Pessimistische Lyrik

Delirium

Beitragvon entitàgratuita » Di 13 Nov, 2012 23:26


Ein Hammerschlag treibt meinen Geist
Aus den Tiefen seiner selbst.
Mit Ach und Krach er mir entgleist
Und mein Bewusstsein mit sich reißt

An einen Ort, der mir so fremd.
Er wirkt so falsch, so sehr gestellt.
Ich kann nicht sehen, kann nicht erkennen,
Kann hier nicht ruhen und doch nicht rennen.

Im Fieberwahn
Und ohne Plan
Auf einer graden, schiefen Bahn.
Von jedem Glauben losgesagt,
Jede Hoffnung fortgejagt,
Bleibt mir nicht viel und keine Zeit
Heilt diese Wunde, die mich teilt.
In Schmerzen und in Einsamkeit
Vergeht mir der Sinn nach Leichtigkeit.

Und ich bin dieser Welt so fremd.
Was zählt denn schon, was mich hier quält?
Ich schwebe hier im sanften Schein.
Erlöst mich doch von dieser Pein...

Ein Donnerschlag reißt mein Gehirn
Aus dem Schädel in das Licht!
Der Wahnsinn meinen Verstand regiert,
Nutzt als Amboss meine Stirn!

Es brennen meine Innereien!
Mein Speichel eine blutige Gischt
Bleibt mir im Rachen, kann nicht schreien,
Nicht ganz vergehen und nicht gedeihen.

Im Todeskampf
Brauchts nicht mehr lang
Bis ich erschlaffe, nicht mehr kann.
Weiß nicht, worauf ich hoffen soll.
Will ich zwar leben friedevoll,
Erscheint der Tod doch greifbar nah:
Ein letzter Schritt und ich bin da.
So treib ich hier auf schmalem Grat.
Mein bleicher Schädel wird mein Sarg.

Und ich bin dieser Welt so fern,
Bin heißes Gas, ein weiter Stern.
Doch in der Stille frag ich mich:
Warum werd ich erdrückt vom eigenen Gewicht?
Warum verschluck ich jedes Licht,
Doch ersticke nicht?
Warum bin ich hier so allein?
Erlöst mich doch von dieser Pein...
ERLÖST MICH DOCH VON DIESER PEIN!

Und plötzlich
Seh ich klar, der Nebel verschwimmt.
Der Schatten vor meinen Augen an Schärfe gewinnt.
Nass die Haut zwar und trocken die Kehle,
Schätz ich mich froh, dass ich wieder lebe!
Brauch nicht mehr zu rennen, mich nicht zu verstecken,
Bin entkommen der Hölle mit all ihren Schrecken!

Und doch:
Ein Zweifel sitzt mir tief im Bauch.
Was, wenn all diese Menschen und auch dieser Raum
Sind nicht real, nur ein Fiebertraum?

Wie kann ich wissen, ob das alles hier echt?
Wie, ob der Wahnsinn mich nicht immer noch hetzt?
Was kann ich tun, außer beten und hoffen?
An all jenes glauben, was mich je betroffen...

Dem Delirium entkommen, kann ichs doch nicht leugen:
Mich plagt jener Zweifel von damals noch heute.


---
Also liebe Gemeinde, ich bin neu hier, von nem Kumpel auf dieses Forum gebracht worden und bin dementsprechend gespannt, was ihr von dem Text haltet ;) Der Text selber ist bisher mein neuster und letzte Woche beendet worden(wenn mans denn so nennen will).
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Re: Delirium

Beitragvon GlasaugeBill » Mi 14 Nov, 2012 22:00


hej entita,

Willkommen, stell dich doch im entsprechenden Faden noch mal rasch vor.

Über die länge dieses Gedichtes kann man sicherlich streiten. Aber schwer über die handwerkliche Umsetzung, wenn Verse holpern ("Doch in der Stille frag ich mich:/warum werd ich erdrückt im eigenen Gewicht), obwohl doch alles in einfachen Jamben daherkommt und sich deren Enden in Unreimen (Grat - Sarg, mich - nicht, schwimmt - gewinnt ....) verlieren, dann tendiere ich nicht einmal mehr zu Knüttelversen oder nur im ganz freien Sinne.
Da es zwischen "Strophe" 2 und 10 auch inhaltlich auf der Stelle tritt, kann ich dem Gesamtgefüge nicht viel abgewinnen. Ich würde es begrüßen, wenn du überarbeitest und außer Reimen noch andere lyrische Mittel einbeziehst , beispielsweise die "Verdichtung".
Viele Grüße
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Re: Delirium

Beitragvon kokoschanell » Mi 14 Nov, 2012 22:49


hi, willkommen enti...

delirium ist entgleiten und irgendwie scheinst du das mit deinem text zu untermauern. er entgleitet sich.
zunächst beginnst du mit reimen und das ist nicht nicht schlecht, wie ich finde. ich würde die reime weglassen, da du es danach aufgibst. obwohl der wechsel des stils auch durchaus die instabilität des seins im delirium stützen kann.
dann aber:
Ein Hammerschlag treibt meinen Geist
aus Tiefen seiner selbst.
Mit Ach und Krach ist er entgleist,
Bewusstsein wie vereist.
beim kreuzreim m+sstets du auf selbst reimen.

