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der geruch von klinke, spüle, meer

Beitragvon Anna Lyse » Di 14 Sep, 2010 20:37


/bis zum anderen landende geht die sonne ab
und sterne funkeln müll, immer zu,
maisfelder tragen geräuschte röcke
trocknen mehr, ein rascheln zum morgen
gebet: wer möge geben: nur wärmster tag.
bald welkt alles über gelb, über braun,
über erde hin ackerfahl.
.

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rivus (Mo 04 Jul, 2011 06:25)
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Re: der geruch von klinke, spüle, meer

Beitragvon rivus » Do 16 Sep, 2010 10:11


ach isa,
während der geruch immer spürbarer und intensiver wird, sich in wundersamen ruchbildern, zu geschichten von klinken spülen meeren forrmiert, verschwindet die mögliche schöne parallelwelt. wir haben die klinkenlosen türen unserer wohnzimmer wieder mit klinken versehen, um sie weit aufstoßen zu können, um endlich auch einen zugang zu den lange unbenutzten wasserhähnen zu bekommen, deren wasser wie befreit alles unmeerig riechende, alles was uns fest kokoniert, eingeengt hat, fortspült und uns gleich mit. um uns ist nur noch unbändiges meer, eine zweite, zu späte embryonalhaut, die uns eine andere welt, eine abenteuervolle, offene welt verspricht.

aber das "/" durchmeeren gelingt nicht wie erhofft, das andere, ersehnte land bleibt zu fern, obwohl wir es erschwimmen wollten, geht die sonne vorher ab und die dunkelheit schiebt die mitgenommenen gegenstände des lebens einfach meehaftend beiseite. inmitten des meeres funkeln zwar die sterne sehr astronomisch, vielversprechend, doch sie funkeln nur den mitgebrachten und den schon vorher dagewesenen müll und im müll versinken wir , um wiederum in einer traumwelt aufzutauchen. ja und ja, die maisfelder tragen immer noch "die geräuschten röcke", diese sinnlichen versprechungen und verführungen, umruchen, umrocken, umnässen, trocknen unser lebhaftes verlangen und wir befinden uns nur hoch auf trockendocks. der morgen raschelt dennoch lieblich und doch allzu vergänglich, erinnert an den fast vergessenen, altmüllenden, neulastigen alltag. aber der klinkenspülmeergang hat uns poetisiert und unser sehnen potenziert. wir beten inständig, meerständig geworden, dass es keinen platz mehr für gefühlskälte, hoffnungslosigkeit gibt. die wärme soll einzug halten wie "nur der wärmste tag", wenigstens bis wir ganz im kreislauf der natur, der farben, des wirklichen welkens die dritte heimat finden werden. es ist eine erdende, auch ackerfahle welt! sie ist aber mit der geruchsbrille von klinke, spüle, meer und neuen geschichten ganz und gar aushaltbar.

danke für die zeilen. ich habe sie gerne gelesen

liebe grüße, rivus
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Re: der geruch von klinke, spüle, meer

Beitragvon moon » Fr 17 Sep, 2010 20:57


isabella,

interpretatorisch hat rivus schon viel gesehen. meine begeisterung über dein gedicht mögen diese zeilen dir verraten:

der geruch von schminke, kühle, sehr

ungeschminkt in schwüler leere bleiben
umwunden in ferne, dunkeln auf
die weißmelder der ärmsten ragen
über nackter sonnen stahl

im dreieck gesprungene grüße
vom mond
[size=85:2xjb9d7p]Vince: Hey Howard, what will your last words be?
Howard: I'll probably just do some poetry. What will yours be?
Vince: I'll probably just swear my tits off.
(Noel Fielding, Julian Barrat)[/size]
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Re: der geruch von klinke, spüle, meer

