene krippe", gesungen werden. das klingt dann nicht mehr so schwer u. choral.

lg, rivus
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