So der so ähnlich.
Insgesamt kommt mir der Text ein wenig lang, Komprimieren und dennoch eine Entwicklung darstellen, das wäre ideal.
Aber wer it schon ideal?
Schmunzeln von koko
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Re: Delirium

Beitragvon entitàgratuita » Do 15 Nov, 2012 17:26


Danke erstmal für die Kritik. Ich werde mich gerne demnächst noch, wie vorgeschlagen, kurz im passenden Thread vorstellen.

Über den Vorwurf, wenn ich es denn so nennen darf, der schwachen handwerklichen Umsetzung kann ich nur soviel sagen, dass ich von konventionellen Gedichts- und Reimformen nicht unbedingt viel halte. Gedanken in ein solches Korsett zu zwängen, macht mir beim Schreiben auch einfach keinen Spaß. Zu den Reimen sei gesagt, dass ich eine gewisse Unreinheit zwar nicht anstrebe, doch zumindest erdulde. Dass diese dann teilweise nur noch als vage phonetische Ähnlichkeiten zu erkennen sind, ist wohl auf meine Schlampigkeit zurückzuführen. Wenn ich ein wenig Abstand zu dem Text gewonnen habe, werd ich mir die betreffenden Stellen nochmal ansehen.

[...]wenn Verse holpern ("Doch in der Stille frag ich mich:/warum werd ich erdrückt im eigenen Gewicht), obwohl doch alles in einfachen Jamben daherkommt[...]


Das war ein Versuch, eine gewisse Spannung in die Textstelle zu bekommen^^ Quasi als syntaktische Klimax, wenn man ich es denn so nennen darf:
Warum werd ich erdrückt vom eigenen Gewicht?
Warum verschluck ich jedes Licht,
Doch ersticke nicht?

Die sich verkürzenden Verse sollten, wie gesagt, eigentlich eine gewisse Spannung in die "schwarze Loch"-Metapher bringen. Scheinbar nicht so gut gelungen^^

@koko: Das soll kein Kreuzreim sein^^ Eigentlich sollen sich der zweite Vers der ersten Strophe auf den zweiten Vers der zweiten Strophe reimen.(selbst - gestellt) Ist vielleicht nicht so gut zu erkennen, wie oben schon erwähnt, die Reime sind teilweise in phonetische Ähnlichkeiten abgerutscht^^

Soviel erstmal von mir, ich muss dann auch los :P
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Re: Delirium

Beitragvon GlasaugeBill » Do 15 Nov, 2012 20:53


Hallo,

Wenn dir konventionelle Elemente nicht schmecken, warum befreist du dich nicht ganz von ihnen. So ist es doch weder Fisch noch Fleisch.
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Re: Delirium

Beitragvon entitàgratuita » Fr 16 Nov, 2012 01:15


Hey Bill,

ich habe mich nicht ganz von den konventionellen Elementen befreit, weil ich finde, dass sie ja durchaus ihre Berechtigung haben und Anwendung finden sollten(wobei der Gedanke an ein völlig konventionsloses Gedicht im Stile eines stream of consciosness natürlich auch seinen Reiz hat). Das beweisen, wie ich finde, Generationen von wunderbaren Gedichten und Dichtern. Ich habe ja nichts einzuwenden gegen rhetorische Mittel, ein Reimschema, einen Rhythmus im Text, usw. Was ich mit der etwas extremen Formulierung ausdrücken wollte, war einfach, dass ich gerne etwas freier bin in der Handhabung dieser Dinge. Dann ist es vielleicht weder Fisch noch Fleisch, aber doch eine persönliche Kombination aus beidem ;)
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Re: Delirium

Beitragvon kokoschanell » Fr 16 Nov, 2012 20:53


anmerkung: selbst und gestellt ist kein reim...
lg von koko
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Re: Delirium

Beitragvon entitàgratuita » Mo 19 Nov, 2012 23:39


Hi koko,

in meinen Augen ist es noch ein unreiner Reim :P
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