Beitragvon Neu Tron » Sa 18 Sep, 2010 15:13


Steht der Slash am Anfang mit Absicht? Wenn ja: und nun? Soll es schon abgehakt sein, bevor es angefangen hat? Nicht dass ich um eine Übersetzung bitte, aber ob es überhaupt intendiert ist, interessiert mich doch sehr. Auch wenn es für "aufgehend" stehen soll. Ich weiß nicht. Wozu diese Ablenkung? Hat dein Gedicht etwas zu verheimlichen? Warum dann ein öffentliches Geheimnis daraus machen? Mit der Verdichtung hin zum Zeichen kann ich meistens nichts anfangen. Und hier verdirbt es mir ernsthaft den Lesespaß. Aber ich bin keine Deutsch-Lehrerin, sonst würde ich dir das ohne Erklärung nicht durchgehen lassen. Ich sehe ja Talent. Umso schlimmer diese Verstellung. Es ist doch verstellt genug. Unverständlich genug. Ein Rorschachtest. Ein freies Bild, das dazu gemacht ist, alles zuzulassen. Aber wozu braucht es das? Ich falle hindurch und lande immer bei mir selbst. Das bringt mich nicht voran. Ist die reine Diagnostik, kein Zentimeter Intervention. Deskriptiv. Geht nicht weiter, tut nicht mal weh, ist auch nicht lustig, ist geschlechtslos mit weiblichen Andeutungen (verfall, warmer tag), leistet nichts. Ist nur schön. Klingt romantisch. Bettina-Wegner-Kitsch. Keine IsaG. Ein Niemand. Ein Jeder. Konstruktivistisch. Hermeneutisch. Keine Neuigkeit. Vergeht nur Zeit. Es welkt. Jaja, der Herbst, der Winter. Und dann auch wieder Frühling und Sommer. Es wiederholt sich selbst. Warum noch verdichten? Konfrontation? Mit was? Es zerbricht sich seinen Kopf. Umsonst.

Ich habe noch rasch gegoogelt. Es ist ein Facebook-Gedicht. Genauer: ein Wordpress-Gedicht. Ein Dichterplanet. Ein Paperblog. Ein Iserverdicht. Es soll nach draußen. Es drängt hin zum Öffentlichen. Um jeden Preis. "Ackerfahl" ist bayrisch. Digitales Speakers Corner. Den Preis hast du gezahlt. Ich danke dir dafür.



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Aw: der geruch von klinke, spüle, meer

Beitragvon Anna Lyse » Mi 06 Okt, 2010 15:28


huhu an euch drei,

nein ich habe euch nicht vergessen ich war nur stinkfaul. tut mir sehr leid, ist nicht gerade der nötige respekt dem man seinen kritikern entgegenbringen sollte aber ich bin nur ehrlich :D

@rivus:
danke für das durchweg interpretieren meines textes. hat mir sehr gefallen, ich schwelgte gerne in deinen worten auch wenn ich gar nicht glauben konnte was man so alles in so simplen sehen bzw. lesen kann.
das mit dem geruch ja, das ist die einleitung, einführung oder vorführung wie auch immer man das lesen möchte. ich bin schon der meinung dass man klinke in kombination von meer sehr gut erriechen kann. zumindest war das bei mir der ansatz oder auch nur die idee.
inmitten des meeres funkeln zwar die sterne sehr astronomisch, vielversprechend, doch sie funkeln nur den mitgebrachten und den schon vorher dagewesenen müll und im müll versinken wir , um wiederum in einer traumwelt aufzutauchen.

das war sehr schön beschrieben rivus, vor allem das oben zitierte hat es mir sehr angetan. denn ich wollte mal die andere seite des so oft romantisierten ideal aufzeigen. müll und sterne haben auch etwas einzigartiges. es muss nicht alles glänzen (davon mal abgesehen glänzt müll auch).
im grunde wollte ich mit dem ganzen stück nur ein bisschen herbstlich werden, vielleicht ein bisschen zu viel ausartung, dennoch hoffe ich doch die zeit hat gesiegt.
lg an dich!

