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im fliegenglas VI

Beitragvon OlafmitdemTraktor » Sa 20 Jun, 2009 15:37


männer mit schwitzenden füßen
vermessen die wände
sammeln augäpfel und verlorene zähne
erneuern die häute vor meinem fenster

ich träume
ihren zärtlichen schnitt
durch meine kehle und

gurgelnd verliert sich
der mangel
an kleinen dingen
Der Schlüssel zum Glück ist auf jeden Fall ersteinmal ein Schlüssel. (Gregor Libkowsky)
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Re: im fliegenglas VI

Beitragvon Ruelfig » Mo 22 Jun, 2009 20:34


Hallo Olaf,
ein Dokumentarfilm aus einer Versuchsanstalt, irgendwo im Keller ist die Abteilung für Vollzug. In der ersten Strophe Geruch, Gesichtssinn und Geschmack und gleich wird wieder zugezogen. Dann, als zusätzlicher Sinn, die Phantasie, Gefühl, Berührung als Behebung eines Mangels an kleinen Dingen, ein (letzter) Ton. So lese ich das, ein beeindruckendes Stück, damit bin ich noch nicht fertig.
LG,
R
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Re: im fliegenglas VI

Beitragvon Old Gil » Mi 24 Jun, 2009 21:17


Hallo Olaf,
Hiermit werde ich wohl noch einige Zeit verbringen. Einengung, Bewegungslosigkeit, Resignation und Lethargie, alles irgendwie melancholisch und sehr, sehr organisch, wie ich finde. Bei mehrmailgem Lesen stellt sich mir die Frage, wie es den Männern geht. Aber sie passen hier rein, warum auch immer, trotz der schwitzenden Füße persönlichkeitslos.
Aufwühlend. Ich bin beeindruckt.
danke, dafür,
gil.
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Re: im fliegenglas VI

Beitragvon rivus » Do 25 Jun, 2009 19:18


hallo olaf,
mir geht es wie ruelfig & ich stapfe in den spuren von old gil und doch lebt dein dingens, so dass ich das fliegenglas noch eine weile mit mir herumschleppen werde, als ob es ein stück von mir wäre. mir bleibt nur das vermessen von enger werdenden wänden, bestückt mit den sieger- und / oder verlierertrophäen früherer zeiten. ich wandle zwischen dualen (derb-weichen) identitäten hin und her und spüre "die häute vor meinem fenster"! . aber dem li bleibt immerhin das träumen ihrer zärtlichen schnitte durch die kehle , so dass ein langsames sterben wenigstens noch möglich ist und so verliert sich die relativität der kleine dinge. das große kann getrost kommen. wir männer sind noch helden. (im fliegenglas VI gibt es die dazu passende anschauungsunterrichtung!). das dingens geht auch von der sprache her unter meine häute und spielt die kräftig gezeichneten farben yang & yin in vollen lesezügen ein und aus.

sehr gern gelesen
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Re: im fliegenglas VI

Beitragvon Struppigel » Di 28 Jul, 2009 14:17


-als Gedicht des Monats Juni in den Siegerbereich verschoben-
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