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Ein Dichter

Beitragvon wüstenvogel » Sa 19 Mai, 2012 22:00


Ich bin ein schlichter
eifriger Dichter
an vielen Orten
suche ich nach Worten.

Habe ich welche gefunden
halte ich sie fest
auf dem Papier
geschrieben
gehören sie mir
für eine Weile
machen sie Halt
bekommen eine Gestalt.

Werfe sie dann
in die weite Welt hinein
doch ein kleines Stück
bleibt zurück.
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Re: Ein Dichter

Beitragvon rivus » So 27 Mai, 2012 18:20


Hallo wüstenvogel,
bin schon viele Male um dein "Ein Dichter" rumgeschlichen. Ich habe unzählige Male dazu auch Textskizzen angelegt, aber auch wieder verworfen. Du schreibst immer schlicht; so beschreibt auch dein Gedicht das LyrIch. Jedoch ist es wohl eine Dimension des Schreiberlings, der allzu gern an vielen Orten zur gleichen Zeit sein will, sein würde, wenn er es könnte, Welten mit Worten nacheifern, nachempfinden zu können, wenn seine Immobilitäten auch noch so groß sein sollten. Nun sind solche Worte in besonderer Form bezogen, Geschöpfe des Leibes, der Seele, des Temperaments des Schreibenden, die Blutströme des Wahrgenommenen und des Phantasierten, des individuellen Gewahrwerdens von Haben und Sein. Gestalt, Formgebung werden immer auch nach dem Maß, nach dem Verhältnis suchen, in welchem ein Lyr mit der Welt verankert ist oder gern sein würde. Das Lyrich kann sich seine, ihm angemessene Welt schaffen, aber er wird sie auch immer mit der realen Welt konfrontieren müssen, sie in diese entlassen, damit sie sich in ihr gewähren, bewehren, behaupten, auseinandersetzen kann. Ganz gleich aber, wie das existentielle Schicksal der Textwelt auch ausgeht, immer wird ein kleines Stück vom Einstigen, im Lyr sterben oder weiter leben.

Gern ein wenig nachgedacht!
Lg, rivus
Zuletzt geändert von rivus am So 27 Mai, 2012 18:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ein Dichter

Beitragvon wüstenvogel » So 27 Mai, 2012 20:57


Hallo rivus,

schön dass du ein wenig in mein schlichtes Gedicht abgetaucht bist, ihm ein Stück gefolgt bist.

Viele Orte verbergen irgendwelche Worte, sie aufzuspüren, zu finden, sich mit ihnen zu verbinden,
sie auszudrücken, ihnen Form und Gestalt geben - darauf kommt es auch an beim Dichten.

Eigentlich muss ich mich bei dir bedanken, denn du hast meine Gedichte oft als schlichte bezeichnet
(was ein Buchstabe doch ausmacht!) - damit hast du mit eine Anregung zu diesem Gedicht geliefert.
Danke!

Ich verstehe deine Bemerkungen durchaus als eine Art Kompliment - mehr als ein schlichter Dichter wollte ich nie sein
(allerdings auch nicht weniger).

Gedichte, die sich erst nach mehrmaligem intensivem Lesen aufschließen - wenn überhaupt - möchte ich nicht schreiben, kann ich wahrscheinlich auch gar nicht,
obwohl auch sie einen gewissen Reiz haben. Diese Art von Dichtung beherrschen andere besser. Und sie hat natürlich genauso ihre Berechtigung.

In der Hoffnung, auch weiterhin "schlicht" schreiben zu können, verabschiedet sich mit vielen lieben Grüßen

der wüstenvogel
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