@neu tron:

auch dir ein großes danke für die sehr kritische sicht auf meinen text. ich mag deine ehrlichkeit und deine worte bringen mich sogar noch näher an diesen text als ich wollte.
Steht der Slash am Anfang mit Absicht? Wenn ja: und nun?

ja pure absicht. wenn auch erst spät dazugefügt. ich sprach mit einem freund über dieses stück und wies daraufhin dass der titel eigentlich nicht der titel ist. ich wollte aber einen titel haben und ihn nicht o.T. benennen. was tun? ich fand die erste zeile so wie sie hier als titel fungiert dazu viel zu schade, somit wollte ich mit dem slash daraufhindeuten dass die erste zeile direkt mit dem titel in zusammenhang steht. sie ist nur ein fortsatz der ersten zeile o. hier titel. weiss nicht ob dies jetzt deine frage beantwortet, was besseres weiss ich dazu jetzt nicht zu schreiben. du hast wohl recht und man könnte solchen schnickschnack auch gut und gerne einfach weg lassen. warum nicht...vielleicht bin ich viel zu verschnörkelt für minimalismus auch wenn ich minimales durchaus zu schätzen weiss.
Umso schlimmer diese Verstellung. Es ist doch verstellt genug. Unverständlich genug. Ein Rorschachtest. Ein freies Bild, das dazu gemacht ist, alles zuzulassen. Aber wozu braucht es das? Ich falle hindurch und lande immer bei mir selbst. Das bringt mich nicht voran. Ist die reine Diagnostik, kein Zentimeter Intervention. Deskriptiv. Geht nicht weiter, tut nicht mal weh, ist auch nicht lustig, ist geschlechtslos mit weiblichen Andeutungen (verfall, warmer tag), leistet nichts. Ist nur schön. Klingt romantisch. Bettina-Wegner-Kitsch. Keine IsaG.

nein ich rette mich jetzt nicht mit: "das soll so sein und war absicht" :D
ja ich kann nicht mehr tun als das ganze jetzt noch versuchen zu ändern weil du ja nicht so ganz mit diesem bisschen "kitsch" und "nur schön" sowie der nicht erbrachten leistung anfangen kannst. hättest du mir noch konkrete vorschläge? was wäre denn deines erachtens besser, womit könnte man diesen text noch "retten" ? ich mache mir auch gedanken über deine aussage der geschlechtslosigkeit mit "weiblichen andeutungen", weiss beim besten willen nicht wie du darauf kommst, wenn du mir noch ein beispiel geben würdest vielleicht könnte ich es dann eher verstehen. gut dass es wenigstens kein geschlecht hat und somit auch keinen platz irgendwo, würd ich jetzt mal behaupten. andererseits ist es doch beunruhigend...hmm vielleicht kann ich zumindest mal deine kritik für meine nächsten stücke im hinterkopf behalten.
freut mich auch dass dir google weiterhelfen konnte. das ackerfahl bayerisch ist wusste ich z.B. gar nicht, ich mag nur das wort und fand es passte vortrefflich in die zeile in der es jetzt steht.
danke neu tron.

@moon:
danke dir auch für das feedback und die durchschimmernde euphorie. weiss zwar wenig mit deinem antwort gedicht anzufangen obwohl es sehr! amüsant ist. ich grüße dich auch ganz lieb und spring dreieckig! ;)
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Aw: der geruch von klinke, spüle, meer

Beitragvon rivus » Mi 20 Okt, 2010 20:52


herzlich glückwunsch zum monatsgedicht Isa, freut mich für dich :) rivulus
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Beitragvon Struppigel » Do 21 Okt, 2010 09:10


Dem schließe ich mich an. Glückwunsch!
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Beitragvon Anna Lyse » Sa 23 Okt, 2010 09:08


vielen dank euch :) hatte ja mit einem unentschieden gerechnet!
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Beitragvon Ruelfig » Mo 25 Okt, 2010 18:13


Gratuliere ebenfalls, war mein Favorit (also, war im Sinne von: zum Zeitpunkt der Abstimmung, ist es natürlich auch heute noch :) ) und so/weitermachen.
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Re: der geruch von klinke, spüle, meer

Beitragvon rivus » Mo 11 Jun, 2012 00:03


hi isa, das ist in meinem reiserucksack.
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